Was wie ein Roman über einen Tag im Leben einer ostdeutschen, prekär lebenden Mutter beginnt, ist in Wahrheit ein Essay. Ein klug gebauter, politischer Text über die Arbeiterklasse und über die Rolle einer Frau darin. Diese Frau ist die Mutter der Autorin. Friese macht aus jeder Erinnerung eine präzise soziologische Analyse über Leistungsdruck, Armut, sozialer Abstieg und Klassenflucht, der sich immer anfühlen wird wie Verrat.
Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so gekonnt Klassenfragen, Mutterschaft, Identitätspolitik, Feminismus und auch kommunistische Ideale miteinander verwebt ohne Theoriegewalt oder Belehrung. Alles kommt aus konkreten Situationen. Keine Behauptung bleibt leer, alles ist gespürt, durchlebt und klar beobachtet.
„Klassenbeste“ schärfte meinen Blick für das, was oft fehlt: die Perspektive der Frau aus der Arbeiterklasse. Deshalb ist dieses Buch so wichtig, so bereichernd und obendrein exzellent geschrieben.