Am 24. Februar 2022 startet die russische Armee einen großangelegten Überfall auf die Ukraine. Schnell gerät die nah an der Grenze gelegene Millionenstadt Charkiw unter starken Beschuss. Hunderttausende Menschen fliehen. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow jedoch bleibt in der umkämpften Frontstadt. Bald schon fehlt es an sauberem Wasser, Essen und medizinischer Infrastruktur. Die Thermometer zeigen hohe Minusgrade, die Menschen frieren. Gerassimow beginnt über die Absurdität eines Alltags im Krieg zu schreiben. Das Ergebnis ist ein aufwühlendes Zeitzeugnis, ein Appell zum Frieden und zur Verständigung.
Gerassimow, 1964 geboren, wohnt mit seiner Frau in Charkiw im Osten des Ukraines. Dieses Buch, eigentlich ein Tagebuch der Gerassimow von 24 februar (wenn die Russische Invasion beginnt) bis den 18 April 2022 geschrieben hat, ist auf einmal herzzerbrechend, faszinierend, inspirierend, poetisch und nachdenklich machend. Vor allem merkt man seine Liebe zu der Menschheit.
Am 9. März schreibt er: “Noch vor zwei Wochen war Charkiw so schön wie ein fein gearbeitetes Juwel. Jetzt is die Stadt ein Grauen.“ Der Delphinarium und der Tierparks wurden beide bombardiert, die Tiere waren entwetder getötet, verhüngert oder verdürstet. „Ein paar Tage nach der Bombardierun kehrten zwei Mitarbeiter des Ecoparks zurück, um die sterbenden Tier zu füttern. Einige Russen zerfezten sie mit automatischen Waffen.“
Ueber den Krieg:
„...die Ereignisse, die ich zu fassen versucht habe, könnten als psychologische Beschreibung eines veränderten Gemütszustands dienen, wie wir ihn alle erleiden, wenn wir uns plötzlich mit einem Bösen konfrontiert sehen...Wir befanden uns in einer Art Trance...“
„Es handelt sich also um den wahrscheinlich sinnlosesten Krieg der Geschichte. Die Russen kämpfen gegen Dinge, die es gar nicht gibt.“
„als die ersten Bomben fielen, zuckte mein Land nicht einfach nur vor Schmerz, es gewann an Stärke.“
Ueber Ukraine und sein Volk:
„Wirs sind kein gewöhnliches Land mehr mit einem gewöhnlichen Präsidenten und gewöhnlichen Aussichten. Wir sind ein fester Bestandteil der Welt geworden.“ „Die Ukrainer sind einzigartig, denn sie sind wahrscheinlich das idealistischste und freiheitsliebendste Vok der Welt.“
„Zu glauben, dass eine Nation besser als eine andere sei, ist dasselbe wie zu glauben, dass Menschen, die am Montag geboren wurden, besser seien als solche, die an einem Freitag das Licht der Welt erblickten...Es geht vielmehr um Würmer. Die Würmer, die sich seit langen in einem kahlen Kreml-Kopf vermehrt haben, haben sich aus ihm herausgewunden, sich in ganz Russland ausgebreitet und zig Millionne anders Menschen befallen. Diese Menschen mit Würmern in ihen Gehirnen und Köpfen spucken hasserfüllte Reden aus und rufen zur Forsetzung des Massenmordes auf...Jeder verdient Liebe, auch menschen mit Würmern in ihren Köpfen und Hirnen.“
Ueber die Leute, die Putin bewundern:
„Das ist das Wesen des Russismus: Wir können wahllos viele Menschen für jedes beliebige Ziel töten. Wir haben immer recht, weil unsere Doktrin allmachtig ist. Wenn Sie irgendwelche Zweifel haben, hören Sie auf das, was unser Führer sagt, denn er ist die Quelle des Wissens, das sowohl allmächtig als auch wahr ist...Diese teuflische Gewissheit lässt sie uns den Tod wünschen. Nazis sind schlecht, ihr seid Nazis, also müsst ihr alle umgebracht werden—das ist ein logish einwandfreier Syllogismus, der auf ihre Gehirne schlägt wie eine Axt auf den Stamm eines lebenden Baumes...die Leute, die einmal unsere Freunde waren, sind alle nicht geisteskrank. Nein, sie sind moralisch krank“
Ueber das Gute und das Böse:
„Die Zeit selbst ist ein mächtiger Strom des Guten, und alle bösen Dinge, die über uns kommen, sind nur kurzlebige Wirbel darin. Deshalb pflanze ich heute meine kleinen Tannenbäume.“
Ueber das Patriotismus:
„Dsa ist mein kleiner, nichtkriegerischer Patriotismus: Liebe zu Dingen, die ich schon oft gesehen oder in den Händen gehalten habe, Liebe zu den Strassen, durch die ich jahrelang gegangen bin, oder zu den Flüssen, die ich oft mit einem Boot befahren habe.“
Und das alles wird immer wieder mit schönen, poetischen Bemerkungen umrandet, wie z.B:
„Das Gefühl in meinem Herzen ist wie schwarze Tinte, die vom Grund eines tiefen Sees aufsteigt und sich nicht mit dem klaren Wasser vermischt.“
„Die Nacht ist so klar wie die Tränen eines Gottes.
Ich weiß nicht, was ich von diesem Buch erwartet habe und ich weiß auch nicht, ob es mir überhaupt zusteht, darüber zu urteilen; Was Sergej niederschreibt und was er vielleicht auslässt, verdrängt oder weil ihm schlichtweg die Zeit gefehlt hat.
Mir persönlich war das etwas zu viel Philosophie. Das heißt nicht, dass ich mit ihr nichts anfangen könnte, Irgendwann wurden mir die Ausschweifungen aber zu lang. Das Leseerlebnis hat sich dadurch gezogen. Das ist daran mein Kritikpunkt.
Der Autor schreibt über Einzelschicksale und den überraschend eintönigen und gefährlichen Kriegsalltag von Kriegsbeginn bis Anfang April 2022. Was mir dabei nicht schmeckt ist, wie steril sich das alles liest. Die Seele der Ukraine kann ich durch dieses Buch besser fassen, aber die Grauen des Krieges bleiben mir trotz Berichte fern.
Es ist fast so als wenn Sergej extrem viel Glück gehabt hat und sich das zum Zeitpunkt des Verfassens nicht direkt bewusst hätte werden können.
Es ist schade, dass es kein Nachwort gibt wo kurz zusammengefasst steht, wie es für den Autor nach Ende des Buches weiterging.
I have decided to remove my original rating of this book. After further consideration, judging someone‘s personal experience of such a life-altering event — where words fail to properly describe the scope of its horrors— seems not only cynical but deeply inappropriate.
I deeply hope that Sergej Gerassimov, his friends and family, his neighbours, colleagues and brief acquaintances are not only doing okay but can return to a resemblance of normal life as soon as possible — free of Russian occupation, threat and propaganda.
All that is left to say is: Слава Україні! Героям слава!