Ein echter Glückstreffer
Manchmal hat man Glück und kommt unversehens, ohne eigenes Zutun, in Berührung mit einem tollen Buch, von dessen Autor man noch niemals etwas gehört hat. So war es in meinem Falle mit Timo Parvela, einem finnischen Kinderbuchautoren, und dem Buch Ella in der Schule, das der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Büchern um die kleine Ella, ihre Schulkameraden und ihren Lehrer ist. Man kann wahrscheinlich raten, warum ich das Buch überhaupt zur Hand genommen habe: Meine kleine Tochter ist im August selbst in die Schule gekommen und ist zu dieser Gelegenheit von Verwandten, Freunden und Nachbarn reich beschenkt worden, unter anderem eben auch mit diversen Kinderbüchern, denen fast allen gemein ist, daß es in ihnen um das Thema Schulanfang geht. Da meine kleine Tochter aber noch jemanden zum Vorlesen braucht – ein Glück, denn ich lese sehr gern vor –, fiel Ella in der Schule nun in meine Hände und wird wohl noch lange darin bleiben, denn meiner Tochter gefallen die Geschichten so gut, daß sie sie immer wieder vorgelesen haben möchte.
In Ella in der Schule sind drei etwas längere Geschichten versammelt, die wiederum in mehrere kurze Kapitel unterteilt sind, was das abendliche Vorlesen sehr praktisch macht. In der ersten Geschichte haben Ella und ihre Freunde einen schrecklichen Verdacht – nämlich, daß ihr Klassenlehrer erpreßt wird und dringend ihrer Hilfe bedarf. In der zweiten Geschichte dreht sich alles um das Thema Theater – als gäbe es davon noch nicht genug im Klassenzimmer –, und die letzte Geschichte dreht sich um einen Schulausflug, bei dem vor allem der Busfahrer auf seine Kosten kommt, und die Kinder natürlich auch. Timo Parvela arbeitete selbst als Grundschullehrer, bevor er sich entschloß, als freischaffender Autor sein Geld zu verdienen, und beim Lesen fragte ich mich deshalb immer, wieviel von dem oft durch die Ereignisse getriebenen, niemals seinen schwarzen Humor verlierenden Lehrer wohl in ihm selbst steckt. In einfacher, kindgerechter Sprache – die aber sehr doppelbödig ist und von feinem Humor getragen wird, so daß das Buch auch Erwachsenen diebisches Vergnügen bereitet – gelingt es Parvela, nicht nur von den alltäglichen und überalltäglichen Abenteuern einer Gruppe Grundschulkinder zu erzählen, sondern ein halbes Dutzend von ihnen auch noch kunstvoll mit ihren Eigenheiten herauszuarbeiten. Ein bißchen erinnert mich die Anlage des Buches an Le Petit Nicolas, wobei ich den Humor Parvelas allerdings noch ein wenig ironisch-verschmitzter finde.
Die Geschichten um Ella und ihre Erlebnisse in der Schule werden sicherlich noch in weiteren Bänden auf dem Bücherregal meiner Tochter auftauchen. Leider wird sie ja bald selbst lesen können …