Für einen Aufsatz hätte ich Herrn Tellkamp "Thema verfehlt" attestiert. Für dieses Buch ebenso. Der eine Stern ist nur für seine Mühe, immerhin 900 Seiten. Wenn er jedoch 2004 für einen Ausschnitt des Buches den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen hat, schrieb er im Jahr bis zur Erscheinung nur 50 Seiten/Jahr. Was hat Herr Tellkamp in der verbleibenden Zeit geschrieben?
Egal, das Buch hat mich genau wie der "Turm" nicht überzeugt. Eine Aufzählung von angerissenen Geschichten, bei denen man bis zum Ende nicht erfährt, wie es ausgeht. Natürlich kann Herr Tellkamp sagen, das war gewollt im Sinne der Episierung. In manchen Büchern finde ich es sogar schön, wenn man sich das Ende ausdenken darf. Das regt den Geist an. Aber in diesem Buch fehlt einfach der rote Faden, wenn Sie das Wort "rot" stört, dann eben Leitfaden oder Zusammenhang.
In einem Interview hat Herr Tellkamp gesagt, wenn jemand mitreden möchte, muss er das Buch lesen. Ich habe mich eine Woche durchgequält. Normalerweise hätte ich so ein Buch nach der Hälfte in die Ecke geschmissen (Entschuldigung). Aber ich wollte mitreden und das tue ich jetzt hier. Bitte lassen Sie sich nicht von den 4 Sternen bei Amazon blenden. Das sind Verkaufszahlen. Hier in dieser Plattform sind es echte Lesermeinungen.
Zurück zum Inhalt; genau wie im "Turm" beschreibt Tellkamp seitenlang Insekten, Spinnen, Falter, schwimmende Minen und zum Schluss noch Kellerasseln und Gemüseanbau. Natürlich verbindet er dann lyrisch die genannten Tiere, Minen und Gemüsesorten mit den Hauptpersonen des Buches. Aber warum so ausgiebig? Dann hatte ich das Gefühl, dass der eigentliche "Held" des Buches" Fabian von Meno überschattet wird. Meno von dem nie einer richtig schlau wird. War er nun bei der Stasi oder nicht? Okay, selbst wenn , gab es Stasileute, die ihren Familien- und Bekanntenkreis geschützt haben. Dann würden diese Leute aber in ein positives Licht gerückt werden. Dabei sind sie über Leichen gegangen.
Dass es in der ersten Bundesregierung "Alt-Nazis" gegeben hat, ist ja nun wirklich kein Geheimnis. Kann man alles bei Wikipedia nachlesen. Die Kritik an der letzten Bundesregierung ist mir einfach zu flach. Die Überheblichkeit der "Wessis" gegenüber uns "Ossis" kurz nach der "Wende" wird auch angesprochen. War mir auch zu lapidar. Wurden nicht auf beiden Seiten Fehler gemacht? Ich denke nur noch in Nord und Süd.
Die sogenannte Kohleninsel gibt nicht nur mir, sondern auch anderen Lesern Rätsel auf.
Die Krönung war der Schluss des Buches. Hier macht sich Tellkamp über die letzte DDR-Regierung lustig. Die Waldinsel, damit kann nur Wandlitz gemeint sein, wir genauer beschrieben. Aber selbst dies waren keine Neuigkeiten. Das Kapitel ähnelte einer Parodie, bei der sich Herr Tellkamp nicht nur über die Regierung sondern auch über den Leser lustig macht.
An einigen Stellen beschreibt er unsere Heimatstadt Dresden anschaulich.
Fazit; wenn Sie ein schönes (lyrisches) Buch lesen möchten, dann lesen Sie I. Schulze, A. R. Strubel (Die blaue Frau), S.Stanisic oder G. Abdulrazak, aber bitte nicht Uwe Tellkamp