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Der Schlaf in den Uhren

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August 2015: Fabian Hoffmann, der einstige Dissident, steht als Chronist in Diensten der »Tausendundeinenachtabteilung« von Treva. Hier, in den Labyrinthen eines unterirdischen Reichs, arbeitet die »Sicherheit« an Aktivitäten, zu denen einst auch die Wiedervereinigung zweier geteilter Staaten gehörte. In diese Welt ist Fabian einem ihrer Kapitäne, Deckname »Nemo«, gefolgt, um herauszufinden, wer seine Schwester und seine Eltern verraten hat. Zugleich ist Fabian mit einer Chronik befasst, die zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung erscheinen soll. Doch es kommt anders. Fabian gerät auf eine Reise, die ihn tief in die trevische Gesellschaft und ihre Utopien hineinführt.

Er analysiert Ordnungsvorstellungen und Prinzipien der Machtausübung, die Verflechtungen von Politik, Staatsapparat und Medien, beobachtet die Veränderungen im alltäglichen Leben. Immer mehr löst sich dabei seine Chronik von ihrem ursprünglich amtlichen Auftrag, streift zurück bis in das Dresden seiner Kindheit, in die stillstehende Zeit vor zwei Epochenjahren. Auf seiner Suche nach Ordnung und Sinn kämpft Fabian gegen die Windmühlen der Macht, die Fälschungen der Wirklichkeit, den Verlust aller Sicherheiten – und gibt doch den Traum von einer befreiten Zukunft nicht verloren.

904 pages, Hardcover

First published May 16, 2022

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About the author

Uwe Tellkamp

15 books29 followers
Uwe Tellkamp is a German writer and physician. He practised medicine until 2004. Before the fall of communism, he was enlisted in the National People's Army as a tank commander and imprisoned when he refused to break up a demonstration in October 1989. Until the fall of the German Democratic Republic shortly after, he was prohibited from studying medicine.

In 2008 Tellkamp was awarded the German Book Prize for his novel Der Turm (The Tower), which describes life in 1980s East Germany.

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
484 reviews454 followers
May 15, 2023
Ermüdender magischer Realismus gegen eingefahrene Aufschreibsysteme.
Detaillierte und vielleicht begründeter hier: https://kommunikativeslesen.com/2022/...

Uwe Tellkamp ist bewusst oder unbewusst in die Fußstapfen von Günther Grass getreten. Mit „Der Turm“ legte er eine glasklare Fortschreibung und Fortsetzung von „Ein weites Feld“ vor. Als Chronist der deutschen Nachkriegsgeschichte arbeitete er sich bislang an den disparaten Welten und sozialen Prozessen ab wie seiner Zeit Grass, der ebenfalls zu allen Themen und aktuellen Problemzonen einen Roman verfasst hat. Tellkamp geht mit „Der Schlaf in den Uhren“ nun neue Wege, die die engen narrativen Bahnen eines an Theodor Fontane angelegten narrativen Realismus weit hinter sich lassen. In seinem Roman geht es nämlich nicht um die Bundesrepublik Deutschland, noch um die Deutsche Demokratische Republik, sondern um ein chimärisches Spiegelbild namens Treva, Argo und Brenta, in welchem »das Mammut«, »General«, »das Fossil«, »Außen Eins« und »Außen Zwei« der trevischen Nachrichtenagentur und die Tausendundeinenacht-Abteilung auf der »Kohleninsel« samt der »Dunkelgrauen« und »Hellgrauen Eminenz« ihr Unwesen treiben:

„Die Kohleninsel ein Labyrinth zu nennen wäre untertrieben, es gibt Labyrinthe auf mehreren vertikalen und horizontalen Ebenen, die den Archipelagus durchziehen, wie wir unser Gebiet vorzugsweise nennen. Der einfache und Staatsname erscheint uns unpassend und allzu oberflächlich.“

Im Sinne des magischen Realismus bedient sich Tellkamp hyperbolischen Metaphern und Chiffren, um der Darstellung der Gegenwart näherzukommen. Wie Ernesto Sabato oder Gabriel García Márquez in „Hundert Jahre Einsamkeit“ verwischt er die Grenzen zwischen Chronik, Reportage und Phantastik, um die vieldeutigen Ebenen aktueller Bezüge in holistischer Mehrdimensionalität darstellen zu können. Das Ergebnis erhält Kafkaeske Strukturen, unheimliche Sequenzen, und auseinanderlaufende und wieder zu sich zurückfindende Selbstbezüge, die der erinnernde Ich-Erzähler nachgeht, um sich wieder einen Überblick zu verschaffen, in einer komplex gewordenen, chaotisch werdenden Welt zurechtzufinden.

„Hinab stieg ich, er, mein Schatten, stieg hinab. Mein Interesse an den Geisterbahnhöfen war durch eine Studie Rohdes geweckt worden, sie hatte einen Zusammenhang zwischen diesen Bahnhöfen und der Zehnminutenuhr hergestellt, in einer Nebenbemerkung, aber doch so deutlich, dass ich wach geworden war. Die Zehnminutenuhr interessierte mich, sie hatte von meinen Vorstellungen förmlich Besitz ergriffen, in meinen Überlegungen hörte ich sie manchmal, die Manöver ihrer Mechanik […]“

„Der Schlaf in den Uhren“ liest sich schwer. Viele Namen und Pronomen gehen ineinander über, bspw. gibt es zwei Annes, und manchmal besitzt eine Figur nicht nur den Geburtsnamen, sondern auch einen Codenamen, einen Rufnamen und Kosenamen, so dass es nur konzentriertem Lesen möglich ist, den Überblick zwischen den handelnden, beschriebenen Figuren in den mindestens fünf verschiedenen Zeitebenen zu behalten (Erzählzeit Meno Rohdes, Kindheit und Jugend Fabian Hoffmanns, Zeit vor, während und nach der Arbeit für die Tausendundeinenacht-Abteilung). Erschwerend kommt hinzu, dass die Zeiten nur äußerst sparsam angezeigt werden und aus dem Handlungszusammenhang erschlossen werden müssen. Dazwischen schieben sich surrealistische Sprachspiele, die an Thomas Bernhard und andere avantgardistische Sprachexperimente erinnern:

„Der Handschuh: Außen ist er rot, eine kräftige Farbe, Zinnober, Sie wenden ihn, wir sehen nun ein schwaches, poröses Rot, noch ist erkennbar, was gemeint gewesen sein könnte, doch haben wir noch die Form, es ist immer noch ein Handschuh, der gleiche, vielleicht sogar derselbe, formal betrachtet.“

Uwe Tellkamps „Der Schlaf in den Uhren“ ist ein außergewöhnlicher Roman. Streng permutiert er ein quasi-, also halberfundenes Universum gegen eine chronologisch erfasste Bestandswirklichkeit. Er unterläuft auf diesem Wege eingefahrene Beschreibungsmuster und Aufschreibsysteme. Deutliche Parallelen lassen sich zu Heimito von Doderers „Strudlhofstiege“ und Claude Simon „Jardin des Plantes“ finden, die dem Gedächtnis freie Bahn zur Wucherung lassen. Wer jedoch wenig Sinn für formalästhetische Experimente hat, wird mit dem Text über weite Strecken keinen Spaß haben. Mir war er schlicht zu anstrengend.
116 reviews3 followers
August 25, 2022
Für einen Aufsatz hätte ich Herrn Tellkamp "Thema verfehlt" attestiert. Für dieses Buch ebenso. Der eine Stern ist nur für seine Mühe, immerhin 900 Seiten. Wenn er jedoch 2004 für einen Ausschnitt des Buches den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen hat, schrieb er im Jahr bis zur Erscheinung nur 50 Seiten/Jahr. Was hat Herr Tellkamp in der verbleibenden Zeit geschrieben?
Egal, das Buch hat mich genau wie der "Turm" nicht überzeugt. Eine Aufzählung von angerissenen Geschichten, bei denen man bis zum Ende nicht erfährt, wie es ausgeht. Natürlich kann Herr Tellkamp sagen, das war gewollt im Sinne der Episierung. In manchen Büchern finde ich es sogar schön, wenn man sich das Ende ausdenken darf. Das regt den Geist an. Aber in diesem Buch fehlt einfach der rote Faden, wenn Sie das Wort "rot" stört, dann eben Leitfaden oder Zusammenhang.
In einem Interview hat Herr Tellkamp gesagt, wenn jemand mitreden möchte, muss er das Buch lesen. Ich habe mich eine Woche durchgequält. Normalerweise hätte ich so ein Buch nach der Hälfte in die Ecke geschmissen (Entschuldigung). Aber ich wollte mitreden und das tue ich jetzt hier. Bitte lassen Sie sich nicht von den 4 Sternen bei Amazon blenden. Das sind Verkaufszahlen. Hier in dieser Plattform sind es echte Lesermeinungen.
Zurück zum Inhalt; genau wie im "Turm" beschreibt Tellkamp seitenlang Insekten, Spinnen, Falter, schwimmende Minen und zum Schluss noch Kellerasseln und Gemüseanbau. Natürlich verbindet er dann lyrisch die genannten Tiere, Minen und Gemüsesorten mit den Hauptpersonen des Buches. Aber warum so ausgiebig? Dann hatte ich das Gefühl, dass der eigentliche "Held" des Buches" Fabian von Meno überschattet wird. Meno von dem nie einer richtig schlau wird. War er nun bei der Stasi oder nicht? Okay, selbst wenn , gab es Stasileute, die ihren Familien- und Bekanntenkreis geschützt haben. Dann würden diese Leute aber in ein positives Licht gerückt werden. Dabei sind sie über Leichen gegangen.
Dass es in der ersten Bundesregierung "Alt-Nazis" gegeben hat, ist ja nun wirklich kein Geheimnis. Kann man alles bei Wikipedia nachlesen. Die Kritik an der letzten Bundesregierung ist mir einfach zu flach. Die Überheblichkeit der "Wessis" gegenüber uns "Ossis" kurz nach der "Wende" wird auch angesprochen. War mir auch zu lapidar. Wurden nicht auf beiden Seiten Fehler gemacht? Ich denke nur noch in Nord und Süd.
Die sogenannte Kohleninsel gibt nicht nur mir, sondern auch anderen Lesern Rätsel auf.
Die Krönung war der Schluss des Buches. Hier macht sich Tellkamp über die letzte DDR-Regierung lustig. Die Waldinsel, damit kann nur Wandlitz gemeint sein, wir genauer beschrieben. Aber selbst dies waren keine Neuigkeiten. Das Kapitel ähnelte einer Parodie, bei der sich Herr Tellkamp nicht nur über die Regierung sondern auch über den Leser lustig macht.
An einigen Stellen beschreibt er unsere Heimatstadt Dresden anschaulich.
Fazit; wenn Sie ein schönes (lyrisches) Buch lesen möchten, dann lesen Sie I. Schulze, A. R. Strubel (Die blaue Frau), S.Stanisic oder G. Abdulrazak, aber bitte nicht Uwe Tellkamp
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