Noch vor der englischsprachigen Veröffentlichung erscheinen Tschechows Vorträge für Schauspieler:innen, die er 1942 in den USA hielt, hier erstmals in Buchform: Über die Kunst des Schauspielers und des Theaters, Hamlet und Hitler, Michelangelo, König Lear, Grock, der Clown und über den Schauspieler der Zukunft.
Tschechow wusste Mitte des 20. Jahrhunderts bereits genau, was das Theater der Zukunft in Bezug auf die Schauspieler:innen, bedeuten wird und bediente sich dabei in diesem wunderbaren Abschnitt über die Fähigkeit des Künstlers, sich selbst von aussen zu betrachten, bei Goethes Persönlichkeit: "Der eine Goethe war mit dem Mädchen zusammen, der andere sah ihnen beiden zu und akzeptierte diese Situation völlig, weil Goethe eine reine künstlerische Natur war. Der andere Goethe schrieb anschliessend oft über seine eigenen Liebesabenteuer, auf eine Weise, dass wir erstaunt sind, wie er das alles bloss wissen konnte, diese ganzen feinen, subtilen, mysteriösen, verborgenen Dinge, als er und das Mädchen ineinander verliebt waren. Er sieht nämlich sich selbst, wie er sich und das Mädchen betrachtet und spaltet so sein Bewusstsein kreativ auf. Der Schauspieler der Zukunft wird dazu ebenfalls in der Lage sein und wissen, dass er das nur erreichen kann, wenn er geduldig diese vier Stufen durchläuft, eine nach der anderen - am Schluss stehen die Inspiration und das aufgespaltene Bewusstsein." (S 70)
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