Wenn ich dieses Buch lese und kritisiere muss ich im Kopf behalten, dass ich eigentlich zu alt bin, um in der Zielgruppe zu sein, und dass sich meine Ansprüche seit ich die Reihe mit vielleicht neun Jahren angefangen habe zu lesen geändert haben. Aber ich finde, dass man auch ein Kinderbuch aus einer erwachseneren Perspektive betrachten kann - und es gibt genug Kinderbücher, die mich heute noch begeistern, obwohl ich nicht zur Zielgruppe gehören. Das ist also bei weitem nicht unmöglich.
Was ich an Alea Aquarius, auch in diesem Band liebe, und was der Grund ist, warum ich dieser Reihe weiterhin treu bleibe, sind vor allem Sammy und die Verrücktheit der Alpha Cru. Es ist wunderschön und inspirierend, wie sie ihre Andersartigkeit feiern und keine Hemmungen haben unerwartete Dinge zu tun. Sie sind eine perfekte found family und tragen zu dieser unbeschwerten, schillernden Wohlfühlatmosphäre des Buches bei, die trotz der ernsten Themen immer präsent ist. Jeder sollte einen Sammy haben!
Auch Cassaras ist ein wirklich interessanter Charakter, und mir gefallen die vielen verschiedenen Magischen, die man über den Verlauf des Buches kennengelernt hat.
Was mir an dem Buch nicht so gut gefällt, lässt sich auf drei Dinge herunterbrechen. Zum einen, es geht mit der Handlung nicht voran. Wenn man, nachdem man das Buch gelesen hat, darauf zurückblickt, fällt einem auf, dass vielleicht ein, zwei kleine handlungsrelevante Dinge passiert sind, wir aber ansonsten dem Ziel kaum nähergerückt sind - oder uns davon entfernt haben. Es ist frustrierend, dass obwohl der große Showdown seit bestimmt zwei Büchern in Aussicht gestellt wurde, dieser noch nicht passiert ist. Die Reihe fühlt sich unnötig in die Länger gezogen an.
Der zweite Punkt ist, dass mir das Buch mehr und mehr belehrend vorkommt. Ja, Klima- und Ozeanschutz sind unglaublich wichtige Themen, und ich finde es toll, dass Stewner diese in ihren Büchern thematisiert. Aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass immer mehr mit dem Finger darauf gezeigt wird bis es nicht mehr natürlich und stimmig wirkt.
Drittens, die Beziehung zwischen Lennox und Alea. Ich habe das Gefühl, dass sie in ihrer Beziehung viel zu weit und viel zu sicher dafür sind, dass sie noch so jung sind. Sie leben einem vor, dass man schon mit 13 Jahren die eine große Liebe gefunden haben kann, mit der man für immer zusammenbleiben wird, was einfach nicht der Realität entspricht. Natürlich müssen Bücher nicht in allen Punkten der Realität entsprechen, aber gerade wenn es um eine Vorbildfunktion für Kinder geht, finde ich das problematisch. Auch denke ich, dass Lennox' unerschütterliche Loyalität zu Alea zu sehr romantisiert wird, und die problematischen Seiten davon, dass er Alea immer über sich selbst stellt, nicht gezeigt werden. Vor allem da Alea immer diejenige zu sein scheint, die die Entscheidungen trifft, denen Lennox sich dann fügt. Auch unabhängig vom Herrinnenschwur.
Ein kleines Detail, das mich manchmal aufregt, ist wie sehr in Bezug auf das Virus und das Gegenmittel die Grenzen der Biologie, sagen wir, ausgelastet werden. Aber das kann ich einem Fantasybuch für Kinder gut verzeihen.
Insgesamt hat mir das Buch gefallen, wegen Sammy und der großen Alpha-Cru Familie und meiner nostalgischen Verbindung zu der Reihe, aber im Vergleich zu früheren Bänden ist dieser hier deutlich schwächer und ich glaube nicht, dass das nur daran liegt, dass ich älter geworden bin.
Ich möchte mit dieser Rezension nicht unnötig auf dem Buch herumhacken oder es Standards gegenüberstellen, die es gar nicht erfüllen will. Aber ich finde es schade, dass die Reihe solche Standards früher erfüllt hat und es jetzt nicht mehr tut, und vielleicht gibt es ja noch andere, denen es ähnlich geht.