Ein Reflex lähmt die politischen Debatten um den Klimawandel. Sobald es um Maßnahmen geht, die Einschränkungen bedeuten, ist die Empörung groß: Tempolimit? Der sichere Weg in die Ökodiktatur! Veggie-Day? Das war’s mit dem Nackensteak! Dabei waren Verbot und Verzicht lange bewährte Instrumente, um Ressourcen zu schonen oder ökologische Krisen zu bewältigen. Man denke nur an das FCKW-Verbot.
Philipp Lepenies untersucht die Ursprünge dieser eingeübten Fundamentalopposition. Er führt sie auf die neoliberale Haltung zurück, die im Staat einen Gegner sieht und individuelle Konsumentscheidungen über moralische und ökologische Bedenken stellt. Dieser Geist falsch verstandener Freiheit hat allerdings eine Politik des Unterlassens hervorgebracht, die sich scheut, das Offensichtliche auszusprechen: dass eine sozialökologische Transformation ohne Verbot und Verzicht nicht gelingen wird.
"Es bedarf eines neuen Grundkonsenses hinsichtlich unseres Bildes vom Staat. Eines, das im Staat nicht einen Gegener sieht, sondern in dem wir uns, wie im Kompositbild des Leviathan, selbst erkennen - uns, die durch ein Verantwortungsgefühl für andere und die Umwelt motiviert werden. Dazu gehört auch die Maßgabe, unsere Affekte und unseren Extremindividualismus zu kontrollieren. Zur Not durch Verbot und Verzicht. Sicher nicht länger durch Unterlassen."
Wenn dir dieser Auszug aus dem Buch sinnvoll erscheint, dann wird dir auch der Rest gefallen! Wenn nicht, solltest du es auch ergebnisoffen lesen. Ayn Rand Fans sei von der Lektüre abgeraten.