Gekonnt ü Kein Mensch braucht Rhetorik - Trainer, Rhetorik - Training aber schon!
Selbstbewusst die eigenen Ideen präsentieren, andere mit guten Argumenten überzeugen, eloquent und frei sprechen – klingt einfach, ist es aber nicht!
Die meisten Redner quälen sich mit Lampenfieber, haben Angst vor Blackouts und krallen sich während des Vortrags nervös an ihren Notizen fest. Die wertvollen Inhalte können so das Publikum nicht wirklich erreichen und die ganze Mühe der Vorbereitung war umsonst. Mal ganz abgesehen von der unangenehmen Situation, in der man sich befand.
Manche Leute sagen, vor Publikum reden ist eben nicht jedermanns Sache, aber das ist nicht richtig. Es gibt hilfreiche Kniffe, mit denen man vom nervösen Anfänger zum eloquenten Fortgeschrittenen wird.
Der Keynote Speaker und SPIEGEL-Bestsellerautor Wladislaw Jachtchenko muss es wissen, im Alter von 19 Jahren begann er seinen Werdegang als Rhetoriker. Die Theorie mit der Praxis verbindend teilt er seine wertvollen Erfahrungen und besten Tipps, um zu einem eloquenten Redner zu werden.
Angereichert mit weiterführendem Video- und Audiomaterial findet sich in den drei Teilen des Buchs alles, was man über Rhetorik wissen Nach der Lektüre wirst du nicht nur reden, sondern auch überzeugen. Mithilfe der über Jahrhunderte erprobten praktischen Übungen kannst du eigenständig an deiner Rhetorik feilen und zur eloquentesten Person im Raum werden. Kein Mensch braucht Rhetorik-Trainer, Rhetorik-Training aber schon! Also los geht’s!
Wladislaw Jachtchenko ist TOP10-Speaker in Europa. Er hält Vorträge, trainiert und coacht seit 2007 Politiker, Führungskräfte und Mitarbeiter namhafter Unternehmen wie Allianz, BMW, Pro7, Westwing, 3M und viele andere. Er vermittelt seinen Kunden nicht nur Tools professioneller Rhetorik, sondern auch effektive Überzeugungstechniken, Methoden für erfolgreiches Verhandeln, professionelles Konfliktmanagement und natürlich Techniken für effektives Leadership.
Der Rhetorik-Experte Wladislaw Jachtchenko konzentriert sich in seinem Buch „Redest du noch, oder überzeugst du schon? Vom Anfänger zum Rhetoriker“ auf allgemeine Prinzipien der angewandten Rhetorik. Das Ziel des Buches ist, mithilfe der praktischen Übungen die eigene Rhetorik so zu verbessern, dass du zur eloquentesten Person im Raum wirst (S. 7). Auch stellt „Wlad“ (so nennt er sich selbst) die These im kurzen Vorwort auf, dass kein Mensch Rhetorikertrainerinnen oder -trainer braucht, sondern nur Rhetoriktraining.
Im ersten Kapitel erklärt Wlad auf wenigen Seiten, was eigentlich Rhetorik ist. Dafür präsentiert er drei bekannte Definitionen von Platon („Die Rhetorik ist die Kunst des Überredens“), Aristoteles („Die Rhetorik ist die Kunst des Überzeugens“) und Quintilian („Rhetorik ist die Kunst der Beredsamkeit“). Es wird nicht ersichtlich, welcher Definition er folgt, auch wenn zu vermuten ist, dass er der dritten folgt.
Im zweiten Kapitel „Vom Anfänger zum Rhetoriker“ stellt Wlad fünf Aufgaben eines guten Redners vor. Die erste Aufgabe ist es, die 10 Gebote der Rhetorik zu kennen. Er hat diese 10 Gebote aus den über 150 gelesenen Büchern zu Rhetorik und Argumentation zusammengestellt: 1. Kenne dein Publikum! 2. Sprich frei! 3. Halte dich möglichst kurz! 4. Sprich engagiert! 5. Sprich strukturiert! 6. Benutze rhetorische Stilmittel! 7. Achte auf deine Körpersprache! 8. Achte auf deine Stimme! 9. Vertiefe deine Argumente! 10. Übe deine Rede laut! Die zweite Aufgabe ist es, eine selbstbewusste Körpersprache einzusetzen. Dazu gehört ein ständiger Blickkontakt mit dem Publikum, eine aufrechte Körperhaltung, das Einsetzen der Hände im aktiven Bereich (oberhalb der Gürtellinie im Bauchbereich), eine Gestik, die deinen Inhalt verdeutlicht und eine richtige Positionierung der Beine und Füße. Die dritte Aufgabe ist es, eine selbstbewusste Stimme zu gebrauchen. Dazu gehört die richtige Betonung, eine passende Stimmmelodie, Kunstpausen, der Verzicht auf lästige „ähm’s“ und Dialekte (zumindest bei einem gemischten Publikum – bei regionalem Publikum kann derselbe Dialekt gesprochen werden). Die vierte Aufgabe ist es, Lampenfieber unter Kontrolle zu bringen. Lampenfieber lässt sich eingrenzen durch eine saubere Struktur („Der Struktur-Effekt“), das mehrmalige Durchsprechen des Vortrages („Der Kontakt-Effekt“), eine Kontaktaufnahme mit deinem Publikum vor dem Vortrag („Der Kontakt-Effekt“), einer hohen Kompetenz („Der Kompetenz-Effekt“) und dem Bewusstsein, dass nach zwei bis drei Minuten für gewöhnlich das Lampenfieber sinkt („Der Eingewöhnungs-Effekt“). Die fünfte Aufgabe ist es, mit guten Argumenten zu überzeugen. Ein gutes Argument kann nach „BBB“ und „TBNS“ aufgebaut sein. Das Argumentationsschema „BBB“ steht für Behauptung, Begründung und Beispiel. Das Schema „TBNS“ für These, Begründung, Nutzen und Schaden. Am Ende werden einige häufig gestellt Fragen beantwortet, wie: „Haben einige Menschen mehr Redetalent als andere?“ oder „Wie gibt man richtig Feedback?“
Im dritten Kapitel „Rhetorik für Fortgeschrittene“ stellt Wlad fünf Aufgaben einer sehr guten Rednerin vor (er wechselt den Genus zu „Rednerin“ in dem Kapitel). Er geht dabei auf die fünf klassischen Aufgaben ein, welche in antiken Rhetorikbüchern als Konsens weitergegeben wurden. Die erste Aufgabe ist die Inventio (das Auffinden des Redestoffs). Wlad stellt vier „Argumentations-Orte“ vor, in denen Argumente und Inhalte gefunden werden können: (1.) bei beteiligten Akteuren, (2.) in gesellschaftlichen Bereichen, (3.) im internationalen Vergleich (4.) in Analogien. Weiter geht er auf drei Techniken beim spontanen Argumentieren ein (Assoziation, Wortklette, Ironie). Die zweite Aufgabe ist die Dispositio (die Strukturierung des Stoffes). Dort empfiehlt er die Rede klassisch in vier Teile zu gliedern: Exordium (Einleitung), Narratio (Erzählung des Sachverhalts), Argumentatio (Argumente), Peroratio (Schlussfolgerung). Die dritte Aufgabe ist die Elocutio (die Versprachlichung des Stoffes). Dort stellt er zehn wirkungsvolle Stilmittel vor: 1. Neologismus 2. Anapher 3. Chiasmus 4. Hyperbel 5. Klimax 6. Personifikation 7. Antithese 8. Paradoxon 9. Paralipse 10. Metapher. Die vierte Aufgabe ist die Memoria (das Einprägen des Stoffes). Gängig ist die „Loci-Methode“ – auch Gedächtnispalast genannt. Weitere moderne Methoden sind kleine Karteikarten und PowerPoint-Folien. Die fünfte Aufgabe ist die Actio (der Vortrag des Stoffes). Um die eigene Actio zu verbessern empfiehlt er wöchentlich ein bis zwei Stunden Redetraining. Am Ende gibt er noch Rhetorik-Tipps von Platon, Aristoteles, Cicero, Quintilian und Tucholsky weiter.
Im vierten Kapitel „Immer eine Antwort parat“ stellt Wlad die 30 besten Schlagfertigkeitstechniken vor. Er beginnt mit 10 Schlagfertigkeitstechniken für Einsteiger: 1. Die Rückfrage 2. Überraschende Zustimmung 3. Die Notbremse 4. Die Retourkutsche 5. Die Verweigerungstechnik 6. Das Kompliment 7. Hinweis und Aufforderung 8. Die Übergehung 9. Die Definition 10. Die Standard-Antwort. Weiter führt er 10 Schlagfertigkeitstechniken für Fortgeschrittene aus: 11. Ironie 12. Die Meta-Technik 13. Die zwei Silben 14. Das Gerade-Weil 15. Die Relativierung 16. Die Hilfe-Technik 17. Die Zurückweisung 18. Die Ihr-Problem-Technik 19. Die Spiegel-Technik 20. Die Vertagung. Zuletzt stellt er 10 Schlagfertigkeitstechniken für Profis vor: 21. Die Schweige-Technik 22. Die Widerlegung 23. Die Abwägung 24. Die Zitate-Technik 25. Die Nonsense-Technik 26. Die Uminterpretier-Technik 27. Die Ich-Botschaft 28. Die Diplomaten-Technik 29. Die Lieber-als-Technik 30. Die Klartext-Technik.
Im fünften Kapitel „Die drei besten Rhetorik-Übungen der Geschichte“ stellt Wlad drei wöchentliche Übungen vor, um die eigene Rhetorik zu verbessern. Übungstyp 1 sind „Progymnasmata“ – kleine sportliche Vorübungen. Er empfiehlt kleine Lobesreden, Ermahnungsreden, Nacherzählungen, Ereignisreden und Interpretationen vorzubereiten und zu halten. Übungstyp 2 sind „Deklamationen“ – längere, meist gut vorbereitete Reden. Übungstyp 3 sind Debatten.
Insgesamt ist es eine hilfreiche Einführung in die angewandte Rhetorik. Das Buch ist schnell lesbar, erhält die Lesefreude und langweilt nicht. Es gibt einen guten Überblick und ist durchweg praktisch. Für meinen Geschmack ist der Schreibstil zu abgedroschen. Nur ein Beispiel: Im Vorwort zu behaupten, dass kein Mensch Rhetoriktrainer braucht, ist zwar eine Formulierung die hängen bleibt, aber nicht weiterhilft. Die Ironie ist offensichtlich: Wlad stellt als Rhetoriktrainer die Übungen vor. Durch diesen absoluten Stil werden allgemeinen Aufgaben, Regeln, Techniken, usw. als „Allheilmittel“ präsentiert. Wesentlich angenehmer und vorsichtiger im Stil habe ich das Buch von Chris Anderson „TED Talks: Die Kunst der öffentlichen Rede. Das offizielle Handbuch“ empfunden. Eine problematische Prämisse, die nicht nur bei Wlad, sondern generell in vielen rhetorischen „Selbstoptimierungsbüchern“ durchkommt, ist folgende: Es geht darum, mein Gegenüber zu überzeugen und als besonders eloquent rüberzukommen. Aber warum sollten wir uns nicht vielmehr von Expertinnen und Experten der jeweiligen Fachgebiete überzeugen lassen? Fairerweise gesteht Wlad im Schlusswort ein, dass es auch wichtig ist, sich überzeugen zu lassen, wenn andere bessere Argumente haben (S. 194). Nichtsdestotrotz werden solche Sätze nur kurz am Rande erwähnt.
The book is for sure not a bad one. A bit like a written form of his podcasts and videos you can find on YouTube. The added value of the book is not that big, if you know how to search for all his videos and podcasts. But as said, not a bad book.