Der Kampf geht in die finale Runde.
Nach dem Ende des zweiten Bandes hatte ich keine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde und war dementsprechend gespannt - Einen kleinen Teaser gab es ja schon.
Die Geschichte hat mich schnell wieder von sich eingenommen. Lena Kiefer's Schreibstil hat einfach etwas an sich, das mich voll und ganz in den Bann zieht. Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen und bin nur so durch die Seiten gerast, selbst die ruhigeren Passagen haben mich kein bisschen gelangweilt. Es gibt viele Überraschungen und unerwartete Wendungen, neue Antagonist:innen und ungeahnte Verbündete, Action und Emotionen. Ich habe beim Lesen jede Seite davon geliebt!
Rückblickend betrachtet komme ich aber leider nicht umhin anzumerken, dass dieses Buch hinsichtlich seines Plottings und seiner Struktur schwächer ist als ich es von Lena Kiefer gewohnt bin. Im dritten Band einer Reihe noch einmal einen neuen Plot hinzuzufügen ist ohnehin gewagt, aber ihn dann auch noch so knapp auszuführen, war irgendwie mehr als unbefriedigend. Zumal für die Buchreihe letztendlich eher irrelevante Handlungselemente dagegen so lang und breit erzählt wurden. Es war so nichts Halbes und nichts Ganzes und ich hatte das Gefühl, dass das Potenzial der einzelnen Handlungsstränge auf diese Weise nicht voll ausgeschöpft werden konnte. Das Worldbuilding ist nach wie vor atemberaubend, faszinierend, vielschichtig und packend, aber die Storyline wirkte in ihrer Gesamtheit auf mich leider nicht mehr ganz so gut durchdacht wie noch beim Reihenauftakt. Dazu war mir einiges einfach nicht gut genug ausgearbeitet - Aber wie alles bei Lena Kiefer, ist auch das hier Meckern auf hohem Niveau.
Die Geschichte wird erstmals nicht nur aus Charlotte's, sondern auch aus Noel's Sicht in der ersten Person Singular erzählt wird, was mich persönlich sehr gefreut hat. Ich wollte schon viel zu lange endlich mal in seinen Kopf blicken und beim Prolog erleben wir ebenfalls eine für mich äußerst willkommene Überraschung.
Auf emotionaler Ebene ist dieses Buch wieder sehr stark. Ich begleite die Charaktere nun schon so lange und liebe sie alle, sodass ich sie am liebsten auch gar nicht mehr gehen lassen wollte. Ich habe bis zum letzten gemeinsamen Atemzug mit ihnen mitgefühlt, mitgefiebert und mitgelitten. Manche Passagen haben mich schier zerrissen und tausend Tränen vergießen lassen. Es war wirklich ein bewegender Reihenabschluss!
Jedoch hätte ich mir gewünscht, dass die Stanham-Familie hier mehr gemeinsame Momente bekommen hätte. Ich habe ihre Verbundenheit, aber auch ihre Schäkereien, welche im ersten Band noch so präsent waren, hier häufig vermisst. Einige Nebenfiguren wurden dadurch wirklich mehr oder weniger nebensächlich, was sehr schade war. Insbesondere Zeph hätte in meinen Augen viel mehr "Screentime" bekommen sollen.
Das Ende wurde sehr schnell erzählt und lässt mich leider auch mit ein paar offenen Fragen zurück. Plötzlich geschah alles Knall auf Fall und die Ereignisse überschlugen sich. Das Finale birgt ein richtig tolles Highlight, umso mehr bedauere ich aber auch, dass es so fix abgehandelt wurde. Das Ganze war verwirrend und wurde der gesamten Geschichte in meinen Augen leider nicht ganz gerecht, wobei es natürlich auch nicht schlecht war. Es ist und bleibt ohne jede Frage ein lesenswertes Buch.
Lena Kiefer's Schreibstil ist gewohnt einnehmend, atmosphärisch, energiegeladen und mitreißend. Durch ihre bildhaften und lebendigen Beschreibungen wird die Geschichte beim Lesen greifbar. Daneben sind ihre Worte aber auch sehr gefühlvoll und nahbar - Ich liebe ihren Schreibstil wirklich sehr und werde jedes weitere Buch von ihr lesen.
Dieses Buch zu bewerten fällt mir schwer, da ich es während des Lesens über alles geliebt habe, aber im Nachhinein haben sich leider doch ein paar Schwachpunkte finden lassen... Empfehlen kann ich es aber trotzdem und das ohne jeden Zweifel!
3,5 - 4/ 5 Sterne ⭐️