Frankfurt, 1945: Ella Reichenbach hat zwar die Bombennächte überlebt, aber von der Verlagsbuchhandlung ihrer Eltern ist kaum etwas geblieben. Die Regale sind verheizt, die Schaufenster ohne Glas, die Bücher fort. Doch dann entdeckt sie den geheimen Papiervorrat ihrer verstorbenen Mutter, und plötzlich wendet sich das Blatt. Ella kann fortan Hunger und Not ein Ende setzen, indem sie selbst Bücher veröffentlicht. Doch die junge Verlegerin will nicht nur neue Bücher unter die Menschen bringen – sie will die Gedanken in den Köpfen der Menschen befreien ...
Julia Kröhn ist eine österreichische Romanautorin.
Kröhn studierte Geschichte, Philosophie, Theologie und Religionspädagogik. Kröhn schreibt Genreliteratur: Historische Romane, Familiensagas, romantische Fantasyliteratur, Kinder- und Jugendbücher. Für jedes Genre verwendet sie ein anderes ihrer Pseudonyme: Sophia Cronberg, Leah Cohn; Carla Federico; Katharina Till. Zu jeder ihrer Identitäten verwenden die jeweiligen Verlage ein anderes Autorenfoto.
Kröhn arbeitet außerdem als Fernsehjournalistin und wohnt mit Kind und Lebensgefährtem in Frankfurt-Nied. Für Im Land der Feuerblume erhielt sie 2010 den Corine-Publikumspreis.
„Klaras Liebe zu Büchern war beständig und tief. Bücher waren ihr kostbar. Wenn sie nach einem griff, das gerade frisch von der Buchbinderei kam, streichelte sie zärtlich den Leineneinband, und wenn sie es aufschlug, meinte man, dass sie nicht bloß mit wachem Geist die Zeilen las, nein, mit allen Sinnen schien sie das Buch in dieser Welt willkommen zu heißen. Sie labte sich am süßen Duft der Seiten und jenem leisen Knistern beim Umblättern, das in ihren Ohren wie ein himmlischer Chor klang.“
Mit einem vorprogrammierten Ohrwurm habe ich Anfang November den neuesten Roman von Julia Kröhn gelesen. Für mich war „Die Gedanken sind frei“ der erste Roman der Autorin und vom Grundsatz her, hätte dieses Buch genau meinem aktuellen Lesegeschmack entsprechen müssen, aber leider konnte das Buch mich nicht überzeugen, auch wenn sich flüssig und schnell lesen lies.
„Die Gedanken sind frei“ spielt in der Nachkriegszeit in Frankfurt am Main und erzählt die Geschichte der jungen Ella Reichenbach, die nach dem Tod der Mutter Klara die Verlagsbuchhandlung der Eltern im zerbombten Frankfurt wieder aufbauen will. Das Buch fing richtig gut aber auch traurig an, mit der Beerdigung von Ellas Mutter, ich fühlte mich als Büchermensch verstanden und freute mich aufs Weiterlesen. Doch das Hochgefühl vom Anfang lies bald nach, vermutlich hätte ich schon beim Untertitel des Buch „Eine unerhörte Liebe“ hellhörig werden sollen, denn das war letztlich mein Hauptkritikpunkt an der Geschichte, dass die Liebesgeschichte viel zu sehr im Mittelpunkt stand. Die Figuren waren mir überhaupt nicht nah, ich hätte Ella permanent schütteln können, weil sie nicht mit ihren Mitmenschen geredet hat, zumindest nicht über die wesentlichen Dinge und die Liebesgeschichte war von Anfang an zu plump und vorhersehbar und irgendwann nur noch grundkitschig und irgendwie wirkte sie sogar – wie auch das ganze Buch – auf mich sehr konstruiert.
Auch wenn Ellas Geschichte in zwei Bänden erzählt werden wird (Teil 2, der 20 Jahre später spielt, soll im Januar 2023 erscheinen) finde ich, dass die Autorin zu viele Themen auf diese gerade mal 440 Seiten gepresst hat. Mit der Nachkriegszeit, dem Wiederaufbau Frankfurts und der Verlagsbuchhandlung, dem Leben und Überleben der Juden im damaligen Frankfurter Juden-„Ghetto“ Zeilsheim und auch noch der Liebesgeschichte … da konnte keine Tiefe aufkommen. Das, was mich interessiert hätte, der Wiederaufbau der Stadt und Verlagsbuchhandlung kam mir zu kurz. Von der „Liebeserklärung an das Lesen und die Welt der Bücher“, was der Klappentext ankündigt habe ich wenig gespürt. Aber das mag an mir und meiner Leselaune in den letzten Wochen liegen.
Ich weiß, dass ich das Buch im Normalfall abgebrochen hätte, aber es hat so gut in die Bingo-Challenge gepasst, deshalb habe ich es durchgezogen, aber Teil 2 werde ich sicherlich nicht mehr lesen. Schade, ich hatte echt große Hoffnungen in das Buch gesetzt.
Andere Nachkriegsgeschichten sind sicherlich handlungstechnisch ein bisschen anspruchsvoller, aber es war schön zu lesen, und man verliert sich dann doch im Leben dieser Charaktere
Klappentext: Frankfurt, 1945: Ella Reichenbach hat zwar die Bombennächte überlebt, aber von der Verlagsbuchhandlung ihrer Eltern ist kaum etwas geblieben. Die Regale sind verheizt, die Schaufenster ohne Glas, die Bücher fort. Doch dann entdeckt sie den geheimen Papiervorrat ihrer verstorbenen Mutter, und plötzlich wendet sich das Blatt. Ella kann fortan Hunger und Not ein Ende setzen, indem sie selbst Bücher veröffentlicht. Doch die junge Verlegerin will nicht nur neue Bücher unter die Menschen bringen, sie will die Gedanken in den Köpfen der Menschen befreien.
„Die Gedanken sind frei“ ist der erste Band einer Dilogie von Julia Kröhn. Die Autorin hat mich schon mit einigen Historischen Romanen begeistert, so auch mit ihrem neusten Werk.
Am Anfang der Geschichte sind wir bei der Beerdigung von Ella Reichenbachs Mutter Klara. Klara Reichenbach war Inhaberin einer Verlagsbuchhandlung. Jetzt nach dem Krieg ist die Verlagsbuchhandlung zerstört. Doch Ella hegt den Traum die Buchhandlung und den elterlichen Verlag wieder zum Leben zu erwecken.
Die Protagonisten sind sehr gut gezeichnet. Ella ist mir sofort sympathisch gewesen. Die junge Frau ist voller Elan. Trotz der harten Zeiten lässt sie sich von ihrem Gedanken Bücher zu verlegen nicht abbringen. Als sie in der Verlagsbuchhandlung einen geheimen Papiervorrat entdeckt ist die Sache besiegelt. Ich habe Ella für ihren Mut bewundert. Viele Menschen stehen vor dem Nichts. Das Essen ist knapp und der Winter einer der kältesten den die Menschen je erlebt haben. Aber Ella weiß, die Menschen hungern und dursten auch nach geistiger Nahrung.
Auch Ari ist ein interessanter Charakter. Ihn umgibt ein Geheimnis das langsam gelüftet wird. Sein Vater ist in Frankfurt Zeilsheim in einem Lager untergebracht und einer der Überlebenden des Holocaust.
Viktor habe ich vom ersten Augenblick in mein Herz geschlossen. Auch ihm ist sehr viel Unrecht geschehen. Das Erlebte kostet auch ihn viel Kraft, er lässt sich aber nicht unterkriegen sondern steig wie Phönix aus der Asche mit neuem Lebensmut empor. Ein bemerkenswerter Charakter.
Julia Kröhn bring ihren LeserInnen das Frankfurt der Nachkriegsjahre näher. Es blutet mir manchmal das Herz wenn ich mit Ella durch Frankfurt wandle und von der Zerstörung meiner Stadt lese. Als LeserIn erfährt man sehr viel Interessantes aus der Welt der Bücher. Wie schwer es war die ersten Bücher wieder zu verlegen. Es fehlte ja überall an Material. Auch die Zeitgeschichte der Stadt Frankfurt wird sehr authentisch geschildert. Meine Mutter hatte den Krieg in Frankfurt erlebt. Sie hat mir oft von der Zerstörung erzählt. Wenn ich ihre Schilderungen in einem Buch wiederfinde ist es für mich um so authentischer. Der Schreibstil von Julia Kröhn ist fesselnd und gut verständlich. Nach einigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen. Ich habe das Buch immer nur recht unfreiwillig zur Seite gelegt. Die Geschichte ist so authentisch und realistisch beschrieben, dass man glauben könnte die Autorin war selbst bei den Ereignissen dabei gewesen.
„Die Gedanken sind frei“ ist ein Buch das jeden Bücherfreund begeistern wird. Jetzt freue ich mich schon sehr auf den zweiten Band „Die Welt gehört uns“ der im Januar 2023 erscheinen wird.
Frankfurt nach Ende des zweiten Weltkriegs. Ella Reichenbach möchte das Vermächtnis ihrer Mutter, die Buchhandlung und den Verlag, wieder aufleben lassen. Doch alles ist knapp und es ist schwer, überhaupt an Rohstoffe und die Genehmigungen der Alliierten zu kommen. Noch dazu scheint jeder Geheimnisse zu haben, Geheimnisse, die so manche Beziehung für immer kaputt machen.
Julia Kröhn nimmt uns mit in eine Zeit, in der Broschüren wie „Kochen ohne Zutaten“ die Ella am Anfang herausbringt, ihre Zeit haben. Alles ist knapp in der ausgebombten Stadt und Bücher scheinen ein Luxus zu sein. Der Aufbau der Buchhandlung und des Verlages der Familie beinhaltet den einen Handlungsstrang der Geschichte. Der zweite hängt mit Ari zusammen, einem jungen Juden, der den Holocaust nur mit Hilfe überlebt hat. In seinem Teil des Buches geht es darum, ob Juden in Deutschland nach dem Krieg überhaupt noch leben können und wollen.
Ich fand die Themen des Buches durchaus spannend, auch wenn ich erschrocken bin, wie radikal manche Juden nach dem Krieg unterwegs waren. Ich kann verstehen dass viele nur noch weg wollten, aber wie sie teilweise mit Glaubensbrüdern umgegangen sind, die sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollten, hat mich erschreckt. Hier war teilweise richtiggehend Hass im Spiel. Auf jeden Fall ist es der Autorin hier gelungen eine ganz andere Sicht der Dinge zu zeigen.
Allerdings muss ich sagen, bin ich gerade mit Ella nicht warm geworden. Sie war mir ihrem Vater gegenüber einfach zu selbstgerecht, immer meint sie zu wissen was er getan oder nicht getan hat, ohne mit ihm auch nur einmal darüber zu sprechen. Und auf der anderen Seite ist sie, was das Zeitgeschehen betrifft unglaublich naiv. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand Monate nach Ende des Krieges überhaupt nichts von den Verbrechen an den Juden mitbekommen hat und immer noch an die Ausreden der Eltern glaubt, dass die Juden alle einfach nur weggegangen sind. Auch Ari und seine Familie habe ich nicht so richtig fassen können. Irgendwie haben sie mir alle so den Eindruck gemacht, als hätten sie keinen eigenen Willen und würden immer nur die Erwartungen anderer Menschen erfüllen.
Alles in allem war es ein interessantes Buch in dem ich einiges über die Lager, in denen die jüdischen Displaced Persons festgehalten wurden, gelernt habe. Das Thema Buchhandel und Verlag hätte gerne noch etwas mehr Gewicht haben können.
Flott zu lesen und ein sehr interessantes Thema. Ella möchte nach dem Krieg die Buchhandlung ihrer verstorbenen Mutter wieder zum Leben erwecken. Frankfurt liegt in Trümmern und es gibt ein großes jüdisches Viertel für die DP, die nach dem Krieg heimatlos waren. Sie lernt einen jungen Mann kennen, der Schauspieler ist und den Krieg gut überstanden hat. Aber er hat ein Geheimnis…
Über den Buchhandel direkt nach 1945 wusste ich nicht wirklich Bescheid. Vorher war der Beruf eine Männerdomäne, das hat sich erst nach dem Krieg geändert. Es gab kaum mehr arbeitsfähige und politisch unbelastete Männer, deswegen hat sich nach dem Krieg das Berufsbild gewandelt. Den amerikanischen Besatzern war es lieber, wenn Frauen Bücher verkaufen, da mit Büchern ja auch oft Meinungsbildung einhergeht. Das Thema fand ich hochinteressant.
Klar ist das Buch sprachlich keine Sensation, aber mich hat es gut unterhalten und den zweiten Teil werde ich vermutlich auch noch lesen.
Eine ganz und gar individuelle und persönliche Einschätzung und Bewertung. Für mich hat dieser Roman so einige Fragen berührt und behandelt, die mich selbst sehr beschäftigen. Die Frage nach Zugehörigkeit, nach den Opfern, die man bereit ist, für andere und für eigene Ziele zu bringen. Die Frage nach Familie und nach der Art und Weise, wie man in der Familie miteinander umgeht. Wie man Krisen bewältigt und wie man sich auf neue Situationen einstellt und mit den Herausforderungen des eigenen Lebens und Schicksals fertig wird. Dabei stimmt durchaus, was andere Rezensent*innen z.T. kritisieren, dass die Sprache teilweise etwas blumig ist, dass nicht alle Figuren große Tiefe haben. Doch das hat für mich nur wenig Bedeutung gehabt, weil mich sowohl die Geschichte, als auch die Figuren, als auch die Themen (konkret und allgemeiner) berührt haben und ich gerne gelesen habe, wie es Ella ergeht. Ich freue mich schon auf den zweiten Band.
Nette Nachkriegsgeschichte über den Buchhandel in Frankfurt direkt nach 1945. Ein unterhaltsamer Roman mit einer ziemlich naiven Protagonistin und vielen Sprachbildern, die leider nicht so poetisch klingen wie wahrscheinlich geplant. Insgesamt gut zu lesen, kommt aber meiner Meinung nicht an die Die Buchhändlerin Romane von Ines Thorn ran (da: ähnliche Thematik, nur in Berlin statt FFM).