Wer heute den Mount Everest, den höchsten Berg der Erde, besteigen möchte, braucht dafür weder besondere Kenntnisse noch eine erausragende Kondition. Ein voller Geldbeutel und die Bereitschaft, »über Leichen zu gehen«, genügen. Der für die Einheimischen heilige Berg ist zu einem Ort für einen pervertierten Massentourismus der Luxusklasse geworden. Mit fatalen Folgen für die Bewohner, die Bergsteiger und die Natur. Kenntnisreich und spannend beschreibt Oliver Schulz in seinem Buch die Entwicklung des Everest vom kolonialen Forschungsobjekt zum begehrten Tourismusziel. Welche Folgen hat diese Entwicklung für die Menschen, die im Himalaja leben? Was bedeutet sie für diejenigen, die aus falsch verstandenem Ehrgeiz auf 8849 Meter Höhe geschleppt werden? Schulz erzählt vom Traum und Albtraum am höchsten Berg der Erde, vom Geschäft mit dem Höhenwahn, der beispielhaft für den Irrsinn des gesamten internationalen Alpinismus steht.
Ein schmaler, kurzweiliger Band, der einen die gesamte Everest-Geschichte bis 2021 nachvollziehen lässt und dabei die Probleme des Massentourismus und dem Umgang der westlichen Bergsteiger:innen mit den Sherpas thematisiert. War nicht allzu viel neues enthalten, was ich nicht durch eine Vielzahl an Dokumentationen bereits kannte, aber solch eine chronologische Aufarbeitung und Hinführung in Richtung "Welche Probleme gibt es am höchsten Berg der Welt, wie entstanden sie und was wird getan, um das ganze zu lösen oder einfacher zu machen?" gefielen mir sehr gut. Manche Zitate und Meinungen anderer Bergsteiger hätte ich mir noch kommentiert gewünscht, gerade solch eine Aussage wie die von Reinhold Messner, "Männer stiegen ja auf Berge, weil sie keine Kinder gebähren könnten"... Argh. Da hats mich geschüttelt. Bitte nicht unkommentiert stehen lassen, lieber Autor! (3.5/5.0)