»Pandoras Playbox« bringt kein Übel, sondern sucht nach Hoffnung. Anna Hetzers Gedichte knöpfen sich kanonische Mythen vor und betrachten sie aus einer lesbischen Perspektive unterm Mikroskop. Patriarchale Erzählhaltungen, die ins Heute wirken, werden aufgedeckt. Hetzers Gedichte nehmen sie mit Wut und Humor souverän auseinander. In einer Zeit der bitteren Hoffnung klingt in den Gedichten der Wunsch nach Gestaltung mit: »Komm, wir machen Homopropaganda«. Kunst, Medizin und Erotik sind Felder der Wissenserzeugung, die meistens einen sehr einseitigen Blick auf die Welt zugelassen haben. Höchste Zeit, das konsequent zu ändern. Gewissheiten werden mit Fragen begegnet, mit dem Stöbern in Archiven. So entstehen Gespräche mit Figuren wie Virginia Woolfs Orlando oder mit Fotos von Risk Hazekamp. Anna Hetzers Sprache ist präzise gesetzt, ihre Gedichte verbinden Klarheit und Spiel zur strahlenden Wirkkraft der Pandora: »erst kürzlich ging ein video viral / das zeigt sie auf der bühne mit madonna / öffnet ihre büchse, drückt auf play«.
verspielte gedichte, die mythen/kanonisches uminterpretieren, palimpsestartig überschreiben, die lesbische und allgemein weibliche realität verversen und zwischen lustigen und innehaltenden momenten wechseln. manche gedichte sind großartige beispiele des gelingens dieses poetischen konzepts, etwa eine lesbische umschreibung des dornröschen-märchens, andere verbleiben im bloß dekorativ-vignettenhaften. grundsätzlich zeigt anna hetzer aber wege des zeitgenössischen queeren schreibens auf.
Eine tolle Gedichtsammlung, politisch und humorvoll, sanft und aufmüpfig. Die Ausgabe mit ihren Illustrationen ist das perfekte Geburtstagsgeschenk für lesende Lesben