Vom Reisen im eigenen Land - und vom Ankommen bei sich selbst
Ein paar vergilbte Fotos. Das ist alles, was Anne an persönlichen Erinnerungen und Dokumenten ihres Mannes Peter gefunden hat. Anne fährt an die Orte, an denen sie aufgenommen wurden - auf einer Wohnmobiltour, die sie zusammen hatten machen wollen. Jetzt wird sie zur Reise durch Peters Leben, bevor er Annes Ehemann und Alinas Vater wurde. Bei ihrem Aufbruch vom Niederrhein nach Rügen und Thüringen erfährt Anne mehr über den Mann, in den sie sich vor dreißig Jahren verliebt hatte. Vor allem lernt sie sich aber selbst neu kennen - zum Erstaunen ihrer Tochter, die zu Hause auf sie wartet.
Beim Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, lernt Anne ihren Peter kennen, der gerade die ehemalige DDR verlässt. Die Stimmung ist bombastisch. Wessis und Ossis fallen sich um den Hals. Anne teilt sich mit Peter eine Flasche Sekt. Der Beginn einer großen Liebe.
Dieser Roman lebt von einer Reise, die FÜR Westdeutsche sehr interessant sein dürfte. Als Annes geliebter Peter verstorben ist, findet sie ein paar vergilbte Fotos und Dokumente. Wird sich so richtig bewusst, wie wenig sie aus der Vergangenheit ihres Mannes wusste. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie Peter nicht mehr und öfter danach gefragt hatte. Um ihre große Trauer zu bewältigen, tritt sie in ihrem alten Wohnmobil eine Reise auf die Insel Rügen an. Ihre Tochter Alina findet die Idee gut, macht sich aber große Sorgen um ihre Mutter. Ist sie doch stets mit ihrem Vater im Wohnmobil unterwegs gewesen.
Anne fühlt sich auf der Insel Rügen so richtig wohl. Möchte wissen, warum ihr Peter sagte: *Nie wieder Insel Rügen!* Das wollte ich selbst auch wissen, da Binz mein bevorzugter Urlaubsort ist. Ich hatte sämtliche Orte vor Augen. Anne hat das einzig Richtige gemacht. Sie hat sich ihrer Trauer gestellt. Mit ihrem Wohnmobil ist sie ihrem Peter mit jedem Kilometer ein Stückchen näher gekommen. Wunderbare Begegnungen haben ihren Weg gepflastert. Nicht alle waren auf Anhieb sympathisch. Doch gerade die harten Nüsse haben sich als besonders wertvoll erwiesen. Ich weiß. Die Personen sind fiktiver Natur. Ansonsten würde ich es mir nicht nehmen lassen, bei meinem nächsten Besuch auf Rügen sämtliche Campingplätze zu besuchen.
Dieses Buch ist ein Stück Geschichte, deren Beginn ich selbst über das Fernsehen mit verfolgt habe. Ich spüre heute noch die Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie die Menschen sich in die Arme gefallen sind. Wäre wirklich sehr gerne dabei gewesen. Christiane Wünsche hat sehr gut recherchiert. So habe ich zum ersten mal von den Bausoldaten in Prora gelesen. Anne hat eine Antwort auf *Nie wieder Rügen* bekommen. Anhand ihrer alten Fotos sehr viel über Peters traurige Vergangenheit erfahren. War im Nachhinein verzweifelt ob der Verschwiegenheit ihres Mannes. Ich habe mich wirklich auch selbst gefragt, warum Peter so verschwiegen war. Konnte aber am Ende sein Schweigen sehr gut nachvollziehen. Fand es jedoch sehr schade. Anne hätte es eventuell geschafft, diesem Drama einen besseren Verlauf zu verpassen. Aber wie heißt es immer:
„Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen, wenn du ihn verstehen willst.“ (Indianische Weisheit)
Anne ist viele Kilometer gefahren, um ihren Peter zu verstehen. Fazit:
Was hat dieses Buch mit mir gemacht? Mir vor Augen geführt, wie gering mein Interesse für die Menschen der ehemaligen DDR war. Viel zu wenig habe ich hinterfragt. Ich weiß, dieser Peter ist fiktiver Natur. Es gibt jedoch bestimmt viele Menschen, die so ein Schicksal zu verkraften haben. Denen man allein mit Empathie ein Stück ihres Leides nehmen könnte. Anne hat großen Mut bewiesen und sich ihrer Trauer gestellt. Gestärkt und mit viel mehr Selbstbewusstsein hat sie die Heimreise angetreten. Der Schreibstil ist angenehm flüssig. Aus der Sicht von sämtlichen Personen. Abwechselnd aus der Gegenwart und Vergangenheit. So konnte ich zumindest versuchen, auch die etwas übleren Charaktere zu verstehen. Mir vor Augen halten, dass deren Verhalten dem System der ehemaligen DDR geschuldet war.
Ich möchte meine Besprechung mit einem berühmten Zitat beenden:
Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Liebe Christiane Wünsche, nun weiß ich wieder etwas mehr. Danke für diese tolle Geschichte. Ich werde meinen nächsten Besuch auf der Insel Rügen mit anderen Augen sehen.
Da ich mir selbst das e-Book gekauft habe, geht das Überraschungsbuch vom Fischer-Verlag an die Meggi aus Berlin.Übergabe findet auf der Insel Rügen statt. Ein herzliches Dankeschön an den Fischer-Verlag.
Anne und ihr Mann Peter stehen kurz vor einer langen Europareise mit ihrem Campingwagen... als Peter ohne Vorzeichen stirbt. Erschüttert bleiben Anne und die gemeinsame erwachsene Tochter zurück, fassungslos über den plötzlichen Tod des Ehemanns und Vaters. Anne beschließt die Reise alleine anzutreten, doch statt einer Nordeuropareise, wird es eine Reise durch den Osten Deutschlands, der ehemaligen Heimat Peters, der niemals von seiner Vergangenheit erzählt hat.
Auf der einen Seite haben wir einen Roadtrip durch die "neuen" Bundesländer, der wahnsinnig bildgewaltig beschrieben ist ( ich habe sowas von Lust auf genau so eine Reise bekommen). Anne lernt auf ihrer Reise in die Vergangenheit ihres Mannes, diverse Menschen kennen, die manchmal sehr warmherzig beschrieben sind und aufgrund der authentischen Dialoge sehr lebendig wirken.
Auf der anderen Seite erleben wir eine Frau Anfang Fünfzig, die lernt mit ihrer Trauer umzugehen aber auch Hoffnung schöpft, dass es weiter geht.
Und dann gibt es den Einblick in die Ostdeutsche Vergangenheit, die einen beim Lesen erschüttert und berührt. Die Geschichte zeigt aber auch die unsichtbare Mauer, die noch in vielen Köpfen herrscht, teils aus Unverständnis und Unwissenheit.
Dieses Buch ist bewegend und regt zum Denken an. Von mir gibt es volle Punktezahl und eine absolute Leseempfehlung!
Irgendwie hat es mich nicht gecatched. Laut Klappentext hat der Roman alles, was mein Herz begehrt, die angekündigte Geschichte bot allerlei Potential für eine spannende Reise in die Vergangenheit! Leider blieben die Charaktere für mich farblos, die Klischeeschubladen waren echt zu drüber (Nazis mit *Überraschung* Chemnitzer Kennzeichen, um nur eines zu nennen), die Sprünge zwischen den einzelnen Perspektiven und teilweise deren Inhalte eher wenigsagend. Ab Seite 350 ging mir das ewige "Warum nur?"-Gefrage, sprich die inneren Monologe unserer Hauptfigur tierisch auf die Nerven. Schade!
Anne und Peter planen eine Reise mit ihrem Womo Willi durch Skandinavien, doch dann stirbt Peter plötzlich und Anne hängt in der Luft. Die Trauer droht sie aufzufressen, das Haus ist zu still, sie weiß nichts mit sich anzufangen und so beschließt sie, trotz der Einwände ihrer Tochter Alina, die Reise allein anzutreten. Aber schon beim ersten Halt ändert sie ihre Meinung und begibt sich in Peters Vergangenheit, von der sie, trotz 30 gemeinsamer Jahre nichts weiß. Sie reißt durch die ehemalige DDR nur mit ein paar Fotos als Anhaltepunkten und hangelt sich von einem hilfsbereiten Menschen zum nächsten. „Wir sehen uns zu Hause“ von Christiane Wünsche ist eigentlich eine schöne Geschichte, aber auch schon hundert mal erzählt. Sie ist absolut vorhersehbar und leider auch sehr klischeebehaftet, ob es nun auf Westler, Ostler, Nazis oder Lesben abzieht. Anfangs hat es mich nicht gestört, die Klischees haben eher geholfen, mir die Charaktere, die nur mal eben schnell durchs Buch huschen, direkt vorzustellen, aber nach einer Weile wurde es abgeschmackt. Auch dass die erste Intentionen sich immer bewahrheitet haben, finde ich zu einfach. Ich erwarte da einfach mehr. Es ist alles sehr auf Harmonie gepolt und die Konflikte sind genauso vorhersehbar wie der ganze Plot mit seinen Wendungen. Sprachlich war es, nunja, ok. Christiane Wünsche schreibt viel, es ist flüssig zu lesen, aber sie wirft auch mit unnötigen Adjektiven um sich und mir fehlte ein wenig die Raffinesse, die man von einer so erfahrenen Autorin hätte erwarten können. Wirklich schade, denn die Geschichte rund um Peters Vergangenheit bietet viel Potenzial und die Thematik der ehemaligen DDR kann gut aufbereitet werden; anfangs machte es mir auch wirklich Spaß, doch zum Ende hin wurde es immer anstrengender.
Frau Wünsche sagt es selbst ganz gut in ihrem Nachwort: sie will in erster Linie unterhalten und nähert sich dem Thema unterschiedliche Lebensbiographien in Ost und West nur vorsichtig an. Sie ist der tiefen Überzeugung, „dass wir Gräben nur überwinden können, wenn wir ein Gefühl für unsere - unterunter anderem durch die jüngere Geschichte bedingten - Unterschiede, aber auch für das bekommen, was uns immer einte“.
Die frisch verwitwete Anne macht eine sehr interessante Reise durch Deutschland, in die Vergangenheit und zu sich selbst. Sie begegnet dabei sehr unterschiedlichen Menschen, das sind teilweise sehr schöne, aber manchmal auch sehr unangenehme Erfahrungen. Mir gefällt, dass die Autorin diese Begegnungen einfach so stehen lässt und nicht überall eine schnelle, versöhnliche Lösung sucht. Besonders gut haben mir die "sprechenden Fotos" gefallen. Das könnte ich mir auch gut als Film vorstellen.
Familiengeschichte! Als der Ehemann von Anne plötzlich stirbt kommt seine frühere Vergangenheit in der DDR zutage, wobei er dort schon mal verheiratet war und einen Sohn hat. Die Familie in der BRD fällt aus allen Wolken.
Leichte Geschichte mit viel Herz. Der Schreibstil und die Figurenentwicklung hat mich sehr begeistert! Danach habe ich einige weitere Romane von ihr gelesen. Perfekte Urlaubslektüre, die mich gut abschalten lässt.