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Betrachtungen einer Barbarin

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"Asal Dardan traut sich, von den Zwischenorten zu erzählen, von der immerwährenden Suche nach Verortung, und sie stellt damit die dringenden Fragen an unsere Gesellschaft." Lena Gorelik Als Kind iranischer Eltern ist Asal Dardan in Deutschland aufgewachsen, die Erfahrung des Exils hat sie geprägt. In einer erhellenden Auseinandersetzung mit der deutschen Gesellschaft begibt sie sich auf die Suche nach einer gemeinsamen Sprache, nach der Überbrückung des ewigen Gegensatzes von "Wir" und den "Anderen". Immer ist ihr Blick überraschend, immer ist ihre Analyse scharfsichtig. Da ist das geflüchtete Kind, das Trost in Spitzwegs heimeligen Bildern findet, die auch Hitler so gut gefielen. Da sind die bürokratischen Rentenbescheide der sardischen Nachbarin, deren Inhalte niemand entschlüsseln kann. Da werden die Goldfische vom persischen Neujahrsfest in die Freiheit entlassen und eigene, neue Traditionen gewählt. 
Sprachlich brillant und stilistisch elegant schlägt die Autorin Bögen von der ganz persönlichen Erfahrung zum gesellschaftlich-politisch Brisanten und zeigt auf, dass Zusammenleben bedeutet, Differenz anzunehmen.

191 pages, Paperback

Published February 2, 2022

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About the author

Asal Dardan

12 books8 followers

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Displaying 1 - 26 of 26 reviews
Profile Image for Till Raether.
419 reviews227 followers
February 19, 2021
Vor ein paar Jahren habe ich die Essays und Interviews von Asal Dardan, die ich finden konnte, ausgedruckt und gesammelt, weil sie mir auf Twitter als so kluge und mutige Autorin aufgefallen war, und jetzt bin ich froh, dass ich nicht mehr auf diesen kleinen Hefter angewiesen bin, sondern dass es ihr sehr gutes Buch gibt; ich weiß nicht, ob ich daraus mehr über Asal, über Deutschland oder über mich erfahren habe.
Profile Image for Elena.
1,045 reviews416 followers
March 1, 2021
"Doch noch viel mehr Menschen müssten nicht nur hinsehen, sondern laut und beständig verkünden, dass diese Entwicklung nicht mit ihrem Segen geschieht. Menschen, die entschlossen sind und nein sagen zur Barbarei - in ihnen und um sie herum." - Asal Dardan, "Betrachtungen einer Barbarin"

"Betrachtungen einer Barbarin" ist eine Sammlung von zehn Essays der Autorin Asal Dardan, in denen sie die Unterschiedlichen Facetten von Fremdheit und Nähe, Identität und Zuschreibung, sowie Rassismus, Ausgrenzung und Aggression beleuchtet. Sie bettet die Themen in verschiedene Abschnitte ihres Lebens ein, von ihrer Kindheit in Deutschland über ein Praktikum in den USA, die Geburt ihres ersten Kindes bis hin zu ihrem vorübergehenden Leben in Schweden. Sie vereint so die verschiedensten Gedankengänge miteinander. Sie schöpft ihre Überlegungen zum Exil etwa aus Zitaten von Hannah Arendt und führt diese auf gewundenen Wegen weiter oder zum Holocaust aus Straßennahmen des Viertels, in dem ihr Kind in Berlin zur Kita geht. Aus den NSU-Morden und dem Prozess, der auf die Morde folgte, zieht sie folgerichtig Schlüsse zu den rassistischen Strukturen in der Gesellschaft, während sie in ihrer Zeit in Schweden über die Fremde und verpasstes Leben nachdenkt.

Ich lese nicht oft Essays, geschweige denn Essaysammlungen. Das muss ich unbedingt ändern! Denn dieses freie Schweifen von Gedanken, dieses Verknüpfen verschiedenster Themen, dieser bunte Blumenstrauß in sich stimmiger Überlegungen und dabei so scharfsinniger Analysen hat mir so viel gegeben. Asal Dardan ist sprachlich und stilistisch einfach wundervoll, sodass mir das Lesen dieser Sammlung ein Fest war.

"Betrachtungen einer Barbarin" hat mich zum Nachdenken gebracht und mich dabei noch im Kopf reisen lassen, sowohl in die Vergangenheit, als auch nach Berlin, Schweden und Sardinien. Leseempfehlung!
Profile Image for Wandaviolett.
473 reviews66 followers
May 16, 2021
Auf gar keinen Fall ein Sachbuch.

Kurzmeinung: Charmant, berührend, aber undifferenziert.

Die Autorin hat eine interessante Vita. Sie kommt, gerade dem Babyalter entwachsen, also mit einem Jahr, zusammen mit ihren Eltern aus dem Iran in die Bundesrepublik. Ihre Eltern arbeiteten für die iranische Regierung, mit anderen Worten für Shah Mohammad Reza Pahlavi und waren nach dem Umsturz extrem gefährdet, so dass sie aus ihrer Heimat flüchteten und wohl in Deutschland Asyl beantragten.

Asal Dardan wächst in Deutschland auf, macht Abi und wird eingebürgert. Recht spät. Warum so spät, wird nicht ganz klar. Nach Jahren in u.a. Berlin wandert sie mit ihrem Lebensgefährten nach Schweden aus, dann wieder zurück.

Der Kommentar:
Immer wenn die Autorin von ihrer Vita spricht, werden sie und ihre Erzählweise ganz lebendig und warm. Ich mag ihren Stil. Ich mag die Reflexionen, die sie über ihr Leben anstellt und über die Erfahrungen, die sie in diversen Städten und Ländern macht. Man mag sie um ihre Sprachfähigkeiten beneiden und um ihren erweiterten Blickwinkel.

Die Erfahrungen rassistisch begründeter Diskriminierung machen sie jedoch auch ungerecht und einseitig und manchmal unfreiwillig komisch, so, wenn sie es rassistisch findet, dass Jesus ein aramäischer Jude ist und kein Wasauchimmer. Jedenfalls weiß. Mit dieser Klage muss sie zu Gott gehen. Kein Mensch kann was dafür.

Wenn in Berlin-Wannsee ein Kellner darauf besteht mit ihr englisch zu sprechen, obwohl sie ihm in astreinem Deutsch ihre Wünsche mitteilt und der Kellner gleichzeitig mit ihrem Partner deutsch spricht, der aber Schwede ist und kein Wort Deutsch versteht, dann ist das eher komisch als dramatisch. Veränderungen brauchen eben ihre Zeit bis sie in den Köpfen ankommen.

Und wenn sie Deutschland ein Land nennt, das immer noch radikal ist, dann möchte ich wissen, was „immer noch“ bedeutet. War es immer radikal? War Deutschland nicht in erster Linie einmal ein preußischer Obrigkeitsstaat? Und ist es nicht ein Land, das mit Blut dafür bezahlte, eine Demokratie zu werden? Und darf es nicht darauf stolz sein? Im arabischsprachigen Raum gibt es relativ wenige Demokratien.

Wenn die Autorin also Deutschland radikal nennt, dann ist das per se wissenschaftlich unzulässig, wenn sie es nicht in einen größeren Zusammenhang stellt. Ja, Deutschland hat rassistische und radikale Tendenzen, die man keineswegs gut finden darf, aber, zumal in einem Sachbuch, muss differenziert werden. Im Vergleich zu welchen Ländern und in welchem Maßstab? Inwieweit kann man ein Land mit seinen Einwohnern gleichsetzen, wo muss man unterscheiden?

Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommen kann, „Betrachtungen einer Barbarin“ als Sachbuch zu klassifizieren. Das ist es nicht. Dafür ist es viel zu subjektiv.

Es handelt von vielen Dingen, vom Hadern mit der wissenschaftlichen Landschaft, die es der Autorin als Mutter von zwei Kindern mit schwierigen Schwangerschaften quasi unmöglich machten, einen wertigen Abschluss zu bekommen. Es handelt von den Bildern Spitzwegs, die ihr in ihrer Jugend eine Art Heimat waren, es handelt von den Frauen, die hinter den Straßennamen der sogenannten Grünen Stadt in Berlin stehen, oft Widerstandskämpferinnen, es handelt vom Auslandspraktikum in New York, von Weihnachten und dem iranischen Neujahrsfest. Es handelt von Verwandten in Schweden.

Und es handelt von persönlichen Diskriminierungserfahrungen, die die Autorin einfach hochrechnet. „Dieses Land neigt noch immer zu extremer Politik“. Wenn sie sich einer „Verklärung eines abendländischen Kulturraumes und seiner Leitkultur“ widersetzt, ist das ihr gutes Recht. Wenn sie sich auf die mörderische Geschichte dieses Kulturraumes beruft, dann hat sie ebenfalls Recht, jedoch nicht, wenn sie ihre Aussagen nicht in einen allgemeineren Kontext setzt. Deutschland tut sich nicht besonders hervor.

Hat doch jede alte Kultur, und vielleicht haben noch mehr junge Kulturen, eine mörderische Geschichte; die USA hat ihre indigene Bevölkerung ausgelöscht, die Türkei bekennt sich heute noch nicht zum Genozid an den Armeniern, die ganze Welt wurde schuldig an den Juden seit Jahrhunderten. Deutschland besonders, das ist wahr. Die arabischen Kulturen zeichnen sich auch nicht gerade durch das Hochhalten der Menschenrechte aus, China, Afrika, ich weiß nicht wohin schauen, die Menschheitsgeschichte ist eine Geschichte von Blut und Tränen.

Woher kommt das Bashing genau gegen die Länder/Staaten, die Flüchtlinge und Migranten mit mehr oder weniger offenen Armen aufgenommen haben und aufnehmen, während man kein kritisches Wort über die Herkunftsländer vernimmt, die doch ursächlich sind für all das Elend?

Europa bringt die Menschen auf dem Mittelmeer nicht um, sondern die Länder sind verantwortlich, aus denen sie fliehen müssen. Wenn die Autorin empört fragt, ob nicht ein äthiopisches (Platzhalter) Baby genau so viel Recht auf Leben hätte wie ein deutsches, ist das polemisch und sie verwechselt Ursache und Wirkung. Denn sonst müsste man sofort in den Jemen stürzen und dort alle Babies retten. (Ein Jammer, dass das nicht möglich ist).

Asal Dardan schreibt weiter: „Sobald man über Diskriminierung spricht, zieht sie weitere nach sich. Man wird zur undankbaren Fremden.“

Mit so einer Aussage verbittet man sich von vornherein eine kritische Auseinandersetzung dessen, was man schreibt und fordert einen Freifahrschein. Denn ja, das ist so, wenn man undifferenziert ist. Das ist so, wenn man kein Wort des Lobs und des Dankes für die aufnehmenden Länder findet und wenn man keine Kritik am Herkunftsland zulässt. (Das ist ja ganz was anderes). Einen Freifahrschein kann man nicht bekommen, wenn man beschuldigt.

In einem hat die Autorin natürlich recht, Deutschland stünde Demut besser zu und an als sich zu recken und auf den Putz zu hauen. Andererseits hat die Bundesrepublik Deutschland und haben seine Bürger, einen blutigen Preis für seine demokratischen Errungenschaften bezahlt. Errungenschaften, von deren Vorhandensein nicht nur seine eigenen Bürger, sondern auch die ankommenden Fremden profitieren. Und dann? In jedem Land dauert es eine bis zwei Generationen bis die Fremden keine Fremde mehr sind. Und manchmal länger. Das ist sicherlich schmerzhaft, liegt aber in der menschlichen Natur. Das weiß, wer auf dem Land zuzieht. Wie heißt es so schön, man ist „reingeschmeckt“.

Noch einmal zum Ausgangspunkt, der Bemerkung der Autorin, die BRD sei ein Land mit Neigung zu radikaler Politik: zum Nullpreis war Demokratie noch nie zu bekommen. Damit die Bundesrepublik Deutschland demokratisch bleibt und keine Seite die andere mit Sprechverboten belegt, sollten wir alle miteinander demütig(er) sein und differenzieren. Vom Auseinanderdividieren im Sinne von „wir“ und „ihr“ sollten wir schleunigst abrücken.

Fazit: „Betrachtungen einer Barbarin“ ist kein Sachbuch. Es ist ein Erfahrungsbericht einer Kulturwissenschaftlerin. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Charmant geschrieben, der aggressive Ton, den ich bei anderen, ähnlich gelagerten Romanen lese, ist erfreulicherweise gedämpft. Die Klage versteht man. Rundumschläge helfen niemandem.

Erstaunlicherweise nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis 2021

Kategorie: Belletristik
Verlag: Hoffman und Campe, 2021
Profile Image for Michaela.
402 reviews34 followers
June 20, 2021
Asal Dardan ist als Kind iranischer Eltern in Deutschland aufgewachsen und auch zeitweise in den USA, Sardinien und Schweden gelebt. Hier beschreibt sie rassistische oder einfach seltsame Erfahrungen mit ihren Mitmenschen und reisst verschiedene Themen an, ohne sie aber weiter auszuführen. Es geht um Nazis, Neonazis, Rassismus, Zusammenleben, Beruf und Familie, Frausein, Kinder, Schwangerschaft, Abtreibung etc.
Ich wusste nicht, was ich mit diesem Buch anfangen sollte. Es ist sicherlich kein Sachbuch, obwohl es für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert wurde, da es zu viel um das persönlcihe Leben der Autorin geht, und die Themen vielfältig, aber wenig ausgeführt sind, wobei manches oft wiederholt wird. Man sieht nicht wirkich das Ziel, auf das diese Essays hinführen sollen.
Danke an den Verlag und Netgalley für ein Online-Rezensionsexemplar im Gegenzug für eine ehrliche Rezension.
Profile Image for Marle.
39 reviews2 followers
January 13, 2023
3.8 ⭐
Seehr schöner Schreibstil, der echt Freude am Lesen macht. Finde den Aufbau in kleinen Essays auch super, thematisch hat es mir sehr unterschiedlich zugesagt, da jedes Essay für sich sehr anders war
Profile Image for Franziska Nyffenegger.
215 reviews52 followers
September 11, 2021
Ich habe das Buch zügig gelesen und auch nicht ungern, doch warm geworden bin ich damit nicht, wobei ich noch nicht einmal so recht sagen kann, warum eigentlich. Für mich sind zu viele Themen zu schnell und damit auch zu oberflächlich angeschnitten. Die eigene Biographie reicht da vielleicht nicht als Ausgangspunkt, auch wenn sie einiges bietet und mitunter selbstkritisch reflektiert wird. Ich frage mich, was mich stört, ja nervt, wo die Autorin doch alles richtig macht: Sie schreibt elegant, sie formuliert gut, sie denkt nach und das über wichtige Themen und Fragen. Ist es … ihre trotz aller Reflexion immer wieder aufscheinende Selbstgerechtigkeit? das wiederholte Deutschlandbashing (das mich als Schweizerin noch nicht einmal zu betreffen bräuchte)? das Narrativ einer privilegierten Heimatlosigkeit? – Zwei Sterne wären gemein, dafür ist der Text zu klug, doch mehr als drei mag ich nicht vergeben.
Profile Image for Lea-Sophie Minze.
18 reviews20 followers
May 25, 2021
Es hat mir sehr gefallen. Die perfekte Balance zwischen Personal & Political. Die Autorin schreibt so direkt und einfühlsam, gleichzeitig ist sie eine großartige Vermittlerin. Ich hoffe, dass es sehr viele Leute lesen.
Profile Image for Rozalia.
89 reviews52 followers
November 1, 2022

„Meine Flucht ist eine Erzählung, keine Erfahrung.“

Betrachtungen einer Barbarin setzt sich zusammen aus den fragmentierten Erinnerungen einer Kindheit im liminalen Raum zwischen dem Herkunftsland der Eltern der Autorin (Iran) und dem Land, in dem die Autorin aufgewachsen ist (Deutschland). Untermalt wurden diese persönlichen Erinnerungen von Schnappschüssen aus dem Leben der Eltern vor der Migration, die sich ungleich eines Mosaiks jedoch nicht zu einem zusammenhängenden Ganzen zusammenfügen lassen. Es fehlt immer ein Mosaikstein um das Bild zu vervollständigen, also schweift der Blick über die Fragmente um zu verstehen, was für eine Bedeutung diese Konstellation haben könnte. Weder die Straßen Teherans noch die Hochhauswohnung in Köln können der Autorin das lang ersehnte Gefühl der Zugehörigkeit versprechen, also begibt sie sich in den Raum zwischen den Räumen um eine Identität für sich selbst zu erschaffen.

Als Tochter von Migranten konnte ich viele der alltäglichen Aspekte der Autorin nachempfinden; die Blindheit eines Kindes gegenüber armen Verhältnissen, die Kargheit und der Mangel an sentimentalen Objekten in der ersten Wohnung, die Kernfamilie als einzig relevante soziale Sphäre in einem fremden Umfeld. Dieser Roman bringt eine äußerst gute Beobachtung zustande, aber leider wurde diesem heutzutage doch recht etabliertem Narrativ keine neuen Nuancen beigesteuert.
Profile Image for Kathleen Kelly.
64 reviews15 followers
April 29, 2021
Diese Art Buch, welches weder Fiktion noch trockenes Sachbuch ist, das gibt es im Deutschen nicht häufig. Eine Essay-Sammlung mit nicht bloß informativen Zielen sondern auch literarischen Ambitionen.
Dardan erschafft etwas großes, gesellschaftspolitisches indem sie über persönliches schreibt.
In einer Zeit zu der Nachrichten gerne die Wahrnehmung trüben, alles auf Zahlen reduzieren und den ungemütlichen Diskussionen ausweichen oder mit kompletter Ignoranz begegnen, da braucht es solche Bücher. Bücher die den Kopf spülen, neu tapezieren und zum Reflektieren und Nachdenken anregen. Aber Dardan bricht auch aus dem passivem, dem theoretischen aus und ruft zum Handeln auf.

Ein paar Sätze, die sich einprägten:

"Im Exil lebt Heimat nicht von selbst."

"Mir kam es vor, als seien die meisten von uns mit dem Abi von einer Bühne getreten, als sei das bisschen Eigensinn, das wir uns erlaubt hatten, nur ein Schauspiel der Behüteten gewesen."

"Nirgendwo werde ich in so wenigen Sekunden zur Ausländerin, wie in dem Land, in dem ich aufgewachsen bin."

"Meine Geschichte war lediglich eine unter anderen, nicht die Geschichte der Anderen."

"Keine Person ist bloß Flüchtling, keine Person sollte für immer Flüchtling sein müssen."

"Das Wir, das reist und erobert, aber anderen untersagen möchte, sich frei zu bewegen."
Profile Image for Hannah.
17 reviews
March 13, 2022
5/5
Wundervoll geschrieben & so schlaue, interessante Gedanken! Die gut begründete Systemkritik und Beschreibung von gesellschaftlichen Strukturen zieht sich durch das ganze Buch und guided den*die Leser*in von einem Themenblock zum anderen.
Die essayistische, biographische Form erinnert mich an die Bücher von bell hooks, dieses Entlanghangeln an eigenen Erfahrungen, die immer politisch sind. Asal Dardan schafft es so gut, bezogen auf ihre eigene Biographie politisch Stellung zu nehmen. Ich lieb auch die Verletzlichkeit, die in dem Text vorkommt, das Ganze ist so nahbar :) Das Buch ist so hoffnungsvoll, Dardan kritisiert zwar ganz eindeutig gesellschaftliche Probleme, bekommt es aber auch hin, diese nicht als aussichtslos und nicht-lösbar zu framen.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
April 18, 2021
„Man gewöhnt sich daran, dass das Leben wie ein Netz ist, etwas bleibt ja doch darin hängen. Nach dem Rest darf man nicht greifen, sonst reißen die Maschen, und dann ist alles weg.“ (Zitat Pos. 35)

Inhalt
Ihre Eltern fliehen aus dem Iran, als Asal Dardan ein Jahr alt ist. Sie können nur das Allernotwendigste mitnehmen und so wächst Asal in Köln und Bonn ohne die üblichen Familienfotos und Erinnerungsstücke auf. Ihre Eltern sprechen selten über den Iran, nur die Musik, die sie nach wie vor hören, besonders die Texte, werden für die heranwachsende Asal zu einem symbolischen Zugang zu der alten Welt ihrer Eltern. Als sie später die Realität einholt, stellt sie fest, nicht, wie man erwarten würde, zwei Heimaten zu haben, sondern keine. Die Autorin ist neunzehn Jahre alt, als sie die in Deutschland eingebürgert wird. Nach dem Abitur führt ein Praktikumsaufenthalt sie nach Atlanta, es folgt eine Zeit in Berlin, Sardinien und dann in Lund und auf der Insel Öland in Schweden, jetzt wieder Berlin. Dieses Buch, nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis 2021, ist eine Sammlung von autobiografischen Essays.

Thema und Umsetzung
Die Autorin setzt sich mit ihren eigenen Erfahrungen auseinander, bringt diese in einen gesellschaftspolitischen Kontext zu brisanten aktuellen Themen. Flucht, Exil, Veränderung, die Suche nach dem Gemeinsamen, Empathie, und die Frage, warum es zwischen Menschen immer das Trennende ist, das zuerst bemerkt und betont wird, sind wichtige Aspekte ihrer Beobachtungen, Studien und Texte. Es ist ein breites Spektrum an Themen. Die Autorin schildert ihre persönlichen Erfahrungen in Atlanta. Auf ihren Spaziergängen durch die Gassen der Grünen Stadt in Berlin beschäftigt sie sich mit den Schicksalen der von den Nationalsozialisten ermordeten Widerstandskämpfer*innen, leitet über zu den aktuellen Gewaltverbrechen der letzten Jahre gegen internationale Aktivistinnen. Wir erfahren aber auch viel über ihr eigenes Leben, ihre Erlebnisse in der Schul- und Studienzeit, ihr Leben als Mutter zweier Kinder. Diese Essays sind eine eindringliche Aufforderung, nicht mehr in den alten Klischees über Länder, Nationen und Mentalitäten zu denken, aufzuhören, die alten Ängste zu schüren, sondern einfach auf den Menschen als Einzelindividuum zuzugehen

Fazit
Eine Sammlung von Essays zwischen persönlichen Jugenderinnerungen, Anekdoten, humorvoll geschilderten Erlebnissen und brisanten gesellschaftspolitischen Erfahrungen. Es sind einfühlsame, trotz des zwischendurch manchmal etwas moralisierend erhobenen Zeigefingers poetische, leise, sprachlich elegante Texte, die zum Mit- und Nachdenken anregen.
5 reviews1 follower
August 8, 2021
Der Essayband "Betrachtungen einer Barbarin" ist ein Sachbuch. Dardan fordert allerdings die Grenzen und das weiße Verständnis von Sachlichkeit heraus. Sie beschreibt in den Essays eigene (Diskiminierungs)erfahrungen und Privilegien, ist ehrlich und menschlich. Und trotzdem(?) handelt es sich hier um ein Sachbuch. Es ist eigener Diskussion wert, was die Philosophie der Sachbücher im deutschsprachigem Raum ist und wie üblich die Sichtbarmachung eigener Positionierung ist.

Worum geht es im Buch? Dardan sucht nicht weit weg, sie forscht um sich herum: ein Buch, ein Film, ein Straßenschild, eine Begegnung, eine Erinnerung. Sie nimmt kleine Fragmente des Alltäglichen als Anlass, um in die gesellschaftspolitische Untiefen zu gehen. Die Fragen, die in den Essays behandelt werden sind in jeglicher Hinsicht krass und immer auf einer überindividuellen Ebene zu reflektieren: ist es besser, dass unsere Väter schuldig oder unzurechnungsfähig sind? “Was soll das auch bringen, die vermeintlichen Wurzeln zu glorifizieren, bloß weil man sie verloren hat?” Wie verwickelt sind unsere Leben in die geschichtlichen Kontinuitäten und welche Verantwortung leitet sich darauf ab? Es ist immer wieder überraschend in welche Richtungen, sich die einzelnen Geschichten und Überlegungen entfalten. Dabei muss man beachten, dass das Buch viel zu plakativ als Buch über Migration oder Flucht besprochen wird. Es geht um so viel mehr. Es geht um Verantwortung, um Dynamiken des gesellschaftlichen Zusammenhalts, um kollektive Identitäten, die sich durch Abgrenzung zu Fremden (Barbar:innen) konstituieren, um ausgrenzende Mechanismen des Erzählens und Erinnerns. Als Mutter habe ich mich auch in diesem Kontext in sehr vielen Momenten erkannt. Und zwar bis zwar zum Heulen.

Ich habe den Essayband sehr langsam gelesen. Ich habe die Sätze und Absätze lange gekaut, verdaut und mehrmals gelesen. Die Lektüre war ein intellektueller Genuss. Ich habe für mich das Genre Essay neu entdeckt und den einzigartigen Stil von Dardan gefeiert. Interessant ist, dass ich während der Lektüre einige Wörter nachschlagen musste, obwohl meine C2-Deutsch-Prüfung schon 13 Jahre zurückliegt: “Borniertheit”, “Einfriedung”, “verheddern”, “Vexierbild”. Das Buch landet in meinem persönlichen Ranking sehr hoch. Die Kombination des Anekdotischen, Fragmentarischen und des Politischen, die Klarheit und Flüssigkeit der Sprache, die intertextuellen Verwobenheiten sind einzigartig. Eine absolute Empfehlung.
Profile Image for Annenas.
85 reviews7 followers
April 19, 2021
𝗜𝗻𝗵𝗮𝗹𝘁: „Betrachtungen einer Barbarin“ von Asal Dardan ist für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Die gebürtige Iranerin thematisiert in ihrem Essayband gekonnt Rassismus, Ausgrenzung, Identität und Fremdzuschreibungen entlang ihrer eigenen Migrationsgeschichte und Exilerfahrung. Dabei schlägt sie einen Bogen von ihren Erlebnissen zu politischen und gesellschaftlichen Missständen. Asal Dardan erzählt bspw. von ihrer Familie, die im Iran alles hatte, nie flüchten wollte und nun zwar „sicher“, gesellschaftlich jedoch randständig ist. Sie war erst ein Jahr alt, als ihre Familie nach Deutschland kam und schreibt selbst, dass sie im Gegensatz zu ihren Eltern kein Zuhause verloren hat. Der Iran war das Zuhause ihrer Eltern. Doch war Deutschland ihres? Sie schildert ihre Heimatlosigkeit, ihre Identitätssuche, in einem Land, in dem sie sich Fremd fühlt, obwohl sie nie woanders war. Dabei macht sie keinen Halt davor, rassistische Strukturen aufzudecken und anzusprechen.

𝗠𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗲𝗶𝗻𝘂𝗻𝗴: Das biografische Essayband von Asal Dardan gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Ihr Schreibstil ist klar und einfach zu lesen, weshalb ich gar nicht aufhören konnte, ihren Erzählungen zu folgen. Von Beginn an hatten ihre Sätze eine starke Sogwirkung auf mich und haben mich tief berührt. Ich kann dabei nicht in Worte fassen, wieso. Natürlich gefielen mir einige Essays mehr, Andere weniger, doch hat sich mir der Sinn hinter jedem erschlossen. Besonders gelungen ist Dardan die Kombination der eigenen Erfahrung mit den Zitaten anderer Autor:innen. Diese wirken ergänzend oder zusammenfassend und runden die Essays ab. An zahlreichen Stellen habe ich ganze Blöcke markiert. Ich denke das spricht für sich.
Dieses Band empfehle ich jedem da draußen und ich, die bisher kein einziges Buch zweimal gelesen hat, werde es nochmal lesen.
Profile Image for Christian.
1 review
September 19, 2022
Asal Dardan ist meiner Meinung nach eine der klügsten und interessantesten deutschen Autorinnen. Allein in ihren Tweets formuliert sie oft mehr originelle Gedanken als manch andere in ihren Büchern.

Dies ist ihr erstes, stark von ihrer Biografie geprägtes, Buch. Es handelt sich um eine Sammlung von Essays, die sich im weiteren Sinne alle mit Identität befassen. Als Deutsche mit Migrationshintergrund, als Tochter, Frau und Mutter, als Ausgewanderte in Schweden, als privilegierte Akademikerin reflektiert sie ihre Stellung in der Gesellschaft und bettet ihre Erfahrung immer in einen weiteren Kontext ein.

Dabei formuliert sie klare und wohlüberlegte Analysen, tritt aber nie belehrend auf. Viele Absätze enden mit offenen Fragen und dem Eingeständnis, keine endgültige Antwort liefern zu können. Trotzdem habe ich unheimlich viel aus dem relativ dünnen Band gelernt und viele Gedanken zum ersten Mal in dieser Klarheit gelesen. Unbedingte Empfehlung, wenn man sich für Themen um Zugehörigkeit und Ausgrenzung interessiert!
Profile Image for yellowdog.
855 reviews
February 14, 2021
Erzählerisch ausgestaltete Essays
Asal Dardan schreibt in Betrachtungen einer Barbarin erzählerisch ausgestaltete Essays, die überwiegend sehr geschickt und schön gemacht sind. Gelegentlich nimmt sie Bezüge auf politische Geschehnisse, meistens orientiert sie sich an ihren eigenen Lebenserfahrungen. Das sind das die stärksten Abschnitte im Buch.

Asal Dardan hat mit ihren Eltern den Iran verlassen als sie 1 Jahr alt war und wuchs in Köln und Bonn auf. Es gab Aufenthalte in Atlanta, USA und Sardinien und sie lebte als junge Mutter einige Jahre in Öland, Schweden bevor sie nach Deutschland zurückkehrte.

Viele ihrer Themen handeln vom Exil, Fremdheit, Identität, Vorurteilen und von Diversität und Migration. In ihrer Gesamtheit halte ich Asal Dardans Essays für sehr relevant.
Profile Image for ChrissyBby.
111 reviews2 followers
August 5, 2023
Incredibly touching book. I've first heard of Asal Dardan when she held a guest lecture at my university, followed by a seminar on the next day. She fascinated me as a person and her words deeply touched me, so I decided to read her book. And what can I say, it's an incredibly beautiful collection of essays which, on more than one occasion, brought tears to my eyes.
Profile Image for Aus Liebe zum Lesen.
270 reviews8 followers
May 15, 2021
Ich habe mir vorgenommen, einige der Nominierten für den Deutschen Sachbuchpreis zu lesen.
Nachdem ich mich mit Menschwerdung eines Affen nicht anfreunden konnte, habe ich es mit „Betrachtungen einer Barbarin“ von Asal Dardan versucht.

Die Autorin wurde im Iran geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. In ihrem Buch beschreibt sie ihr Gefühl als Exilantin, als Heimatlose, die sich weder als Iranerin noch als Deutsche fühlt, was ihr von der Gesellschaft auch so gespiegelt wird. Und gerade das macht das Buch aus, die persönlichen Einblicke und die gesamtgesellschaftliche Brisanz von Integration, Heimatverlust, Ausgrenzung und Rassismus. Dabei klagt Dardan nie an, sie schildert vielmehr sachlich und scharfsinnig ihre Eindrücke.

Während einige Stellen sehr langatmig sind, lässt sich der Text ansonsten gut lesen und ist keinesfalls trocken. Ich kann das Buch daher empfehlen, auch weil es für mich einen Blick über den Tellerrand hinaus bietet.
7 reviews
September 13, 2022
Wunderschön geschrieben, spannende Gedanken, und vielschichtig reflektierte Perspektiven
Profile Image for Ingvild Torsvik.
35 reviews
November 8, 2024
Ich habe die ganzes Buch nicht gelesen, aber was ich gelesen hab („Neue Jahre“ und „Alle meine Kinder“), ist sehr gut:). Es gefällt mir.
96 reviews1 follower
February 27, 2025
DNF

Ich konnte mit dem Schreibstil der Autorin nichts anfangen und habe auch nicht verstanden, worauf sie mit ihren Essays hinauswill.
Profile Image for Schnu.te.
57 reviews2 followers
August 6, 2023
Es ist erst Februar, aber dieses Buch ist schon jetzt eines der besten, die ich dieses Jahr gelesen haben werde.
Wach, schlau und einfühlsam trägt ihre Selbstreflexion mich an genau die wichtigen Orte und lässt Zwischentöne leuchten.
Displaying 1 - 26 of 26 reviews

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