»Abolitionismus« bezeichnet sowohl einen theoretischen Ansatz als auch eine politische und soziale Bewegung, die sich für die Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen wie Gefängnis und Polizei einsetzt. In der Tradition des Kampfes gegen die Versklavung Schwarzer Menschen betonen Abolitionist:innen die rassistische Geschichte staatlicher Gewaltapparate und ihre Komplizenschaft mit Formen kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung. Dieser Band macht erstmals die wichtigsten Stimmen dieser internationalen Diskussion in deutscher Sprache zugänglich. Mit Texten u. a. von Angela Davis, Michel Foucault, Mumia Abu-Jamal, Ruth Wilson Gilmore, Amna Akbar, Joy James, Klaus Günther, Assa Traoré, Geoffroy de Lagasnerie, Mimi E. Kim, Sarah Lamble, Robyn Maynard und Alex Vitale.
Okay, okay, ich hätte mir gewünscht, dass die Reflexion konkreter Praktiken im ganzheitlichen Prozess der transformativen Gerechtigkeit maaaybe etwas tiefer gehen würde bzw. wichtige Folgefragen zur Sprache gekommen wären. Aber das hängt wohl mehr mit meinem persönlichen Bezug zur Thematik zusammen und ändert rein gar nichts am Nachdruck dieses Readers!
“Es mag eine Praxis des Organizings sein, die denjenigen von uns unbekannt ist, die noch nicht an kollaborativer Arbeit teilgenommen haben, die nicht über die Gesetzgebungspolitik oder die Wahlurne hinaus gedacht haben… . Da abolitionistische Kritik eine Form konkreter politischer Aktion ist, im Zuge derer sich Menschen organisieren, um konkrete politische Probleme durch politische Arbeit anzugehen, ist sie ein Werk der negativen & positiven Transformation.“
Dieser Reader hat mich über Monate hinweg begleitet, er ist wichtig, für die Auseinandersetzung, das Verständnis, eigene & kollektive Reflektionsprozesse im Bezug auf die Thematik, aber auch die Geschichte des Abolitionismus. Er regt an, zu hinterfragen, weiter zu recherchieren, in Gespräche zu gehen, ist Diskurshilfe. Und er bringt ein Grundverständnis welches zu oft fehlt in Debatten rund um das Thema Abschaffung von Repressionsorganen wie z.B. Polizei & Gefängniss. Auch in queerfeministische Perspektiven wird ein Einblick gegeben.
Mehr als eine Empfehlung.
“Das soll nicht heißen, dass Liberale nicht irgendwann bei radikalen Konzepten wie dem der Abolition angelangen können. Ich selbst war einmal Liberaler. Aber es bedeutet, dass der Radikalismus ein Exorzismus des Liberalismus ist, keine Weiterentwicklung desselben.“ - Hari Ziyad -
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Mumia Abu-Jamal, Angela Davis (Gefängnisreform oder Abschaffung des Gefängnisses), Klaus Günther, Victoria Law, Allegra McLeod ⭐️ Joy James, Mimi E. Kim & Rest im Mittelfeld
Gute aber sehr repetitive Einführung zu Abolitionismus, häufig sehr vage und von Buzzwords durchzogen. Bei manchen Kapiteln wird die Einordnung in das übergeordnete Kapitel nicht klar, z.B. bei Robyn Maynard in Teil III. Eine Erklärung und Einordnung von Seiten der Herausgeber*innen, wie es zur Auswahl der einzelnen Texte kam, wäre schön gewesen ebenso wie kritischere Texte zu den erwähnten Konzepten.
Mir hat der Reader sehr gut gefallen. Antworten auf Fragen wie, was ist Abolitionismus, wo kommt dieses Bewegung und theoretische Perspektive her, warum sollten Polizei und Gefäingnisse abgeschafft werden, werden sehr gut vermittelt. Die Texte beziehen sich wegen des Ursprungs des Konzepts auch viel auf die USA, ein wenig mehr europiische Perspektive wäre schon cool gewesen, geht dann aber wohl tiber die Grundlagentexte hinaus. Durch die Quellenangaben gibt es hatt auch super viel weiterfiihrende Literatur. Alles in allem ein wirklich sehr guter lesenswerter Einstieg.
ein sehr wertvoller deep dive in diese thematik, die auf all dem fußt, was sich in diesen sich zuspitzenden zeiten und debatten bewahrheitet und das fundament des systems in all ihrer ganzheitlichkeit zerrüttet und in frage stellt!
ganz große empfehlung, ich freue mich schon darauf, in folgender literatur an dieses werk anknüpfen zu können!
liebe grüße und viel lesespass und wissensaneignung