"Dass ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält." Faust
Der Tragödie erster Teil - Faust, Mephisto, Alle Welt kennt Faust, der mit Mephisto einen teuflischen Pakt schließt. Eine Tragödie – so spannend wie ein Thriller. Viele Zitate sind Teil unserer Umgangssprache geworden. Die Graphic Novel FAUST erschließt Goethes zentrales und exemplarisches Meisterwerk mit meisterlich gezeichneten Szenen wie aus einem kühnen Historienfilm sowie sprachlich modernisiert auch heutigen Generationen. Sinnfällig visualisiert, wirbelt der Leser durch verschiedene Sphären, Milieus und Zeiten imHimmel wie auf Erden, trifft auf Menschen, Lehren, Götter, Geister, Hexen und Magie.
Jan Krauß hat Goethes Lyrik adäquat in Prosa transferiert. So, dass auch Wagner, Fausts Famulus, schwärmen Es ist ein so großes Vergnügen, sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Schon immer wollte ich Goethes "Faust" lesen, da dieser Klassiker in aller Munde ist. Doch gehörte ich damals wohl zu dem Jahrgang, in dem selbst im Deutsch-Leistungskurs "Faust" nicht durchgenommen wurde. Die Rotation der Bücher führte dazu, dass dieses Werk mir bisher verschlossen war.
Vor vielen Jahren lud ich mir über das Gutenberg-Projekt beide Teile von "Faust" als eBooks herunter. Irgendwie graute mir jedoch davor, mir dieses opulente Werk alleine erarbeiten zu müssen und vergaß es über die Jahre.
Doch dann hörte ich von Fausts Adaption als Graphic Novel und war sofort begeistert. Es war klar, das Buch muss ich lesen! Und nun klappte ich die Buchdeckel zu und musste das Gelesene, wie auch Gesehene sich setzen lassen.
Der Einstieg war recht schwer, da ich von der Thematik und Handlung wirklich keine Ahnung hatte. Ich fühlte mich als Literaturbanausin. Somit musste ich pausieren, um mir Informationen über Goethes "Faust I" zu holen. Ich las mich bei Wikipedia ein und hatte irgendwann das Gefühl, nun auch bereit für die graphische Umsetzung zu sein.
Die zeichnerische Umsetzung der Geschichte ist wundervoll gelungen! Sie ergänzt sehr gut den spärlichen Text. Die Handlung wird nachvollziehbar, auch wenn natürlich einiges - bezogen auf das ursprüngliche Werk - ausgelassen werden musste. Die Farben der Panels transportieren gelungen die Düsternis, die Goethes "Faust I" innehat. Nichts an dieser Graphic Novel ist verspielt.
Wer hier Goethes Reime erwartet, wird enttäuscht sein. Diese Adaption hat ihr Augenmerk auf der zeichnerischen Umsetzung, wie man es von einer Graphic Novel erwarten darf. Sie kann als eine ausgezeichnete Ergänzung zum Original gesehen werden und ist m.M.n. nicht nur interessant für Graphic Novel - Begeisterte, wie mich.
Mich jedenfalls brachte diese Graphic Novel dazu, mich endlich mit Goethes "Faust I" zu beschäftigen. Voller Freude las ich das Original und verglich es mit diesem zeichnerischen Werk. Ich verlor über die Beschäftigung mit der zeichnerischen Adaption die Angst vor dem Original. Und das ist, in mehrfacher Hinsicht, Alexander Pavlenko und Jan Krauß zu verdanken! Daher gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung!
Eine Tragödie von Johann Wolfgang Goethe quält schon seit langem deutsche Schüler und Schülerinnen. „Faust, der Tragödie erster Teil“ ist wohl nicht nur die am meisten zitierte deutsche Literatur, sondern auch die am meisten verhasste. Ich habe hier auf meinem Blog schon die Adaption für Kinder aus dem Kindermann Verlag vorgestellt. Ein gutes Buch, damit Kindern der Zugang zur Weltliteratur erleichtert wird. Nun ist eine Adaption als Graphic Novel erhältlich, für die Jan Krauß sich verantwortlich zeigt. Die Zeichnungen stammen aus der Feder von Alexander Pavlenko.
Viele Zitate aus Goethes Faust sind in unsere Sprache eingeflossen, teils ohne dass jeder weiß, dass sie aus diesem Werk stammen (wie z.B. des Pudels Kern). Wenn ein solches Werk als Graphic Novel adaptiert wird, so ist klar, dass nicht der gesamte Text in das Buch einfließen kann. Allerdings sind oftmals bekannte Zitate auch in dieser Graphic Novel zu finden. Aber leider nur oftmals.
Bei einer Adaption eines solchen Literatur-Klassikers habe ich nichts anderes erwarten können als dass wenigstens die bekannten Zitate übernommen werden. Leider wurde die Erwartung hin und wieder enttäuscht, wenn die Zitate abgeändert wurden. So heißt es im ursprünglichen Text:
„Das also war des Pudels Kern! Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.“
In der Graphic Novel wurde daraus:
„Das also verbirgt sich im Pudel: ein Scholastiker! Ich glaube, ich muss lachen.“
Das ist natürlich eine absolute Unmöglichkeit! Immerhin reden wir hier nicht von einem Übersetzungsfehler!
Ich glaube, die Macher haben versucht, die Sprache etwas moderner herüberzubringen. Das ist löblich, aber bei bekannten Zitaten ist das weniger angesagt. Immerhin wurden die Szenen nach der Vorlage angeordnet, so dass es hier keine Änderungen gibt.
Die Zeichnungen sind sehr großflächig ausgefallen, so dass meist nur fünf oder sechs Zeichnungen auf einer Seite gezeigt werden. Die Zeichnungen sind vorwiegend monochrom gehalten und verströmen durch ihre Größe einen besonderen Flair. Insbesondere der Verzicht auf das Detail fokussiert den Leser auf die Geschichte.
Wenn jetzt allerdings ein Schüler oder eine Schülerin glaubt, sie könne die Schullektüre durch diese Graphic Novel ersetzen, der irrt. Die Graphic Novel ist nicht minder verworren als das Original. Dadurch, dass die Texte etwas abgeändert wurden, ist es zudem eher hinderlich als nützlich.
Fazit
Ich glaube, dass man solche Weltliteratur sehr gut als Graphic Novle adaptieren kann. Die Zeichnungen sind in meinen Augen okay, auch wenn sie keinen bleibenden Eindruck hinterließen. Bei den Texten wurde versucht, diese etwas an die heutige Zeit anzupassen, leider zu Kosten der Zitate, die man meiner Meinung nach kennen sollte, nachdem der Faust gelesen wurde. Von daher betrachte ich dieses Buch lediglich als Ergänzung zum Faust für jene, die Wohlgefallen an ihm gefunden haben. (Sowas soll es ja auch geben.)
«Dass ich erkenne, was die Welt Im Innersten zusammenhält.» (Faust)
Der Tragödie erster Teil Faust, Mephisto und Gretchen als Graphic Novel. Alexander Pavlenko wollte in seiner Graphic Novel-Adaption den Erzählfluss halten, die Atmosphäre des Romans illustratorisch einfangen. Das ist ihm gelungen. Die düstere Stimmung und der Zeitgeist des Klassikers werden sehr fassbar in Bilder übertragen. Die Charaktere sind fühlbar umgesetzt. Faust als Comic umzusetzen bedarf die Kunst, die Essenz aus Klassiker zu ziehen, sie in Grafik umzusetzen. Das ist gelungen.
Am 16. August 1772 wartet eine fahrende Theatertruppe auf dem Römerberg in Frankfurt auf ihren Auftritt. So beginnt dies Graphic Novel. Der Theaterdirektor und der Autor diskutieren über die Kunst, das Publikum und die Jugend. Auf dem Programm steht die Geschichte um den Wissenschaftler Dr. Faust, der einen Pakt mit dem Teufel schließt – um die Gretchenfrage.
Die Geschichte ist klar vermittelt. Was mir hier aber zu kurz kommt, ist Goethe selbst, seine Sprache. Ich hatte nicht ganze Textpassagen erwartet, doch ein paar kurzen Sätze, wie: «Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.», «Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn» oder «Die Kirche hat einen guten Magen, hat ganze Länder aufgefressen. Und doch noch nie sich übergessen.» Solche Zitate hätten wunderbar hineingepasst. Es wurde inhaltlich der Roman transportiert, richtig – aber für mich mit blassen Worten. Man kommt mit dieser Graphic Novel zwar der Geschichte von Goethe näher, aber nicht seinem Sprachreichtum. Etwas, was mich wirklich gestört hat.
Klar, es gibt ein paar Originalzitate, allerdings spärlich und nicht markiert. Auch wenn man sich für eine moderne Sprache entscheidet – was ich befürworte, so gibt es genügend Zitate, die heute zum Sprachgebrauch gehören, die sehr gut hineingepasst hätten.
Beispiel aus dem Comic: «Ich habe Philosophie, Recht, Medizin und – leider – auch Theologie studiert … nur um zu erfahren, dass wir nichts wissen können. Nichts.»
Original Goethe: «Habe nun, ach! Philosophie, /Juristerey und Medicin, /Und leider auch Theologie! /Durchaus studirt, mit heißem Bemühn. /Da steh’ ich nun, ich armer Thor! / Und bin so klug als wie zuvor; /Heiße Magister, heiße Doctor gar,/ Und ziehe schon an die zehen Jahr, / Herauf, herab und quer und krumm, / Meine Schüler an der Nase herum – / Und sehe, daß wir nichts wissen können!»
Man muss eben nicht den gesamten Text von Goethe umsetzen, doch den weltberühmten Satz, habe ich hier vermisst: «Da steh’ ich nun, ich armer Thor! Und bin so klug als wie zuvor.» Alles Geschmacksache. Wie gesagt, zeichnerisch ist die Geschichte wunderbar umgesetzt. Bei der Walpurgisnacht genügt die Illustration.
Alexander Pavlenko hat nach seiner Ausbildung in Trickfilmkunst bei mehreren Filmstudios in Moskau gearbeitet sowie Science Fiction- und Abenteuerromane illustriert. Seine Comics wurden in Deutschland („Herzl“, „Menschenblut“, „Schattenseiten“, „Sprühende Phantasie“ etc.), Frankreich, Japan, England und Russland publiziert. Pavlenkos Videokunst und Grafiken wurden vielfach international ausgestellt.
Jan Krauß hat Politologie, Romanistik und Philosophie studiert. Er lebt in Frankfurt. Von ihm liegen der Nietzsche-Remix „Der dritte Dionysos“ und das Kinderbuch „Thors Hammer“ vor.