»Dies ist ein Buch über das Fremdsein, das äußere und das innere. Eine Erfahrung, die exemplarisch für viele Menschenschicksale ist. Es ist allen Menschen gewidmet, die irgendwo im Nirgendwo leben.« Michel Friedman
»Die Angst ist mein Lebensgefährte«
Ein Kind, voller Furcht, kommt nach Deutschland – ins Land der Mörder, die die Familien seiner Eltern ausgelöscht haben. Hier soll es Wurzeln schlagen, ein Leben aufbauen.
Das Kind staatenloser Eltern tut, was es kann. Es will Kind sein. Es will träumen. Es will leben. Doch was es auch erlebt, sind Judenhass, Rassismus und Ausgrenzung – und eine traumatisierte Kleinfamilie, die es mit Angst und Fürsorge zu ersticken droht.
Mit großem Gespür für Zwischentöne und einer kunstvoll verdichteten Sprache zeichnet Friedman das verstörende Bild der Adoleszenz in einer als fremd und gefährlich empfundenen Welt. Das berührende Kaleidoskop eines existenziellen Gefühls, das seziert werden muss, damit es die Seele nicht auffrisst.
Das Sachbuch "Fremd" von Michel Friedman besteht für mich aus vierundfünfzig autobiografischen Gedichten über das Leben mit Angst. Es ist eine für ein Sachbuch sehr ungewöhnliche und stark komprimierte Form. Die Eltern überleben die Shoah. Die Angst bleibt und geht auch über auf den Sohn. Das Leben als Jude im Land der Täter wird in einer emotionalen Form eindrucksvoll beschrieben. Es ist ein berührendes und trauriges Buch. Allerdings ist es aufgrund der Form auch sehr kurz. Ich hätte als Begleittext gerne zusätzlich die ausführliche Autobiografie gehabt. Die kommt ja vielleicht noch.
Ich würde jetzt gerne eine Biographie von Friedman lesen, aber die muss er wohl erst noch schreiben. Sehr berührend und sehr persönlich, mir hat es total gut gefallen und ich habs quasi inhaliert.
Es ist komplett unklar, ob das Buch ein autobiographischer Roman, ein Gedichtband oder ein einziges großes Gedicht ist, aber das ist auch total egal: Man muss sich einfach darauf einlassen und dann ist das eins der wunderschönsten Leseerlebnisse, die man kriegen kann. Mehrere der Kapitel haben mich zu Tränen gerührt und mir meine eigenen Fremdheitserfahrungen und -gefühle – auch wenn sie nicht die gleichen wie Michel Friedmans sind – in einer wunderbaren und brutalen Weise näher gebracht. Das sollten absolut alle lesen!
Autsch. Hat Wucht. Ich bin sehr froh, dass ich den Impuls nach diesem Buch zu greifen, als ich es auf dem Tisch gesehen habe, zugelassen habe. Persönlich, gefühlvoll, offen. Wirklich, wirklich schön und wirklich, wirklich wichtig, vor allem für deutsche Bürger.
There are few poetry books that I read in one sitting, this is one of them. In a language that at first seems simplistic but is direct as a punch to the gut this book is from the point of view of the adult child of two refugees. Our narrator feels a stranger everywhere he goes, is never at home, his only home being his very damaged holocaust survivor parents. This depicts inherited trauma very well.
There are elements of what Max Czollek criticises as "memory theatre" with Bodemann's term, but mostly this is the story of how the world treat refugees and answers my question why my students, born and raised in this country, identify more with countries they've never been to than with their home: because they're being told very early on that they are strangers.
There are individual poems that really stood out for me, like 16 and 30.
Das Buch liest sich theoretisch schnell, da der Autor nur wenige Worte nutzt. Praktisch haben diese Worte eine solche Wucht, eine solche Kraft, dass sie lange nachhallen und es einen großen Eindruck hinterlässt. Das Leid, das Gefühl des Fremdseins wird sehr eindrücklich durch die wenigen Worte. Mich hat auch die z.T. fehlende Linearität des Erzählten nicht gestört, vielmehr hat es mich beeindruckt, da bestimmte Erlebnisse, Gefühle, Gedanken einfach immer wieder auftauchen bzw. wieder in Erinnerung gerufen werden, oder die Erinnerung besonders nahe an der Oberfläche ist. Für mich ein wichtiges Werk über das schwierige Erbe des Holocaust, über die Schwierigkeit, überlebt zu haben und weiter zu leben. Auch das Thema der transgenerationalen Weitergabe von Traumata wird hier am Beispiel im Grunde deutlich, ohne so benannt zu werden. Lesenswert. Anspruchsvoll. Sicher nicht unkontrovers in Stil und Inhalt. So wie Michel Friedman auch als öffentliche Person erscheint.
Berührend und ebenso poetisch wie persönlich. Hat mich sehr ergriffen. Besondere Art von Biographie, die zudem allen einen Spiegel vorhält, die sich getrauen, reinzublicken. Schmerzhaft und wichtig.
Ich wollte dieses Buch wirklich mögen und viele Momente gefallen mir auch. Aber diese merkwürdig verkitschte Sprache war für mich sehr anstrengend zu lesen, eine Art Pseudopoesie mit schönen Soundbites. Trotzdem gibt es berührende Momente in diesem Buch, die sich zu lesen gelohnt haben.
Style-wise, I think Friedman could have been more brave. Almost all poems follow the same structure of short sentences or single words, line by line. It's not a bad choice, but personally I think he could have experimented a bit more - I think he has the abilities to do that well.
This book explicitly discusses several really triggering subjects. This is not a lighthearted read and I wouldn't even call it entertaining.
Ich hab irgendwie keine Ader dafür. Ich mag Michel Friedman, und ich hörte auf der Buchmesse, wie er aus dem Buch vorlas, da gefiel es mir. Aber beim Lesen fand ich es eher furchtbar. Komische plakative Sprache, wirkte auf mich wie die Parodie eines Gedichts.