Von der Erfindung des Buchdrucks und der Entdeckung Amerikas schlägt Thomas Maissen den Bogen bis zur Industriellen und Französischen Revolution. Die entscheidenden Entwicklungen wie Humanismus, Reformation, das spanische Weltreich Karls V. und Philipps II., den Dreißigjährigen Krieg und die höfische Gesellschaft Ludwigs XIV., schließlich die Voraussetzungen für den Aufstieg Großbritanniens und Preußens im europäischen Mächtegleichgewicht erläutert er in den verschiedenen Perspektiven. Die spannend erzählte Darstellung bietet einen facettenreichen Überblick über den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandel dieser Epoche.
Die Gliederung in habsburgisches, französisches und englisches Jahrhundert ist anschaulich und nützlich, aber innerhalb der Kapitel fehlt die Struktur. Die grossen Züge, die in einer derartigen Zusammenfassung im Mittelpunkt stehen müssten, gehen in einer Flut von Details, Zahlen und Namen unter, sodass ich als Leser letztlich wenig mitnehmen kann.
Widersprüche und schwache Formulierungen verunsichern. Zwei Beispiele: Widerspruch: Über Seiten wird dargestellt, wie schwach der spanische Staat war (anhaltende Krise, vier Mal Bankrott), um dann zum Schluss zu kommen: "... bemühten sich die nördlichen Völker, vom spanischen Erfolgsmodell zu lernen." Sprache: "Ludwig XIV. nahm diesen wirtschaftlichen Aderlass in Kauf, weil er die Glaubensfestigkeit der Hugenotten... unterschätzt hatte." (Wer etwas in Kauf nimmt, hat die Situation nicht falsch eingeschätzt ...)
Was kann man in einer so knappen Darstellung über die Geschichte einer so turbulenten Epoche berichten? Gewiss, nicht ganz viel. So ist auch die Meinung des Autors. Deswegen ist der Schwerpunkt der Erzählungen auf die Zentren der Veränderungen in jeglicher Epoche gelegen. Und so entsteht meinetwegen ein Volltreffer. Das Buchlein sieht somit als ein Zusatzkapitel zu James Burkes Connections, worauf die Fade meist durch die politischen und ökonomischen Neugestaltungen der Welt durchlieft, die Europa und in Effekt die Welt von Heute so prägend beeinflusst haben.
Mit diesem Buchlein kann man also nicht die Geschichte studieren. Für die aber, die die Zusammenhänge zwischen den mannigfaltigen Geschichten einzelner Länder besser verstehen wollen, bietet diese Arbeit einen beeindruckenden Überblick.