Dieses Review bezieht sich auf die deutsche Ausgabe, erschienen unter der ISBN 9783551755087 im Carlsen Verlag.
Es reicht ein gut platziertes Gerücht, um eine Person in einer Gemeinschaft zu mobben. Und das umso mehr, wenn es sich um eine kleine Dorfgemeinschaft handelt. Ich fand das Szenario, das Clara Lodewick zeichnet, glaubwürdig, was eine Voraussetzung ist, damit diese Graphic Novel ein gesellschaftliches Manko offenlegt.
Selbst engere Freunde der Titelfigur Merel hinterfragen nicht, was es mit dem Gerücht auf sich hat. Keiner hat den Mumm, Merel direkt auf dieses Gerücht anzusprechen. Vielmehr wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Und eins führt zum anderen, bis die Situation eskaliert und es scheinbar keine Lösung zu geben scheint.
Im Grunde genommen geht es aber vielmehr um die Familie, aus der das Gerücht gestreut wurde. Eine Familie, in der der Segen schief hängt und eine Trennung unvermeidlich zu sein scheint und in der die Eltern sich so sehr auf sich konzentrieren, dass sie ihren Sohn ganz »vergessen«. Auch hier wird zu wenig miteinander gesprochen. Ein Problem, dass sich immer wieder in zwischenmenschlichen Konflikten in den Vordergrund schiebt.
Die Autorin ist zugleich für die Zeichnungen verantwortlich, die ich als relativ simpel empfunden habe. Es ist ein Comicstil, mit dem die Geschichte erzählt wird und der nicht durch einen außergewöhnlichen Stil auffällt.
Fazit
Die Story fand ich gut erzählt. So gut, dass es sich lohnt, diese mehrfach zu lesen, um das subtile Ausbreiten des Gerüchts besser nachzuverfolgen. Die Geschichte ist authentisch und emotional erzählt. Weniger gut haben mir die Zeichnungen gefallen, aber dies ist wie in jeder Kunst Geschmackssache. In Summe ein empfehlenswertes Drama.