Nordkorea, mon amour. Starke Empfindungen sind Claudia Aebischer eigentlich fremd. An der Spitze einer Delegation junger Kulturschaffender reist die Fünfzigjährige ein letztes Mal nach Pjöngjang: zur feierlichen Eröffnung der dortigen Deutschen Bibliothek. Doch schon kurz hinter der chinesischen Grenze sieht sie sich mit einer Erscheinung konfrontiert, die eine alte Sehnsucht in ihr weckt. Eine Begegnung, die alles neu und anders macht – gibt es das? Das Phänomen hat, wie Claudia erfährt, einen Namen. Sunmi ist Germanistin, Dolmetscherin und Agentin der DVRK.
Von seiner Reise nach Nordkorea 2017 brachte Andreas Stichmann keine literarische Reportage und kein erzählendes Sachbuch heim, sondern die Idee zu einem Roman. «Eine Liebe in Pjöngjang» ist mehr als das, es ist ein Abenteuer. Die unwahrscheinliche Geschichte einer Liebe zwischen zwei ungleichen Frauen, zwei Lebensaltern, zwei Kulturen. Ein Buch, das sich das Fremde anverwandelt wie jemand, der sich verliebt: schlagartig, voller Hingabe, geblendet vom Leuchten der eigenen Projektionen.
Longlisted for the German Book Prize 2022 This novel shocked me and made my heart race - not because the content is so exciting, mind you, no: I fell asleep reading it because it was so boring, and then my kindle crashed right into my face (true story). In "A Love in Pyongyang" (the title basically says it all, *grmpf*), Stichmann tells the story of 50-year-old Claudia Aebischer, who is part of a delegation traveling to North Korea in order to officially open the German library in the capitol. There, she meets Sunmi - an agent and government official with a degree in German. We learn about the backstory of Sunmi and thus life in the DPRK, and the two women develop a special relationship that culminates in them planning to smuggle Sunmi out of the country...
The novel does a rather poor job illustrating life in North Korea and circles around the question whether Sunmi, the agent, can be trusted, and in how far the prison around her has become a prison inside her mind. It's superficial, it's not very detailed or atmospheric, it's predictable - and I'm not sure why this book was written. Granted, I might have a particular point of view because ideologies and mind prisons are one of the main topics of my favorite author, Christian Kracht (see particularly 1979, my most beloved Kracht novel, but also Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten and Imperium, and to a lesser degree every single one of his other fictional texts), and of course Kracht has traveled to North Korea (see The Ministry of Truth: Kim Jong-Il's North Korea) - all of this is intellectually sharp, hard-hitting shit. But even stuff like Kim und Struppi: Ferien in Nordkorea ("Holidays in North Korea", a comedic travelogue) is more insightful than Stichmann's effort.
And then there's the stiff language, crude like a newspaper article that can't decide whether it's a reportage or a news item. The clumsy references to classic German literature and the ha-ha-cute outdated German expressions Sunmi uses also don't help.
If you want to write about a vicious dictatorship that imprisons, starves, and tortures its citizens, if you want to ponder the effects of propaganda und brain washing, if you want to illuminate the limited understanding Europeans have of what it means to live in such a place, maybe don't write such a tame novel. This is just not enough, and it's beyond me why this is nominated for the German Book Prize: The content is too shallow, the writing not noteworthy. Read The Orphan Master's Son instead.
Dr. Claudia Aebischer, erfolgreiche Autorin erzählender Sachbücher, begleitet eine Delegation Kulturschaffender nach Pjöngjang zur Eröffnung einer Deutschen Bibliothek. Claudia, eine erfahrene, ergraute Aktivistin für das Bibliothekswesen, hat ihren Teilnehmern genau 4 Monate Nord-Korea-Erfahrung voraus. Sie ist jedoch in der DDR aufgewachsen; Strukturen totalitärer Staaten sollten ihr nicht fremd sein. Pjöngjang riecht für Claudia so vertraut wie die Braunkohle-Dünste der DDR. Ihre Reisegruppe besteht zum großen Teil aus Berliner Journalisten, aber auch aus jungen, hippen Existenzgründern. An ihrem Zugfenster wird an Claudia im entgegenkommenden Zug eine bemerkenswert schöne Koreanerin vorbeigefahren. Die Zuteilung eben dieser gutaussehenden Dolmetscherin für die deutsche Gruppe könnte noch verblüffen, Claudia sollte allerdings nicht überrascht sein, dass achtsprachige promovierte Dolmetscher wie Sunmi als Agenten des DVRK (Komitee für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik Korea) ausgebildet sind.
Die Deutschen wirken in der fremden Umgebung angespannt, messen ihre Nordkorea-Klischees an der Realität und Claudia müht sich, die Erwartungen beider Seiten zu erfüllen. Da in bestimmten Staaten Offensichtliches nicht ausgesprochen werden darf, könnte Claudia an ihren Erlebnissen durchaus Zweifel entwickeln. Den Rückblick in Sunmis Kindheit 20 Jahre zuvor hätte ich mir ebenso gut als Romanentwurf vorstellen können, mit dem Claudia sich von Kulturaustausch-Geschwafel und Touristen-Bespaßung ablenkt. Als ein Grummeln des Vulkans Paektusan den einheimischen Tourismus gefährden könnte, reist die Gruppe ab. Claudia bleibt zurück, weil das Gastgeberland von ihr eine Rede erwartet, um die ausländische Presse zu beschwichtigen. Was geschieht, wenn eine nordkoreanische Frau als „umschmeichelnder Begleitservice“ für eine ältere Deutsche eingesetzt wird, ist der groteskeske Plot, den ich in diesem Jahr gelesen habe. Der Roman lebt vom Kulturschock der Reisegruppe und von der absurden wie romantischen Beziehung der beiden Frauen. Mit Sunmis skurriler Wortwahl, die aus einem veralteten Deutschlehrbuch zu stammen scheint, habe ich mich ebenso amüsiert wie über die erzählerische Doppelbödigkeit, mit der Stichmann beschreibt, was zu sehen ist, ohne unbedingt zu erklären, was das Gesehene bedeutet.
Wer DDR-Erfahrungen hat oder wem die Region an der nordchinesischen Grenze vertraut ist, wird sich köstlich amüsieren. Ein sehr deutscher Stoff, der verdient auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022 steht.
" Im Anderen das Fremde gelten lassen, als das Unverständliche"
Jap, eine Perle. Eine besondere Geschichte in einer besonderen Sprache. Der Autor hat sich in einer Durchmischung der amtlichen, sehr korrekten, klaren Propagandasprache, mit poetischen und altertümlichen Sprachsequenzen versucht. Bis auf kleine Irritationen meinerseits, ist ihm das vorzüglich gelungen. Im letzten Drittel wurd's mir sprachlich etwas zu schwülstig. Der Plot ist allerdings fantastisch. Kein Kitsch, kein Geschmachte.... Die Figurenzeichnung ist toll- va. Claudia Aebischer, was für eine Frau! Mein heimlicher Wunsch wäre natürlich noch ein Blick ins Private der Nordkoreaner gewesen, sofern es das überhaupt gibt. Das Buch folgt fast ausschließlich öffentlichen, bewachten Szenen. Eben jenem, was uns gewährt wird. Nur in kleinen Nuancen gibt es frei, was in den Köpfen der Menschen wirklich los ist.
Ich fühle mich gebaitet. Das erste Kapitel, was auch zum Teilen der Leseprobe aus dem Heftchen zum Deutschen Buchpreis entsprach, war großartig zu lesen. Die Protagonistin Dr. Claudia Aebischer schien eine besondere Art der Sicht auf sich und die Welt um sie herum zu haben. Auch der Schauplatz Nordkorea schien viel Potential zu bieten und das die nordkoreanische Dolmetscherin teilweise ihren Sprachschatz aus Werken der Romantik bezieht wirkte wie das i-Tüpfelchen. Ich wurde dann aber leider sehr enttäuscht. Ich glaube ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass in meiner Meinung darüber so abgestürzt ist, nachdem ich zu Anfang noch so begeistert war. Der Autor konnte mir leider zu keinem Zeitpunkt die Liebe, die sich zwischen den beiden Frauen entwickelt, glaubhaft machen. Auch wenn nicht ganz klar ist, was der Antrieb bei Sunmi ist, waren sämtliche Annäherungsversuche irgendwie nur hölzern und teilweise auch wie mit dem Holzhammer den beiden Protagonistinnen übergestülpt. Im Buch wird häufig von einer Verbindung zwischend den beiden erzählt, die aber nie wirklich durch mich erfahrbar wurde. Dazu kommt, dass die Rahmenhandlung in Nordkorea, vor allem im hinteren Teil des Buches immer absurder wird. Wie so eine Fantasygeschichte, die halt zufällig in Nordkorea spielt. Am Anfang fand ich auch die Nutzung von altertümlichen Worten bei Sunmi noch sehr charmant, aber ich Laufe des Buches nutzt sie dann einfach nur irgendwelche Neuschöpfungen an Wörtern, die nur merkwürdig sind und die dann auch auf die Sprache im Kopf von Claudia Aebischer überspringen. Vermutlich wurde das mit einem bestimmten Ziel vom Autor so gemacht, aber bei mir war das leider ein zusätzlicher Negativpunkt. Außerdem gibt es viele unlogische Kleinigkeiten und Absurditäten, die dann einfach zu vielen Fragezeichen und lauten "WARUM???"-Ausrufen meinerseits beim Lesen geführt haben.
Nordkorea ist für mich fast Terra inkognita. Natürlich kenne ich grundsätzliche Daten und Bilder, doch es ist fern und fremd. Ich bin mir auch nicht sicher, ob dieses Buch etwas zur Erhellung beigetragen hat, obwohl, ich habe beim lesen des schmalen Romans einige Dinge nachgeschlagen, als o auf jeden Fall etwas gelernt. Die Geschichte ist nicht sehr komplex, auch wenn man das denken könnte. Die deutsche Hauptfigur wirkt sehr naiv und früh kann man ahnen, dass die junge koreanische Frau, die etwas opernhaftes, wie das ganze Land an sich hat im Inneren sehr systemtreu und traditionell ist. Sie möchte weltoffenes wirken, und die verliebte Deutsche möchte die Freiheitsliebe darin sehen. Doch es strömt aus jedem Satz die Überheblichkeit der Unkenntnis der anderen Lebensweise. Das Buch liest sich gut und hat mir auch gefallen.
„Menschen, die kapituliert haben, flüchten sich in Romanzen“. Zu dem Schluss kommt Sunmi, nordkoreanische Dolmetscherin und eine der Protagonistinnen des Romans „Eine Liebe in Pjöngjang“ von Andreas Stichmann. Wie kommt es zu der Liebe zwischen einer jungen nordkoreanischen Frau und einer fünfzigjährigen deutschen Intellektuellen? Die Aussicht auf eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in einem noch ungewöhnlicheren Setting hat mich zu dem Roman greifen lassen. Übrigens, ein Kandidat auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2022.
Claudia Aebischer, 50, Präsidentin des Verbandes europäischer Bibliotheken, international angesehene Intellektuelle, reist gemeinsam mit einer Delegation nach Nordkorea, um eine deutsche Bibliothek zu eröffnen. Es ist nicht ihr erster Aufenthalt in dem Land, sie weiß, was man besser tun bzw. lassen soll, sie beherrscht Kyŏksul, hat über diese nordkoreanische Kampfkunst sogar ein Buch geschrieben und fühlt sich mit ihren Jugend-Erfahrungen aus der ehemaligen DDR gut auf die asiatische Diktatur vorbereitet. Im Gegensatz zu ihren Mitreisenden bleibt sie entspannt, als es kein Handynetz mehr gibt und sie die hellen, modernen Städte Chinas hinter sich lassen.
Was das Setting betrifft, war ich von Anfang an nicht enttäuscht. Stichmann, der selbst Nordkorea besucht hat, konnte mit wenigen Bemerkungen die unheimliche, bedrückte Atmosphäre wiedergeben. So erfährt man, dass Reisepässe abgeben werden müssen, Touristen heimlich überwacht werden und von ihnen eine kritiklose Akzeptanz des Gastlandes erwartet wird. Der Unrechtsstaat bleibt die meiste Zeit als drohende Kulisse im Hintergrund, wird nur hin und wieder mit einer Bemerkung oder Vorausdeutung, z.B. über Mitreisende, die unangekündigt abreisen, ins Bewusstsein gerückt. Das sorgt für eine bedrohliche Stimmung und die Leserin nicht vergessen, dass die Liebe in Pjöngjang, also in einer Diktatur angesiedelt ist.
Der Fokus liegt auf den beiden Frauenfiguren und ihrer Beziehung. Claudia, so selbstbewusst sie auf ihre Mitreisenden wirkt, hält ihr Leben - zumindest nach eigenen Maßstäben - für misslungen. Ihre Stellung als Präsidentin des Bibliothekenverbandes ist ihr nicht besonders wichtig. Sie misst ihren Erfolg an ihren schriftstellerischen Leistungen. Und da hat sie das eine Buch noch nicht geschrieben, das sie gerne schreiben möchte, hält sie ihre Karriere für gescheitert. Privates Glück hat sie ebenfalls nicht vorzuweisen, sie lebt allein, hat keine Familie. Innerlich bereitet sie sich schon resigniert auf ihre Rente vor und fragt sich, wie sie die Zeit ausfüllen soll.
Claudia Aebischer ist eine wunderbare Protagonistin. Sie ist nicht nur sympathisch (Ja, ich mag Protagonisten, mit denen ich mit identifizieren kann.), sondern auch lebendig, glaubwürdig dargestellt, verfügt über Empathie, Humor und Neugierde. Sunmi wirkt in ihrer Rolle natürlich ambivalenter, aber nicht unsympathisch. Sie ist hochintelligent, beherrscht mehrere Sprache, arbeitet für das das staatliche Tourismus-Büro - und für den Geheimdienst. Ihre harte Kindheit hat sie nur knapp überlebt, bekam als Hochbegabte jedoch die Chance auf eine Ausbildung in der Hauptstadt. Nach Abschluss ihres Studiums war sie jedoch gezwungen, ihren weitaus älteren Deutsch-Professor Wi, einen Kriegsinvaliden, zu heiraten.
Schon bei der ersten Begegnung fühlt sich Claudia zu der jungen Frau hingezogen und auch Sunmi findet Claudia Aebischer faszinierend. Problematisch ist diese Beziehung von Anfang an dadurch, dass Sunmi vom Geheimdienst den Auftrag erhalten hat, Claudia näherzukommen und sie zu manipulieren. Keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Liebe, aber für einen spannenden Plot!
Spannend wird die Geschichte auch durch die Erzählweise, denn sie wird aus der Perspektive der beiden Frauen erzählt. Obwohl die unterschiedlicher nicht sein könnten, sind die Übergänge zwischen den Perspektiven so fließend, dass es manchmal schwer ist, festzustellen, in wessen Kopf man sich als Leserin gerade befindet. Wer verfügt über welche Information? Wird gerade manipuliert oder wissen beide Bescheid? Die einzelnen Episoden wirken darum manchmal unverbunden, fragmentarisch und es ist nicht einfach, der Handlung zu folgen.
Was den Text jedoch zusammenhält, sind die Bezüge zur Romantik. Stichmann spielt im gesamten Roman mit den Motiven der romantischen Literatur. Manches ist offensichtlich „romantisch“. Sunmi hat eine Doktorarbeit über die europäische Romantik geschrieben, Claudia schickt ihr die Werke von E.T.A. Hoffmann, Eichendorff, Tieck und Karoline von Günderode aufs Zimmer, beide einigen sich darauf, die neue Bibliothek „Die Blaue Bibliothek“ zu nennen. Beide kommen über die Doktorarbeit auf die Schlegelsche Universalpoesie zu sprechen, kommen sich über den Austausch von Gefühlen und Gedanken näher.
Manches romantische Motiv erschließt sich auf den zweiten Blick und muss entdeckt werden. Auf den ersten Blick wirkt es her befremdlich, wenn Sunim auf einer Party denkt, Claudia sei eine „Wassernymphe mit einem grünen Wassernymphengetränk in der Hand“ (S. 57) Doch hier deutet sich mit einer romantischen Metapher schon die Verführung an, die sich in Sauna und Spa (also im Element Wasser) fortsetzt. Die sprachlichen Bilder sind manchmal lustig wie der Nixencocktail, manchmal gewöhnungsbedürftig, z.B. wenn der Text nicht von Augen, sondern von „Guckbällen“ redet oder einfach zu viel des Guten, wenn die „Abendsonne […] durch die hochblättrigen Fichten [rätselte]“ (S. 40). Oder ist das romantische Ironie?
Die Liebe der beiden Frauen wird jedenfalls auch auf „romantische“ Art und Weise geschildert: zurückhaltend, in Andeutungen. Mir selbst war diese Beziehung ein wenig zu zart, zu intellektuell-unterkühlt und zurückgenommen, zu wenig intensiv für die Folgen, die sich letztlich daraus ergeben. Mir haben die Sprache und die Bilder insgesamt sehr gut gefallen. Der Rückgriff auf die Romantik, mit dem er das Unverständliche in dieser Beziehung, aber auch das kreativ Verbindende darstellen konnte, war eine gelungene Überraschung und eine ziemliche Herausforderung für mein genaues Lesen.
Zuletzt ist der Roman auch die Geschichte einer Reise in mehrfacher Hinsicht: in ein brutales Land, einen fremden Kulturkreis und schließlich ins eigene Ich. Und auch darin sehr romantisch.
Interessanter kurzer Roman über eine deutsche Bibliothekarin, die nach Nordkorea reist um eine deutschsprachige Bibliothek zu eröffnen und sich in die Dolmetscherin verliebt. Kurzweilige, gut geschriebene Geschichte, die Sozialismus-Erfahrungen mit einander vergleicht. DDR vs. Nordkorea Heute. Wie viel Wahrheit darin steckt ist spannend. Guter Einstieg ins neue Jahr und ein guter Buchpreisnominee 2022.
Sprachlich desöfteren gar nicht mein Fall -- der Grad zwischen Stilbewusstsein und Stilblüte ist schmal, manche werden also genau diese manchmal eher poetisch-humorvolle als stimmig-präzise Sprache lieben -- aber guter Stoff, faszinierendes Setting, glaubhafte Figurenpsychologie und eine in meinen Augen gelungene, doppelbödige Reflexion über Literatur und Aneignung des Fremden. Am Ende hat mich die Lektüre auch berührt, und ich bin sicher, dass ich mich noch in Jahren an die spezifische Stimmung dieses Romans (dieser Novelle?) erinnern werde.
Gut, dass es kurz war. Ich empfand es als sehr spröde und langatmig, obwohl es sicher Potenzial gehabt hätte. Ich konnte mich sehr schlecht darauf konzentrieren und bin ständig abgeschweift. Schade.
Es war insgesamt ein positives Leseerlebnis. Schön kurz, angenehmer Schreibstil, Story mit Drive und gutem Spannungsbogen und teilweise gelungenen humorvollen Passagen. Warum „nur“ 3 Sterne? Was mir gefehlt hat, war eine nachvollziehbare konsequente Grundstimmung, eine Atmosphäre, es wirkte ein bisschen unentschlossen auf mich, was es eigentlich sein will, eine Liebesgeschichte, ein Thriller, eine Satire auf die Auswüchse in einem bürokratischen Überwachungsstaat? Es ist von allem ein bisschen was, aber gut und schnell lesbar, viel bleibt allerdings nicht zurück, dazu bleiben mir die Protagonisten etwas zu sehr auf Distanz.
Es war,,,,,ok??? Ich habe das Gefühl einer meiner häufigen Kritikpunkte für die Buchpreisnominierten ist, dass sie so kurz sind haha aber hier hat es schon besser gepasst als z.B Kangal. Habe mich aber trotzdem ein bisschen,,,idk,,queerbaited gefühlt, da es hier nicht wirklich um eine Liebesgeschichte geht aber vielleicht waren meine Erwartungen auch nur falsch angesetzt :( Es war nicht schlecht oder besonders gut es war…ok
Wortgewaltig, schnelllebig, fesselnd: "Eine Liebe in Pjöngjang" war mehr, als ich von dem dünnen Büchlein erwartet hätte. In der Buchhandlung hatte ich es immer wieder in der Hand, ohne es jemals mitzunehmen, und jetzt, nach der Buchpreis-Nominierung, befand ich, es sei endlich an der Zeit mal nachzusehen, was der schlanke Roman so zu bieten hat. Die Antwort: Einiges!
Dass ich etwas für Literatur aus Konfliktregionen (und Konfliktregionen im Allgemeinen) übrig habe, ist wirklich kein Geheimnis mehr. Und so fasziniert mich auch Nordkorea seit jeher, ich habe jeden Dokumentarfilm gesehen, jeden Reisebericht gelesen, und kann trotzdem sagen: Andreas Stichmanns Roman hat mich überrascht. Überrascht mit seiner Zartheit, mit der unwahrscheinlichen Liebe zwischen zwei Frauen, die auf unterschiedliche Weise von sozialistischen Regimen geprägt wurden, und nicht zuletzt mit dieser Frauen fast innigem Blick auf eine repressive und brutale Politik, die, entgegen westlicher Erwartungen, eben auch warme Heimatgefühle auslösen kann.
Der Roman ist kurz, seine bildhafte Sprache poetisch, manchmal aber auch überfrachtet, schlicht zu viel. Die Figuren bleiben an vielen Stellen undurchsichtig, was zwar ins Setting und zur Erzählung passt, aber auch dafür sorgt, dass man als Leser*in weitestgehend emotional unberührt bleibt. Trotzdem: "Eine Liebe in Pjöngjang" ist zwei Nachmittage Lesefreude wert, allein schon, weil "deutsche Frau verliebt sich in nordkoreanische Fremdenführerin" eine Geschichte ist, die bisher noch nicht erzählt wurde, ihren Platz in dieser Welt aber zweifelsohne verdient hat. 3.5/5 Sternen. Wer an kurzen, poetischen Erzählungen Freude hat, kommt hier bestimmt auf seine Kosten.
Vielen Dank an den Rowohltverlag für das E-Book als Rezensionsexemplar.
Hmm... Das war ganz nett, aber generell doch irgendwie sehr oberflächlich. So wirklich mit den Charakteren fühlen konnte ich nicht, ich hatte mir irgendwie etwas mehr Auseinandersetzung mit Nordkorea as Land erhofft, besonders von Claudia...
Sehr interessant fand ich allerdings Sunmi's Doktorarbeit, dass sie sich ausgerechnet für die Romantik (Novalis, Tieck) interessiert und dann diese wilde Doktorarbeit geschrieben hat... Aber da bin ich ja sowieso generell ein großer Fan von, wenn in Büchern über Literatur und das Schreiben geschrieben wird und das irgendwie verhandelt wird. Und im Kontext von Autokratien ist das natürlich nochmal interssanter.
Trotzdem konnte mich die Geschichte im Ganzen nicht so überzeugen... Ich fand es auch irgendwie komisch, dass Sunmi am Ende Lange dauern tut die Lektüre aber nicht, es lässt sich auch eigentlich gut lesen - also wenn die Prämisse interessant klingt, finde ich, kann man dem Buch trotzdem eine Chance geben. Nur nicht zu viel erwarten.
Eine Erzählung in der die Gleichgeschlechtliche Liebe eher nebensächtlich und gefährlich wird für die Handlung: 85s in Nordkorea und eine Deutsche Athletin, die mit den Gefühlen zu Sumni kämpft und die Situation westlich reflektiert. Sumni hatte ein schlimmes Leben, ist hochbegabt und hat eine östliche Sicht auf die Dinge... Die Gespräche zwischen Sumni und Claudia waren einfach erfrischend und mehrschichtig. Mega schön geschrieben! In so wenigen Seiten steckt so viel an sozialen, historischen, philosophischen Diskussionen und eine wunderschöne lesbische Erfahrungsreise in Pjönjang... Meine kleine queere Seele war zwischndurch Feuer und Flamme: Als Film wäre das hier sehr sapio-sexy-mexy!....
Dr. Claudia Aebischer, erfolgreiche Autorin erzählender Sachbücher, begleitet eine Delegation Kulturschaffender nach Pjöngjang zur Eröffnung einer Deutschen Bibliothek. Claudia, eine erfahrene, ergraute Aktivistin für das Bibliothekswesen, hat ihren Teilnehmern genau 4 Monate Nord-Korea-Erfahrung voraus. Sie ist jedoch in der DDR aufgewachsen; Strukturen totalitärer Staaten sollten ihr nicht fremd sein. Pjöngjang riecht für Claudia so vertraut wie die Braunkohle-Dünste der DDR. Ihre Reisegruppe besteht zum großen Teil aus Berliner Journalisten, aber auch aus jungen, hippen Existenzgründern. An ihrem Zugfenster wird an Claudia im entgegenkommenden Zug eine bemerkenswert schöne Koreanerin vorbeigefahren. Die Zuteilung eben dieser gutaussehenden Dolmetscherin für die deutsche Gruppe könnte noch verblüffen, Claudia sollte allerdings nicht überrascht sein, dass achtsprachige promovierte Dolmetscher wie Sunmi als Agenten des DVRK (Komitee für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik Korea) ausgebildet sind.
Die Deutschen wirken in der fremden Umgebung angespannt, messen ihre Nordkorea-Klischees an der Realität und Claudia müht sich, die Erwartungen beider Seiten zu erfüllen. Da in bestimmten Staaten Offensichtliches nicht ausgesprochen werden darf, könnte Claudia an ihren Erlebnissen durchaus Zweifel entwickeln. Den Rückblick in Sunmis Kindheit 20 Jahre zuvor hätte ich mir ebenso gut als Romanentwurf vorstellen können, mit dem Claudia sich von Kulturaustausch-Geschwafel und Touristen-Bespaßung ablenkt. Als ein Grummeln des Vulkans Paektusan den einheimischen Tourismus gefährden könnte, reist die Gruppe ab. Claudia bleibt zurück, weil das Gastgeberland von ihr eine Rede erwartet, um die ausländische Presse zu beschwichtigen. Was geschieht, wenn eine nordkoreanische Frau als „umschmeichelnder Begleitservice“ für eine ältere Deutsche eingesetzt wird, ist der groteskeske Plot, den ich in diesem Jahr gelesen habe. Der Roman lebt vom Kulturschock der Reisegruppe und von der absurden wie romantischen Beziehung der beiden Frauen. Mit Sunmis skurriler Wortwahl, die aus einem veralteten Deutschlehrbuch zu stammen scheint, habe ich mich ebenso amüsiert wie über die erzählerische Doppelbödigkeit, mit der Stichmann beschreibt, was zu sehen ist, ohne unbedingt zu erklären, was das Gesehene bedeutet.
Wer DDR-Erfahrungen hat oder wem die Region an der nordchinesischen Grenze vertraut ist, wird sich köstlich amüsieren. Ein sehr deutscher Stoff, der verdient auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022 steht.
Ich hatte bereits im Literatur-Podcast Laxbrunch von Andreas Stichmanns Roman "Eine Liebe in Pjöngjang" gehört, als ich ihn zufällig in der Bücherei entdeckt habe. Vor allem waren es meine Faszination für Nordkorea, mein Interesse an queeren Liebesgeschichten und die überschaubare Länge des Romans, die mich zur Ausleihe motiviert haben. Nach dem Lesen habe ich die am 29.03.22 erschienene Laxbrunch-Folge, in der der Roman besprochen wurde, nochmal nachgehört, und selten sind die Meinungen der beiden Podcast-Hosts so stark auseinandergegangen.
Mir persönlich hat "Eine Liebe in Pjöngjang" gut gefallen. Es geht um eine 50-jährige Deutsche, die mit einer Gruppe von Kulturschaffenden zur Eröffnung der Deutschen Bibliothek in Pjöngjang reist, und eine deutlich jüngere Nordkoreanerin, die nicht nur als Dolmetscherin fungiert, beide auf ihre Art einsam. Noch viel mehr geht es aber um den Einfluss von Kultur, von Ideologie auf unser Leben, um die Grenzen unseres Vorstellungsvermögens, um Fremdheit und um Gleichheit, um das, was uns verbindet, und das, was uns trennt.
Bei den etwas erotischeren Momenten zwischen den beiden Frauen ist mir nicht aus dem Kopf gegangen, dass das Buch von einem Mann geschrieben wurde, obwohl Stichmann das eigentlich nicht schlecht gemacht hat. Zwischendurch wurde es aber super kitschig. Über den Stil kann man sich (wie in der Laxbrunch-Folge deutlich wird) streiten. Mich hat er weder gestört noch besonders beeindruckt. Die Geschichte hat mich so sehr mitgerissen, dass ich den Roman innerhalb eines einzigen gemütlichen Abends zu Hause vollständig durchgelesen habe. Ich vermute aber, dass ich sie fast ebenso schnell wieder vergesse.
Ein westdeutscher Autor schreibt über die Beziehung einer älteren, in der DDR sozialisierten Deutschen und einer jüngeren Nordkoreanerin. Dass Autor:innen ausschließlich über eigene Erfahrungen und aus ihrem eigenen (historischen) Blickwinkel schreiben müssen, finde ich ganz und gar nicht. Literatur ist frei: Männer können über Frauen schreiben und Deutsche über Nordkoreaner. Sich in die Körper und Köpfe anderer Menschen hineinzufühlen und zudenken, das ist doch gerade Literatur. Aber in diesem Roman ist Nordkorea schlicht eine Projektionsfläche. Wie wäre es wohl nicht in Berlin zu wohnen, sondern in Pjöngjang? Ach, wie gruselig, gruselig. Eine exotische Diktatur, so schaurig. Kurz: Der Roman bedient das Klischee, das der Westen von östlichen Diktaturen gezeichnet hat. Als ich las, dass der Autor bereits über den Iran geschrieben hat, musste ich laut auflachen. Worüber schreibt Stichman als nächstes? Eritrea? Ärgerlich ist es, dass "Eine Liebe in Pjönjang" für den Deutschen Buchpreis gelonglistet wurde. Mehr als ärgerlich, denn die Dämonisierung von feindlichen Staaten kann einer gefährlichen Kriegstreiberei dienen. Dies geschieht häufig mit den Werken von Dissidentenschriftsteller:innen, die gegen die schreiende Ungerechtigkeit und Unterdrückung durch Ihre Staaten anschreiben und dann für die Legitimation imperialistischer Politik missbraucht werden. In diesem Fall handelt es sich jedoch um einen Pseudo-Dissidentenroman, der sich nicht gegen die schreiende Ungerechtigkeit und Unterdrückung durch den eigenen Staat wendet, sondern ganz im Gegenteil sich politisch auf Seiten des eigenen Staates stellt. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, welche Romane Stichmann schreiben würde, wäre er ein nordkoreanischer Autor. Kim Jong Il- Hagiographien?
Als Teil einer deutschen Delegation reist Claudia nach Nordkorea, um dort der Eröffnung einer Deutschen Bibliothek beizuwohnen. Sie kam für die Kultur und blieb für die Liebe, denn sie begegnet Sunmi- einer studierten Germanistin und Agentin des DRVK.
Leider merkt man in absolut jeder Zeile, dass das Buch von einem Mann geschrieben wurde. Ich meine es nicht einmal unbedingt abschätzig, aber ich frage mich doch, warum der Autor sich für die weibliche Perspektive entschieden hat. Für mein Empfinden wurden patriachale Strukturen nicht bzw. nicht ausreichend behandelt, die diese Wahl begründen würden. Klar, Sunmi ist mit einem viel älteren Mann aus allen möglichen Gründen, aber nicht der Liebe, verheiratet, der unbedingt Kinder zeugen will und nicht einmal im Traum daran denken würde, dem Vaterland den Rücken zu kehren. Aber reicht das aus? Für mich nicht. Es hätte 1 zu 1 ein Mann sein können. Ich hätte diese Perspektive speziell in dieser Geschichte vielleicht sogar noch spannender, auf jeden Fall aber überzeugender gefunden. So blieb es für mich nur ein Kratzen an der Oberfläche.
Gerne hätte ich noch mehr Eindrücke des täglichen Lebens in Nordkorea erhalten - gerade weil der Autor selbst bereits dort war. Ein paar mehr persönliche Erfahrungen und Eindrücke und weniger Nüchternheit hätten dieser Geschichte durchaus gut getan.
… hat es auf die #longlist2022 geschafft. Warum, ist mir ein Rätsel. Die Sprache reicht von poetisch bis gewöhnlich:
„In einer Affenanstrengung streifte der Mond eine Wolke ab, um ihnen zuzusehen.“ (Tolino S. 81)
Möchtet ihr noch ein Beispiel?
„Bald zogen sich rote Striemen über das Fleisch, unter dem sich drachenhaft die Wirbelsäule versteckte. Es war eine Wellnessmassage von unzeitgemäßer Härte. Der Wind feuerte sie kalt und heiß an. In Claudias ausgestreckter Tatze steckte die Schnapsflasche. (Tolino S. 83)
Hmmm … Nicht mein Geschmack von Poesie.
Aber worum geht es überhaupt?
Die 50-jährige Claudia Aebischer reist mit einer Delegation nach Pjöngjang um dort an den Feierlichkeiten, der Eröffnung einer Deutschen Bibliothek, teilzunehmen. Diese Reise soll ihre Letzte sein, anschließend möchte sie sich zur Ruhe setzen. Dort angekommen, trifft sie auf Sumni, Germanistin, Dolmetscherin und Agentin der DVRK und verliebt sich in sie. Zwei grundverschiedene Kulturen, die aufeinander treffen. Ob diese Liebe bestehen kann, müsst ihr selber herausfinden.
Von mir gibt es 2/ 5 Sterne und auch nur deshalb, weil der Autor die karge, distanzierte und empathielose Stimmung einfangen konnte, die in Nordkorea herrscht.
Now this is a story to my liking: 'A Love Affair in Pyongyang' (Rowohlt, 2022) by Andreas Stichmann (the novel was also short listed for the 2022 German book prize).
A cute and nerdy love story between a 50ish German and a much younger North Korean woman set in North Korea (woke side note: is it time yet for a rainbow shelf in my pretentiously curated library?!).
The setting sounds like a cliché mine field: the fake attractions, labour camps, the Leader madness and sure enough there's some of this but there's also an attempt at a more complex and sensitive look at what's left once you strip the DPRK of its dictatorship kitsch - human beings and the human condition 💔
Side note - I had a good laugh at some of the reviews; like never before in 2022 ze Germans (re) discovered their very own version of global moral superiority best expressed in Germany's farce of a 'human rights based foreign policy' and I have come across reviews that expressed their concern re the book not sufficiently pointing out the authoritarian nature and systematic human rights abuses of the DPRK! It seems our art must be like our foreign policy: staunchly pro western and, hence, pro democracy! The west has a lot to learn from the DPRKs of the world on how to ensure that art toes the party line!
„eine Liebe in Pjöngjang“, geschrieben von Andreas Stichmann und nominiert für den deutschen Buchpreis 2022 ist ein kurzer Roman über eine gleichgeschlechtliche Liebe in Nordkorea, über zwei kulturpolitisch so verschieden sozialisierte Frauen und ihre Berührungspunkte. Darüber hinaus beschäftigt sich das Buch thematisch mit der Aneignung des Fremden, mit Sprache und kulturellen Disparitäten.
Ich fand es sehr schön, durch diesen Roman in eine mir bisher eher fremde Welt eintauchen zu dürfen, genau dafür lese ich so gerne. Mir hat der Wechsel in den Sprachgewohnheiten der Protagonistinnen sehr gefallen, trotzdem muss ich sagen, dass der Autor auch an einigen Stellen sprachlich nicht meinen Geschmack getroffen hat. Ich hätte mir teils mehr Tiefe, mehr Poesie und gleichzeitig weniger Klischees gewünscht. Nichtsdestotrotz habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen und hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn es doppelt so lang gewesen wäre.
*Ich bedanke mich beim Rowohlt Verlag für das kostenlose Bereitstellens dieses Rezensionsexemplares über netgalley.de
Dieses Buch ist eine Zumutung: ein schwülstiger Lesben-Porno, geschrieben von einem Mann. Peinlich. Herr Stichmann hat mit anderen von ihm verfassten „Ergüssen“ doch bereits Literaturpreise gewonnen, zum Beispiel für „Das große Leuchten“. Und jetzt das. Zum Fremdschämen. Sauna-Erotik, ein Mann mit einem „Gewürm“ als Geschlechtsteil…ich erspare uns weitere Beispiele. Und sonst, abgesehen von der mehr als peinlichen interkulturellen Pornografie? Sprachakrobatik mit Sprachbrüchen. Artifizielle Anwendung der deutschen Sprache und Grammatik. Konstruktionen folgender Art: (S. 39) „Claudia Aebischer knickte den Schwanenhals des Pultmikrofons dezent nach oben. Äugeln vieler Äuglein im Licht der Sonne. Sie sah sich gesehen“ Oder Neologismen wie „sie blinxten und sphinxten zu ihr hoch“ Aber natürlich kann der werte Herr Autor auch niedriges Sprachniveau, auf S. 65 zum Beispiel: „Der Vulkan Paektusan stresse den Planeten, laberte der junge Mitarbeiter des Bibliotheksverbandes am Telefon“ usw usw. Handlung? Unmotiviert und unlogisch. Schade um das Papier, auf das mein Exemplar gedruckt wurde.
Das Buch hat mich verblüfft, leider allerdings nicht auf positive Weise. Die Geschichte fing zwar gut an, aber schafft es nicht Grenzen zu durchbrechen. Zudem fühlte es sich an, als würde es sich den vorgegebenen Klischees bedienen, die es über Nordkorea gibt. Leider konnte mich die Liebe in keiner Weise überzeugen oder berühren, ich habe mich eher gefragt, woher überhaupt die Zuneigung zwischen den beiden herrühren sollte? Ich muss natürlich auch hinzufügen, dass ich koreanische Wurzeln habe, daher empfand ich das Buch noch merkwürdiger als es wahrscheinlich tatsächlich ist. Sunmi war außerdem im Vergleich zu Claudia Aebischer zu zweidimensional und plump. Insgesamt war die Geschichte nur OK, schade, dass es mich nicht überzeugen konnte, obwohl die Idee an sich sehr interessant ist.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
In einem nüchternen Schreibstil, fast schon Bericht artig, lässt der Autor zwei Welten aufeinandertreffen - die westliche Welt und Nordkorea. Herausragend lässt er die systemgetreue Koreanerin Sunmi auf die in der DDR aufgewachsene Claudia Ansichten austauschen, näher kommen und sich auch wieder durch alte Gewohnheiten distanzieren. Pointiert nutzt Stichmann dabei eine teils veraltete, Propaganda artige Sprache, die einmal mehr über einen Satz nachdenken lässt. Eine der wenigen Lektüren, die ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal lesen möchte!
Ich bin häufiger über den Schreibstil gestolpert, ganz konnte er mich nicht überzeugen. Inhaltlich fehlte mir auch etwas. Ja, es steht vieles zwischen den Zeilen, aber irgendwie reichte mir das nicht. Die Stimmung kam auf, aber ansonsten war der Roman eher solala.
Der Einblick in eine in sich geschlossene Welt, in eine hoch politisierte (und militarisierte) Gesellschaft und wie der Funke einer aufkeimenden Liebe Möglichkeiten für ein anderes Leben eröffnet. Ob sie genutzt wird oder nicht, findet es heraus! Sehr lesenswert.