Ein vierhändiger Kriminalroman aus der Feder von zwei Meistern des politischen Noir: In Lyon wird ein deutsches Ehepaar ermordet, ehemalige Mitglieder einer linksextremen Gruppe. Christine, hartgesottene Kommissarin in einer Antiterroreinheit und nach einer blutigen Aktion gerade erst rehabilitiert, findet am Tatort ein altes Foto: Es zeigt sie selbst als Kind, mit ihrer Mutter, die vor kurzem Selbstmord begangen hat – und einen »Wolfgang«. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf eine Mail desselben Wolfgang im Postfach ihrer Mutter, kurz vor deren Selbstmord. Kurz darauf in der Nähe von Leipzig. Das Haus von Wolfgang und Elke am Rand einer Kiesgrube steht kurz vor dem Abriss. Es ist Zeit, einige im Garten versteckte Relikte aus der Vergangenheit auszugraben, zumal Wolfgang wegen seiner antifaschistischen Twitter-Posts massiv bedroht wird. Christine ahnt nicht, dass in dieser Nacht noch andere auf dem Weg dorthin sind – und dass sie schon bald nichts mehr unter Kontrolle haben wird…
Christine Steiner, Commissaire bei der DGSI (Direction Générale de la Sécurité intérieure, dem französischen Inlandsgeheimdienst), hält sich nur noch mit Koks und Medikamenten aufrecht. Ausgebrannt und völlig neben der Spur, gerät ihr ein Einsatz mit einem kleinen, aufeinander eingeschworenen Team aus dem Ruder. Offiziell im vom Grand Chef erzwungenen Urlaub und auf dem Weg zu einem Krimifestival, soll Christine jedoch Kollegen in Lyon unterstützen bei Ermittlungen zum Mord am betagten Ex-Mitglied einer linksextremen deutschen Terrorgruppe und dessen Frau, die in Frankreich untergetaucht waren. Vermutet wird ein Bezug der Tat zur Action Europe Blanche.
Ein am Tatort gefundenes, jahrzehntealtes Foto konfrontiert die rund 50-Jährige mit ihrer verdrängten Vergangenheit. Es zeigt laut Aufschrift ihre Mutter Petra, die kleine Christine und einen Wolfgang. Der Ermordete hatte offenbar Christines Mutter gekannt. Petra Steiner war damals gemeinsam mit dem Kleinkind Christine nach Frankreich übersiedelt und hatte alle Brücken hinter sich abgebrochen. Wer vor 50 Jahren Grund hatte, Deutschland endgültig zu verlassen, und welche Beziehung zwischen den über 70-jährigen Beteiligten bestand, ist nicht schwer zu erraten. Beim Thema Herkunft hatte Christine bisher offenbar einen blinden Fleck. Nach dem Fund des Fotos muss sie den kürzlichen Selbstmord ihrer Mutter neu bewerten. Sie sucht die Konfrontation mit Wolfgang Sonne in Leipzig, der kurz vor Petras Tod Kontakt zu ihr aufgenommen hatte.
Zur gleichen Zeit in Leipzig räumt Wolfgang Sonne mit seiner Lebensgefährtin ein Siedlungshaus von verräterischen Spuren, da ihm der Boden offenbar zu heiß geworden ist. Nach einer Rückblende im Text zurück nach Frankreich kommt es in Leipzig zum actionlastigen Showdown.
Die deutsch-französische Kooperation (die Autoren schrieben abwechselnd jeweils ein Kapitel, das dann für den Co-Autor übersetzt wurde) arbeitet mit viel Action, schnellen Schnitten und weniger Ermittlungsarbeit. Der sehr kurz geratene „Noir“ weckt mein Interesse an Jérôme Leroy als Thriller-Autor – und an einer Vertiefung der Zusammenarbeit Annas-Leroy.
Nach einem Alleingang mit ihrem Team, bei dem ein Kollege tödlich getroffen wird, wird die DGSE Kommissarin Christine Steiner zunächst beurlaubt. Die Zeit soll sie auch nutzen, um den Selbstmord ihrer Mutter zu verarbeiten. Obwohl privat unterwegs bittet ihr Chef sie, bei einem Einsatz in Lyon zu unterstützen. Dort wurde ein älteres deutsches Ehepaar ermordet, ehemalige Mitglieder einer linksextremen Gruppierung, auf die ein deutsch-französisches rechtes Bündnis offenbar gerade Jagd macht. Als Christine den Tatort inspiziert, findet sie etwas, das sie völlig aus der Bahn wirft: ein Foto, auf dem ihre Mutter und sie als Kleinkind zu sehen sind. Ihre Mutter hatte nie darüber gesprochen, weshalb sie 1971 alle Brücken zu ihrer deutschen Heimat abgebrochen hat. Christine benötigt nicht viele Informationen, um sich schon kurz danach auf den Weg nach Leipzig zu machen und Rache zu nehmen.
Es gibt Autoren, zu deren Büchern man greift, ohne auch nur einen kurzen Blick auf den Klappentext zu werfen. Jérôme Leroy zählt für mich zu diesen, Max Annas konnte mich bislang gleichermaßen begeistern. Eine Kooperation von beiden ist daher etwas, das ich mir kaum entgehen lassen konnte. „Terminus Leipzig“ ist im Rahmen des Krimifestivals „Quais du Polar“ zwischen den beiden Autoren und ihren Verlagen Edition Nautilus aus Deutschland und Le Point aus Frankreich entstanden. Wie auch in ihren anderen Romanen wird die Handlung von gesellschaftspolitischen Ereignissen getragen, hier der gegenwärtige Terrorismus, der mit der linksextremen Gewalt in der Bundesrepublik der 1970er geschickt verbunden wird.
Als Leiterin einer Antiterroreinheit ist Christine unerschrocken und strategisch in ihrem Vorgehen. So akribisch sie sich über ihre Zielpersonen informiert, hat sie die fehlenden Informationen über ihre eigene deutsche Herkunft immer hingenommen und die Mutter nie genötigt, etwas über ihre Zeit vor dem Umzug in die französische Provinz zu berichten. Das Foto vom Tatort lässt jedoch kaum andere Schlüsse zu als dass die unauffällige Krankenschwester offenbar eine extremistische Vergangenheit hat. In Wolfgang Sonne, der ebenfalls zu sehen ist, glaubt Christine ihren Vater zu erkennen, weshalb sie sich auf den Weg zu ihm macht, um Antworten auf die bislang nie gestellten Fragen zu erhalten. Doch dafür bleibt kaum Zeit, denn gerade in Leipzig angekommen, geraten sie in das Feuer der Rächer, die Sonne ebenfalls ausfindig gemacht haben.
Ein rasanter Kurzkrimi, der sich nicht lange mit der Figurenentwicklung aufhält, sondern unmittelbar ins Geschehen einsteigt. Eine vielversprechende Zusammenarbeit der beiden Autoren, die für mein Empfinden noch stärker hätte ausgebaut werden können, denn sie reißen nur an, was sie eigentlich können. Auch die Handlung bietet noch Entwicklungsspielraum, womöglich ist dies ja in dem Cliffhanger am Ende angelegt, wünschen würde ich mir das jedenfalls.
Un livre écrit sous la forme d’un cadavre exquis : une réussite pour un roman policier court et intense, qui manque tout de même d’un peu de profondeur
Ich habe in meiner Buchhandlung nach einem extra kurzem Buch gefragt und Terminus Leipzig empfohlen bekommen. Aufgrund der Kürze des Buchs ist man auch sofort in der Geschichte, die aus zwei Perspektiven erzählt wird, wobei jeder der Autoren jeweils eine der Perspektiven geschrieben hat. Christines Parts haben mir sehr gut gefallen, Wolfgangs leider gar nicht. Es war spannend geschrieben, daher 3 Sterne.
Den ersten Stern gibt es dafür, weil es das Buch in die Literaturbeilage des "Freitag" geschafft hat und dort wohlwollend besprochen wurde. Den zweiten Stern gibt es dafür, dass das Buch so kurz ist und man schnell durch ist. Hübsch ist auch die Idee, dass Autoren abwechselnd schreiben (was aber nicht zwangsläufig heißt, dass das funktioniert).
Ansonsten gibt es (leider) überhaupt nichts Positives zu erwähnen.
SPOILERWARNUNG!
Die Story ist krude, die Charaktere allesamt nur angerissen und selbst die Sprache ist seltsam verquer. Motivationen für Handlungen? Fehlanzeige!
Warum will die Tochter beispielsweise überhaupt den Vater umbringen? Das macht überhaupt keinen Sinn, außer die Autoren arbeiten das vernünftig heraus, was sie aber nicht tun. Killerkommandos von Rechtsextremen und Polizei, um greise Ex-RAFler zu töten? Mit Verlaub - was für ein Unsinn (außer man geht in die Hintergründe, was aber nicht passiert). Die Rechtsextremen in Deutschland haben seit Jahren nu wirklich andere Zielgruppen.
Überflüssige Hauptfiguren Figuren (Elke) werden irgendwann sang- und klanglos entsorgt, was aber den Rest der Protagonisten auch nur am Rande zu interessieren scheint.
Die Story so hinzubiegen, dass am Ende nur die beiden vermeintlichen Hauptpersonen übrig bleiben und alle anderen tot sind, das ist wohl eine Idee, die auch im Grundkurs für Creative Writing nur noch für Kopfschütteln sorgen würde.
Das Ende also: Madame hat einen Plan, wie man aus der komplett aussichtslosen Situation herauskommen kann. Aha. Und diese Andeutung muss dem Leser dann auch schon reichen, weil mehr gibt es schließlich nicht. Denken die Autoren wirklich, dass der Leser das so schluckt, weil Christine sich während der kompletten Story nicht nur als Elite-Force-Einzelkämpfer (Stallone, Schwarzenegger), sondern auch noch als geniales Mastermind (Mission Impossible, A-Team, Bourne) entpuppt hat?
Merke: Nur weil eine Charakter komplett unsympathisch ist, wird der Leser nicht automatisch daraus schließen, dass der Charakter auch was auf 'm Kasten hat. Die nonchalante Exekution der Gegnerin, die sich ergeben hat, ist ein gutes Beispiel, wie man es als Profi eben nicht macht (glaube ich).
Zur seltsamen Sprache könnte ich eine komplett eigene Rezension schreiben, mache ich aber nicht, weil ich mich nun wirklich lange genug mit dem Buch beschäftigt habe. Nur so viel: stellenweise wirkt das so, als hätte nicht nur der Schreiber, sondern (viel wichtiger!!) auch das Lektorat seine Deutschkenntnisse im Preisausschreiben gewonnen. Menschen reden anders, als sie schreiben, gute Autoren beachten das, gute Lektoren korrigieren das. Wenn 2022 Charaktere so sprechen, wie in der Deutschen Nachkriegsliteratur geschrieben wurde, dann stimmt ganz grundsätzlich etwas nicht.
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I picked it up as it is partly set in Leipzig. It was a quick read, finished it in a couple of hours, as it is a short book and gripping story. A lot of dead people in the end and I didn't like the cliffhanger.