»Pass dich an, dann überlebst du«, bekommt der elfjährige Arthur Goldau zu hören, als ihn seine Mutter im Herbst 1963 im Klosterinternat hoch in den Schweizer Bergen abliefert. Hier, wo schon im September der Schnee fällt und einmal im Jahr die österreichische Exkaiserin Zita zu Besuch kommt, wird er zum »Zögling 230« und lernt, was schon Generationen vor ihm lernten.
Doch das riesige Gemäuer, in dem die Zeit nicht zu vergehen, sondern ewig zu kreisen scheint, birgt ein Geheimnis: Ein immens wertvoller Diamant aus der Krone der Habsburger soll seit dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie im Jahr 1918 hier versteckt sein. Während Arthur mit seinen Freunden der Spur des Diamanten folgt, die tief in die Katakomben des Klosters und der Geschichte reicht, bricht um ihn herum die alte Welt zusammen. Rose, das Dorfmädchen mit der Zahnlücke, führt Arthur in die Liebe ein, und durch die Flure weht Bob Dylans »The Times They Are a-Changinʼ«.
Arthur kommt in das Kloster-Internat, in dem laut seiner extravaganten Mutter der titelgebende, verschollene Rote Diamant versteckt ist.
Der Roman schildert in einem Strang das Aufwachsen von Arthur und seinen Kameraden in der kargen Welt des Klosters. In einem anderen Strang geht es um die abenteuerliche Suche nach dem Diamanten. Dabei greift alles ineinander. Jedes Detail hat eine Bedeutung. Es ist eine hochintelligente Konstruktion.
Das Buch ist in einer zeitlosen, mitunter humorvollen Sprache geschrieben. Ein großer, spannender Spaß.
Hier habe ich die Fabulierlust eines meiner Herzensbücher wiedergefunden: Baudolino. Gerade gegen Ende dreht Hürlimann ähnlich frei, wie Eco. Es wird immer wahnhafter und mystischer. Wobei das Setting und die Stimmung des benediktinischen Klosterinternats ehr zu Der Name der Rose passt. Dazu gesellt sich eine Prise Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Desweiteren entwickelt sich die Suche nach dem roten Diamant immer mehr in ein Indiana Jones Abenteuer. Abgerundet wird das ganze mit viel Humor und Katholizismus "... eine Vase bringt keine Blumen hervor, man kann nicht Dichter sein und katholisch." Was Katholizismus in diesem Kloster mit Schnitzelessen zu hat, warum vorenthaltende Schnitzel zu einem Aufstand führen, warum Äpfel höchst unkatholisch sind und wer noch keine abgefrorenen Zehen hat, das erfahrt Ihr, wenn Ihr dieses Buch lest. Hürlimann entwirft ganz eigenwillige, großartige Charaktere. Das Buch ist ein riesen Spass!
Toll! Ein skuril komischer Internatsroman und eine Abrechnung mit dem lieblosen System der Klosterschulen der Vergangenheit. Der Roman spielt in den sechziger Jahren, aber es braucht schon die vielen eingestreuten Pop-Zitate von ausserhalb der Klostermauern um das zu spüren, denn Handlung und Sprache passen eher ins 19. Jahrhundert oder gar in die das mittelalterliche Kloster aus der Name der Rose.
Umberto Ecos „Name der Rose“ in der Schweiz, hinreissend erzählt mit unglaublichem Sprachgeschick, einer grandiosen Fabulierungsgabe und viel Witz trotz allgegenwärtiger Tristesse. Eine vielschichtige Mischung aus Internatsroman, Enigma-Krimi und Parabel über den Lauf der Zeit, die Vergänglichkeit und den Niedergang des Katholizismus. Ein literarischer Hochgenuss und mehr als würdiger Kandidat für den Schweizer Buchpreis 2022!
Auf dem Titelbild ein expressionistisches Einsiedeln - und genau das ist das Buch. Die Geschichte eines Jungen, (Arthur Goldau, was ist denn das für ein Namen?), in einer surrealen Klosterschule.
Die Zeit soll sich im Kloster im Kreise drehen, Vergangenheit mit Zukunft gleichbedeutend sein, und doch geschehen einmalige Ereignisse und die Geschichte der Schule kann zurückverfolgt werden.
Individualismus soll im Kloster verdammt sein, doch entwickeln all die Jungs ihre eigene Identität, stehlen sich davon, bezeichnen sich mit Spitznamen, Rauchen, Vergnügen sich mit den Mädchen im Dorf, und haben verbotene Magazine, doch wer fliegt als erster aus dem Kloster; Derjenige, der den Uhrenbruder zur falschen Zeit besucht hat.
An diesem Punkt rennt wohl eine Ziegenstampede durch meine Rezension und eine Klospülung rauscht wohl auch noch.
Dann wäre da eine schamlose Parodie zur Revolution zum Kommunismus (Alle schreien "Hunger" und eine Vietcong Fahne wird gehisst) angezettelt durch, wer hätte es gedacht, Lenin.
Und dann erst solche Ausdrücke wie: "Wunder kann er nicht erkennen, als Naturwissenschaftler". Viel Respekt vor den Naturwissenschaften scheint Hürlimann nicht zu haben, und viel Verständnis wohl auch nicht: Eine völlig falsche, mit einer Atombombe über-dramatisierte Version von Schrödingers Katze, die aber das Konzept dahinter mit Füssen tritt. Eine Blinddarmentzündung als ansteckende Krankheit. Ein Physiker, der behauptet eine Dissertation über den "Welle-Quanten-Dualismus" (Es heisst "Welle-Teilchen-Dualismus", von mir aus auch "Quanten-Teilchen-Dualismus", aber sicher nicht "Welle-Quanten-Dualismus"!) geschrieben zu haben.
Und schlussendlich haben wir noch etliche Anspielungen auf die Bibel: Die heilige Dreifaltigkeit, die hier aber nicht so heilig erscheint, der Garten Eden, die "Bücherarche" und so weiter...
Und da war dann noch die Idee des Steins der Weisen, des heiligen Grals im Mantel des roten Diamanten, der vollumfangen personifiziert wird. Die Jungs suchen ihn die ganze Zeit, finden ihn. Dann explodiert er, scheint aber doch noch ganz zu sein und schliesslich endet er in der Tasche der Mutter von Arth, Entschuldigung Arthur Goldau.
Kurz gesagt: Das Buch vereinigt viele religiöse, marxistische, nationalsozialistische pseudowissenschaftliche, existentialistische, metaphysische, sagenhafte, historische, psychologische Elemente in einem aberwitzigen Rahmen einer Bande pubertierenden Jungs in einem altehrwürdigen Kloster... Der Erzählstil erinnert an einen Drogenrausch: sprunghaft, surreal, expressionistisch und impressionistisch zugleich.
Die erste Hälfte des Buches war interessant und spannend. Aber dann wurde es nur noch langatmig und skurril. In einem Schweizer Kloster (Maria Schnee) wird der Ich-Erzähler im Jahr 1963 in die Klosterschule eingeschult. Seit Jahren hält sich ein Gerücht, dass in den Mauern ein roter Diamant versteckt sei. Wie so viele Klassen vorher versucht auch die neue Gemeinschaft dem Diamant auf die Spur zu kommen. Dies zieht sich über mehrere Jahre hin und selbst als das Kloster schon längst verlassen ist wird die Suche von den noch lebenden Schülern erneut gestartet. Überraschendes Ende...
Mit diesem „Name der Rose“-Verschnitt in einem monströs überzeichneten Pseudo-Einsiedeln bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Die Figuren bleiben in ihren jeweiligen Plänen und Intentionen seltsam blutleer und eindimensional, und die Schatzsuche vermochte mich mit ihren historischen Versatzstücken und etwas gar plumpen Anlehnungen bei Stevenson, Indiana Jones und eben Eco auch nicht recht zu begeistern.
Da ich das Buch geschenkt bekommen habe, nahm ich es in die Hand. Nein, gelesen kann man das nicht nennen. Querbeet habe ich ein paar Dutzend Seiten gelesen und dann aufgegeben. Das kann und will ich mir nicht antun. Das ist ein Buch für Kinder, für Ulk- und Spassvögel. Das ist nun einmal Mode heute. Manche mögen dem Buch etwas Ernsthaftes andichten. So Pseudophilosophisches. Die Sprache ist durchaus als überdurchschnittlich zu werten. Aber damit hat sichs.
"The Red Diamond is a philosophical literary comedy set in a Benedictine Abbey during the second half of the twentieth century. It follows a group of teenage students as they search for the legendary red diamond, believed to be hidden in the abbey." [from: https://www.new-books-in-german.com/r...]