Als die Seuche erloschen ist, die höchstens einer von 50 000 Menschen überlebt hat, gibt es zwischen dem Nordkap und Timbuktu (und wahrscheinlich darüber hinaus) kaum noch ein Dutzend Männer, die sich darüber im klaren sind, daß ganz entscheidende Weichenstellungen vorgenommen werden müssen, um überhaupt zu überleben und die Zukunft der Menschheit zu sichern.
Man kann, wie der „Scheff“ von Passau, versuchen, auf kleinstem Raum eine technologische Zivilisation weiterzuführen, eine Zivilisation aus der Konservendose sozusagen – solange der Vorrat reicht.
Oder man kann sich, wie die Rosenheimer, auf eine bewußt reduzierte, der geringen Bevölkerungsdichte und wieder überhandnehmenden Wildnis angepaßte Lebensweise einer quasi frühmittelalterlichen Zivilisationsstufe zurückziehen.
Oder man kann, wie die Reste der Ungarn es tun, ganz auf Seßhaftigkeit verzichten und wieder zum Nomaden werden. Und wie diese Weichen auch gestellt werden, es ist damit garantiert, daß es auch in Zukunft nicht an Zündstoff für Konflikte fehlen wird.
Und als Kaplan Egid seine Chronik MAGNALIA DEI PER GENTEM ROSMERIORUM, die GROSSTATEN GOTTES DURCH DAS VOLK DER ROSMER, beginnt und vom Jahre 131 POST PESTILENZIAM (das ist ANNO DOMINI 2112) berichtet, zeigt sich, daß die Geschichte der Menschheit – wie gehabt – bereits wieder in vollem Gange ist.
Carl Amery (9 April 1922 – 24 May 2005), the pen name of Christian Anton Mayer, was a German writer and environmental activist. Born in Munich, he studied at the University of Munich. He was a participant of Gruppe 47. He died in Munich.
Im Vorwort nennt der Autor diese Geschichte eine Fingerübung. Trotz ihres geringen Umfangs ist sie weit mehr als das. Der Autor verwebt auf verblüffende und unterhaltende Weise zwei Genres, die unterschiedlicher nicht sein könnten, den bayrischen Volksroman mit einer Dystopie. Den Rahmen dazu spannt eine im Jahre 131 APP ("Anno Post Pestilenziam), was dem Jahre 2112 AD entspricht, in verfasste gedruckte Chronik eine Feldzugs der Ungarn und der Rosmer gehen die sündhafte Stadt der Bassauer. Dort, das heißt in Passau, kam es fast hundert Jahre zuvor anlässlich des Besuches zweier Jäger aus Rosenheim zu einem Konflikt, der die weitere Geschichte dieser Lande maßgeblich beeinflussen sollte. Es zeigt sich, dass auch nach dem fast vollständigen Aussterben der Menschheit und dem Rückfall der Überlebenden in feudale oder nomadische Strukturen, immer noch wirtschaftliches und politisches Dominanzstreben das Zusammenleben bestimmt.
Ich habe den Roman mit großem Vergnügen innerhalb eines Tages verschluckt, was durch die an anspruchsvolleren Text gereifte Sprache Amerys erleichtert wurde. Die wörtliche Rede im bayrischen Idiom und der Wechsel zwischen aktueller und Kurrentschrift (für die Chronik) geben dem Text eine besondere Würze. Nun muss ich noch "A Canticle for Leibowitz" von Walter M. Miller lesen, das Amery als Inspiration diente, sowie "Das Königsprojekt" und "An den Feuern der Leyermark", die beiden anderen SF-Romane Amerys.
Fast die gesamte Mescnhheit ist ausgerottet durch eine Seuche. In Passau hat "der Scheff" Leute aus der ganzen Umgebung zusammengesammelt und hält ein Stück Zivilisation am Laufen, aber zehrend von der Vergangenheit. Er bekommt Besuch von 2 Abgesandten der Rosenheimer, Vater Lois und Sohn Mert. Die Rosmer sind einer anderen Gruppe, die versucht, sich anzupassen, die jagen, angeln, sammeln. Der Scheff fährt alles auf, was er hat, um die Gesandten zu beeindrucken. Er will sie als Verbündete.
Ich weiß nicht recht, was der Autor mir sagen wollte. Dass die Menschen auch nach einer Katastrophe und nach dem Aufbau der Zivilisation in ihre unvorteilhaften Verhaltensmuster zurückfallen würden?
Die Charaktere waren recht interessant. Der Scheff, ein Selfmade-Diktator, der anhand seiner Lektüre von Geschichtsbüchern vor sich hin improvisiert. Lois, der den naiven Bauerntrampel spielt, aber doch den Durchblick hat und auch Marte, der Jüngling, der schnell von der Pracht (auch der weiblichen) geblendet ist, aber ebenso schnell ernüchtert.
Als ISBNs noch 10-stellig waren, das Jahr 2013 weit genug in der Zukunft lag, um dystopische Zukunftsatmosphäre zu erzeugen. Und die Rosmer gegen den Babylon Bassau zogen.
»Der Untergang der Stadt Passau« - entstand 1975 - schildert ein nach einer Katastrophe entvölkertes Europa, in dem sich in Passau ein neues feudalistisches Machtzentrum bildet.
Soweit so gut - hier ist viel Potenzial für einen Zukunftsroman im Stil eines Planet der Affen oder Ähnlichem.
Was der Autor jedoch daraus gemacht hat ist über weite Teile kaum lesbar. So wird andauernd versucht den bayrischen Dialekt der Protagonisten lautgetreu zu schreiben, was selbst für mich, der diesen Slang mit viel Konzentration noch verstehen kann, zu kaum einem Verständnis führt. Dazu kommt, dass die Spannung zwischen Landbevölkerung (Bauernfünfer) und Stadtmenschen (feudal lebende Passauer) eher dem Zeitgeist der 1970er entspricht und auch nicht wirklich passt.
Diesmal als Hörspiel vom Bayerischen Rundfunk gehört. https://www.br.de/mediathek/podcast/h... Vor Jahren hatte ich das Buch gelesen und habe es eindrücklicher in Erinnerung. Der Stoff jedenfalls ist hochaktuell, allerdings deutlich aus einer männlichen Warte gesehen.