"Die Abschaffung der Wochentage" ist eine Ansammlung an Nachrichten und Briefen an den Ex-Freund der Hauptfigur. Jeder Teil des Buches bedient sich eines anderen Mediums, zu Beginn stehen What's App Nachrichten, dann folgen handgeschriebene Briefe, eine Mail, Postkarten und zum Abschluss SMS. Der Exfreund antwortet nie, zumindest hat der Protagonist aber die Vermutung, dass er die Nachrichten liest. So ist es im Endeffekt eine einseitige Kommunikation, die sich an einen unerreichbaren Adressaten wendet.
Im ersten Teil des Buches versucht Lukas die Trennung von seinem Freund zu verarbeiten, fängt an sehr viel zu trinken und das vor sich zu rechtfertigen. Er wird zunehmend destabiler, z.B. in dem er sich selbst verletzt oder all seine Möbel auf die Straße wirft. Schlussendlich versucht er sein Leben zu beenden, doch eine Freundin ruft die Polizei, die ihn ins Krankenhaus begleiten. Kurz danach beginnt er einen längeren Aufenthalt in der psychatrischen Abteilung eines Krankenhauses in Österreich und setzt sich mit den Ursachen um Umgang mit seiner Depression und Angstzuständen auseinander. Dabei reflektiert er immer wieder die gesellschaftlichen Strukturen, die z.B. eine Depression pathologisch machen - Kapitalismuskritik schwingt in dem Buch inhärent mit. Nachdem seine Medikamente gut auf ihn eingestellt sind, wird er entlassen und zieht nach Paris, um dort von dem Erbe seiner Mutter (die nebenbei verstorben ist) zu leben. Dieser vierte Teil des Buches umfasst einen Zeitraum von fast 10 Jahren und beschreibt, wie Lukas eine stabile, polyamore/offene Beziehung aufbaut und wie sich sein Leben mit bipolarer Depression gestaltet. Fast schon aufdringlich schreibt er immer wieder, wie gut es ihm geht. Im letzten Teil findet sich Lukas im Krankenhaus wieder und versucht zu akzeptieren, dass er nie ohne Depression leben wird, sondern dass sie immer wieder auftauchen wird.
"Die Abschaffung der Wochentage" ist sicherlich unkonventionell und es gab viele Momente, in denen ich beim Lesen sehr vor den Kopf gestoßen war. Gleichzeitig musste ich an Textstellen immer wieder laut lachen wegen ihrer Absurdität oder Komik oder habe mich sehr gesehen und berührt gefühlt, weil es so genau Bezug nimmt auf das Leben und die Gefühlswelt von Menschen, die selbst mit mentaler Gesundheit zu kämpfen haben. Besonders genossen habe ich die unaufgeregte und selbstverständliche Queerness des Protagonisten und seine Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen in einer kapitalistischen Gesellschaft.