Tall Oaks ist eine verschlafene Kleinstadt in Kalifornien. Eine High School, eine Polizeidienststelle, eine Konditorei, ein Fotogeschäft. Die Leute hier kennen sich.
Umso größer der Wirbel, als der dreijährige Harry verschwindet – das Verbrechen, das auch eine größere Metropole aufgewühlt hätte, entwurzelt die Bewohner von Tall Oaks geradezu. Wir begleiten die Bürger in den Monaten nach Harrys mutmaßlicher Entführung. Und hier hat jeder Geheimnisse:
Die alleinerziehende Mutter Elena, die ihren Möchtgern-Gangster-Sohn Manny und die kleine Tocher Thalia versucht großzuziehen und dabei selbst noch einmal die große Liebe sucht. Neuankömmling Jared, der nirgendwo länger als ein paar Monate bleibt. Das reiche, entzweite Ehepaar Roger und Henrietta, der Angestellte Jerry, der von seinem Chef und seiner alten Mutter tyrannisiert wird und es doch einfach nicht schafft, sich von ihr zu lösen. Jess, Harrys trauernde Mutter, die ihren Kummer in Alkohol und Männergeschichten ertränkt, Michael, ihr Mann, der sie in der verzweifelten Lage hat sitzen lassen. Und Jim, der örtliche Polizeichef, dem bei der Suche nach Harry seine eigenen Gefühle in die Quere kommen…
Was ist mit Harry geschehen? Und welcher Bewohner von Tall Oaks kann den entscheidenden Hinweis liefern? Gemeinsam mit Jim macht sich der Leser auf die Suche nach der Lösung des Rätsels um Harrys Verschwinden.
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Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass mir Tall Oaks letztendlich so gut gefällt. Der Start war nämlich etwas holprig: Wenn ich etwas ganz schwer lesen kann (weil unangenehm), ist es, wenn sich jemand für etwas hält, was er nicht ist. Diese ganze Gangster-Attitüde von Manny und Abe war schon sehr belastend. Und Jerrys ganze Storyline… uff. Was wahrscheinlich ulkig sein sollte, fand ich eher traurig.
Besonders schwer ist es mir gefallen, immer zuzuordnen, bei welcher Figur wir gerade sind. Da hat das Hörbuchformat wahrscheinlich auch nicht geholfen. Es war alles sehr sprunghaft und ja, ich war oft verwirrt. Die Zusammenhänge werden erst am Ende richtig klar.
Die zweite Hälfte des Buches hat mir dann aber besser gefallen. Je näher wir die Figuren kennenlernen, desto mehr Sympathie kann man ihnen gegenüber empfinden, man versteht dann auch immer, in welcher Situation bzw. bei welchem Charakter wir uns befinden.
Vermisstenfälle sind ja eh ein Thema, das ich sowohl in der Realität als auch in der Fiktion immer sehr spannend finde, sodass mich das eigentliche Mysterium des Buches auch echt interessiert hat. Es wurde einfach viel drumherumerzählt, es gibt endlos viele Nebenstorylines, deren Relevanz sich erst im Nachhinein erschließt.
Insgesamt war’s dann doch ganz gut, 3.75 🌟