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Alles ist noch zu wenig

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Drei Generationen zwischen Verantwortung und individueller Freiheit
'Alles ist noch zu wenig' erzählt rasant und mit entwaffnender Menschenkenntnis von allgegenwärtigen Gräben zwischen Stadt und Land, Ost und West, Alt und Jung. Dabei geht es immer wieder um die Erwartungen, die wir an unsere Familie stellen - und den Widerwillen, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Weil seine Mutter Inge nach einem Sturz nicht mehr gut laufen kann, beschließt Carsten, mit seiner fünfzehnjährigen Tochter Lissa für ein paar Wochen zu Inge in die ostdeutsche Provinz zu fahren. In der Enge des Dorfes und im Alltag ihrer seltsamen Wohngemeinschaft kollidieren unterschiedliche Lebenserfahrungen und Vorstellungen. Wo zunächst nur Unverständnis herrscht, sind Großmutter, Sohn und Enkelin schließlich gezwungen, einander neu kennenzulernen. Denn eine gemeinsame Sprache sprechen sie seit Jahren nicht: Inge schmollt lieber, als um Hilfe zu bitten. Carsten schiebt Dienstreisen vor, um Reißaus nehmen zu können.
Und Lissa fühlt sich allein mit ihren Ansichten von einer gerechteren Welt. In 'Alles ist noch zu wenig' schreibt Katja Schönherr federleicht und gleichzeitig beeindruckend feinsinnig von überzogenen Erwartungen, bissigem Schweigen und vorsichtiger Annäherung. Dabei umkreist sie eine Frage, die drängender nicht sein könnte: Was schulden wir unseren Nächsten - und was uns selbst?

320 pages, Hardcover

Published August 17, 2022

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About the author

Katja Schönherr

8 books3 followers

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3 (4%)
1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Ellinor.
777 reviews369 followers
November 15, 2022
Alles ist noch zu wenig erzählt von drei Generationen einer Familie: Großmutter Inge lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Berlin. Nach einem Sturz ist sie auf Hilfe angewiesen. Ihr in Berlin lebender Sohn Carsten, Mitte fünfzig, muss sich also gezwungenermaßen um sie kümmern, bis es ihr besser geht bzw. eine andere Lösung gefunden wurde. Da gerade Sommerferien sind, begleitet ihn seine Teenie-Tochter Lissa. In der Familie liegt einiges im Argen, über Probleme wurde und wird fast nicht geredet. In der gemeinsamen Zeit wird einiges enthüllt, da die drei gezwungen sind zu kommunizieren. Dabei tauchen viele totgeschwiegene Konflikte wieder auf und alle Beteiligten müssen erkennen, dass ihre Perspektive vielleicht nicht immer die einzig wahre ist.
Generationenkonflikte sind ein schwieriges Thema und Bücher darüber können schnell deprimierend werden. Katja Schönherr ist hier jedoch das Kunststück gelungen, ein tragikomisches Werk zu verfassen. Die Charaktere sind alle einigermaßen skurril. Carsten kommt sehr unsympathisch rüber, hat aber gleichzeitig auch Züge, die dem äußeren Eindruck widersprechen. Inge wirkt zunächst trotz körperlicher Schwierigkeiten recht gefestigt und es ist zunächst auch nicht klar, welche Rolle sie bei den Konflikten in ihrer Familie spielt. Lissa ist typisch GenZ, wenn sie sich auch unbedingt vom Rest ihrer Generation abheben will. Gleichzeitig ist sie gerade in sexueller Hinsicht extrem frühreif. Gerade dass keine der Hauptfiguren unfehlbar ist, entsteht eine spannende Konstellation. Die Dialoge sind teilweise urkomisch und wie aus dem wirklichen Leben gegriffen.
Von mir gibt es eine klare Empfehlung für dieses Buch, das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient hat.
Profile Image for laleliest.
430 reviews68 followers
August 17, 2022
3,5⭐️
Inge stürzt die Treppe herunter und liegt seitdem im Krankenhaus. Für sie ist es unmöglich, allein zurück in ihre Wohnung zu gehen. Ihr Sohn Carsten opfert sich letztendlich regelrecht und zieht gemeinsam mit seiner Tochter Lissa für drei Wochen zu ihr. Ärger ist hier quasi vorprogrammiert: Inge, verbittert und fordernd. Carsten, egoistisch und arrogant. Lissa, provokante Weltverbesserin, mitten in der Pubertät.
Ich habe den Roman während einer Zugfahrt gelesen und hätte mir keine bessere Unterhaltung vorstellen können. Die Figuren wirkten auf den ersten Blick etwas überspitzt, gleichzeitig habe ich vergleichbare Menschen in meinem Umfeld dort wiedererkannt. Die Geschichte ist leicht erzählt und die Dialoge schnippisch, passend. Neben größtenteils reibungsvollen Momenten gibt es auch die der Harmonie, welche die Geschichte für mich erst richtig wohlig machten. Mein Kritikpunkt an dem Roman bezieht sich auf die Vielzahl der Themen. So wirkt es zwischenzeitlich, als hätte die Autorin versuchen wollen, alles aktuelle anzusprechen. Dadurch entsteht zwischendurch immer ein Gefühl der Überladenheit. Nichtsdestotrotz hat mir der Roman sehr gefallen und mir einige schöne Lesestunden beschert!
Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
January 20, 2023
Opowieść o dzielącej nas pokoleniowej otchłani. Każde z trzech opisanych tu pokoleń, czy to w osobie zgorzkniałej, wiecznie obrażonej i boleśnie samotnej babki Inge, ojca Carstena o rozdmuchanym ego, czy najfajniejszej z nich wszystkich piętnastolatki Lissy, tkwi w swojej bańce, niezdolne do porozumienia z innymi, okopane, zabetonowane w swoich racjach. To opowieść o tym, jak bardzo nie umiemy się komunikować. I jak trudno budować mosty w społeczeństwie, które niczego nie ułatwia. I o kompromisach, w którch nie ma wygranych, mogą być tylko przegrani.
Przez chwilę odnosiłam wrażenie, że całość zmierza w kierunku ciepłej, pokrzepiającej powiastki z cukrowym happy endem, ale nie, autorka jest realistką. Pisze prostym, bezpretensjonalnym, konkretnym językiem. Ta książka niczego nie udaje. Dobry, wciągający mainstream.
Profile Image for Diana (buecher.berge).
152 reviews12 followers
December 5, 2022
Inge ist 84 Jahre alt und lebt alleine in einem Haus in Munßig, einem abgelegenen Örtchen in der ostdeutschen Provinz. Los ist in Munßig schon lange nichts mehr: Die Geschäfte haben seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten geschlossen und auch die Schule, auf die einst Inge und nach ihr ihre beiden Söhne Carsten und Jens gingen, ist verriegelt, denn Kinder und junge Erwachsene gibt's kaum noch im Ort. Der Großteil der Bevölkerung besteht aus Menschen wie Inge, die nie weggezogen sind vom einzigen Ort, den sie je kannten. Jetzt ist Inge in ihrem Haus gestürzt, ist in der Nacht die steile Treppe herunter gefallen. Stunden später hat sie Ulrike, die Nachbarin und frühere On-Off-Freundin von Carsten, durch Zufall gefunden und einen Krankenwagen gerufen. Inge hat sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen, was es unmöglich für sie macht, wieder alleine nach Hause zu gehen und den Alltag zu bewerkstelligen. Ihr Mann ist schon lange tot, Jens hat den Kontakt zur Familie abgebrochen und lebt in den USA. Bleibt also nur ihr ältester Sohn Carsten, der im nicht weit entfernten Berlin lebt. Der wiederum kann sich besseres vorstellen, als sich wochenlang in Munßig um seine kranke Mutter zu kümmern, denn auch die beiden haben nicht das beste Verhältnis und Carsten liebt nun mal seine Freiheit. Am Ende bleibt ihm keine Wahl und so verbringen er und seine 15-jährige Tochter Lissa, die normalerweise bei seiner Ex-Frau lebt, einen Teil der Sommerferien in Munßig. Drei Generationen, drei Persönlichkeiten, Konflikte vorprogrammiert. Jede*r eckt mit jeder*jedem an: Die umweltbewusste Feministin Lissa verurteilt Carstens konsumorientierten, frauenverschleißenden, bindungsresistenten Lebensstil mindestens genauso sehr wie seine Tätigkeit in der Marketingabteilung für einen Plastikbehälter-Hersteller. Carsten wiederum empfindet seine Tochter als frühreif und hysterisch, beharrt auf seinen Ansichten und wünschte, er könnte mal wieder nach »Brüssel« verschwinden. Bei Inge und Lissa kollidieren Welten: Die selbstbewusste Lissa, die sich Umwelt und Tieren zuliebe vegan ernährt, widerspricht Inges traditionellen, heteronormativen Ansichten und Werten. Und dann sind da natürlich noch die Tücken der Mutter-Sohn-Beziehung: Inge, die erwartet, dass sich Carsten um sie kümmert und am besten sofort zurück nach Munßig zieht, weil Kinder sich nun mal um ihre Eltern zu kümmern haben, ist ein Dorn im Auge Carstens, der seine Mutter am liebsten heute als morgen in ein Altersheim verfrachten möchte, um zu seinem gewohnten Lebensstil zurückzukehren.

Im Laufe ihres Zusammenlebens müssen sich Lissa, Carsten und Inge neu oder vielleicht auch zum ersten Mal richtig kennen lernen, denn schnell wird klar, dass es so viel mehr gibt als Schwarz und Weiß. Sie müssen lernen, dass Schuldzuweisungen keine Lösung sind, sondern die Dinge nur verschlimmern, wenn man nicht bereit ist, aufeinander zu zu gehen. Sie müssen lernen, dass man auch mal zuhören, die eigene Schuld anerkennen, Fehler eingestehen, Ansichten revidieren muss. Sie müssen verstehen, dass Worte und Handlungen Konsequenzen haben, Wunden zufügen können und dass manche Wunden so tief gehen, dass keine Zeit der Welt sie wieder heilen kann. Manche Brücken bleiben abgerissen. Für manches ist es einfach schon zu spät, die Zeit lässt sich nicht zurück drehen, Gesagtes lässt sich nicht Ungesagt machen. Deswegen ist es umso wichtiger, das zu reparieren, was man reparieren kann. Dass man dazu lernt. So lernt Lissa, dass man seine Kämpfe wählen muss, Versprechen Folgen haben und dass Erwachsen werden und Erwachsen sein so viel schwieriger ist, als es den Anschein hat. Carsten muss sich fragen, ob er seiner Mutter weiterhin an allem die Schuld geben will, was falsch läuft in seinem Leben und das als Generalentschuldigung nutzt, um festzuhalten an seinem überholten patriarchalen Macho-Getue und seinem Egoismus. Inge schließlich muss sich auseinandersetzen mit ihrer Vergangenheit, muss festgefahrene Ansichten hinterfragen und einsehen, dass sie nicht die perfekte Mutter war, die sie gern gewesen wäre. Dass sie Fehler gemacht hat, die dazu führen, dass sie jetzt da ist, wo sie ist. Gleichzeitig stützen sich alle auf Ulrike, keine Protagonistin, aber doch meine Heldin der Geschichte: Ulrike ist eine alleinerziehende Mutter zweier Töchter, die sich seit Jahren um ihre schwerstpflegebedürftige Mutter kümmert und ihr gesamtes eigenes Leben hinten an stellt. Die eingenommen ist von den Verpflichtungen und Erwartungen, die andere an sie stellen. Und die trotzdem noch die Kraft findet, nach Inge zu sehen, Carstens Seelsorge zu sein und Lissa eine Bezugsperson, wie diese sich ihre eigene Mutter wünscht.

»Alles ist noch zu wenig« erzählt leise, aber eindringlich, feinfühlig und berührend eine Geschichte darüber, was eine Familie ausmacht, über Verantwortung und Erwartungen, über die Herausforderungen des Lebens. Drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und durch die Liebe – ob sie diese nun wahrhaben wollen oder nicht – ein Teil des Lebens der anderen sind. Aus der wechselnden Sicht von Lissa, Carsten und Inge taucht man ein in die Familiendynamik, die Erwartungen, Gedanken und Enttäuschungen der Einzelpersonen ergeben in der Kombination mit denen der anderen fast ein Puzzle, Teilchen für Teilchen setzt sich das fertige Bild zusammen, das eindrucksvoll zeigt, dass Wahrnehmung immer subjektiv und die Wahrheit irgendwo in der Mitte verborgen liegt. Der Roman stellt die entscheidende Frage danach, was man von jemand anderem verlangen darf, nur weil er zur angeborenen oder selbst erwählten Familie gehört und ob Alles noch zu wenig, oder doch viel zu viel ist. Er verdeutlicht, dass Familie kein Anrecht ist, sondern ein Privileg. Dass man nicht verlangen kann, ohne zu geben. Dass Menschen sich ändern können, aber nicht müssen. Dass es Verständnis braucht und Veränderung.

Ich bin so froh, dass ich diesen Roman durch Zufall gefunden und bekommen habe. Er hat mir so viel gegeben, so viel gezeigt, so viel gelehrt. Es passiert so gut wie nie, dass ich Stellen in einem Buch markiere, weil ich weiß, dass ich irgendwann zu ihren zurückkehren und Trost oder Rat oder Bestätigung in ihnen finden werde. »Alles ist noch zu wenig« ist so ein Roman für mich, erst der zweite dieses Jahr. Ich weiß, dass ich wieder zu ihm zurückkehren werde. Besonders Lissa ist mir sehr ans Herz gewachsen und hat mir ein Zitat nach dem anderen geschenkt, weil ihre Werte meinen entsprechen und ich mir gewünscht hätte, dass ich ihren Mut, ihr Selbstvertrauen und ihre Stärke gehabt hätte, als ich 15 war. Ein absolutes Herzensbuch für mich, für das ich mir wünsche, dass ihr es auch für euch entdeckt!
Profile Image for Philine Holletz.
11 reviews4 followers
July 2, 2025
Es ist noch hell. Aber die Tage sind schon wieder kürzer. Bis zur Sommersonnenwende liegt immer diese wilde, vibrierende Aufregung in der Luft, die selbst Carsten noch spürt, obwohl sie für junge Leute gedacht ist. Diese Spannung: Was wird der Sommer bringen? Welche Party, nach der man im Morgengrauen bei Vogelgezwitscher nach Hause wankt? Welchen Kuss am Strand? Welchen Namen im Sand? Welche Liebe?
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