3,42
Ich habe dieses Buch Anfang des Jahres wirklich gern gelesen, es als kurzweilig und originell empfunden und die einem Fiebertraum gleichende Atmosphäre regelrecht aufgesogen. Gleichzeitig bin ich etwas ermüdet von der Allgegenwärtigkeit des Autofiktionalen im zeitgenössischen Literaturbetrieb. Verschwimmende Grenzen zwischen Autor und lyrischem Ich sind kein neues literarisches Phänomen und ich habe prinzipiell auch nichts dagegen einzuwenden.
Was mich allerdings stört, ist die damit einhergehende (in Ermangelung eines besseren Begriffs) Unangreifbarkeit: In einigen Passagen gewann ich den Eindruck, dass der Autor krampfhaft versuchte, seinen sicherlich beeindruckenden Bildungsstand zu kommunizieren - so konnte ich kaum nachvollziehen, welche Relevanz ein ellenlanger Absatz über die Anordnung verschiedener Romane im Bücherregal hat, außer dem Leser zu versichern, dass all diese vom Autor erfolgreich rezipiert wurden. Nur: Spricht hier der Autor oder der „Boy“? Es erschiene mir billig, eine solche Eitelkeit als vorauseilende Verteidigung seinem Protagonisten überzustülpen. Die Selbstinszenierung wirkt jedenfalls nicht sonderlich sympathisch, was der Qualität seines Textes natürlich keinen Abbruch tut.
Finn Job kann nämlich wirklich toll schreiben. Wenn er sich jetzt nur noch die exzessive Nutzung abgedroschener Formulierungen abgewöhnen würde! Jedes anfangs interessante rhetorische Mittel avanciert zum Klischee, wenn es auf beinahe jeder Seite genutzt wird: „Besser, ich ging zurück, besser, ich lief davon…“, „20x behände und flink“, besonders unschön und prätentiös: „obschon/obzwar/wiewohl etc.“ - mir ist bewusst, dass der repetitive Charakter dieses Schreibstils eine Wirkung entfalten sollte, mich hat sie leider gar nicht abgeholt.
Ich habe diesem Buch angemerkt, dass es sich um einen Debütroman handelt. Gern hätte ich es mit 3,5 Sternen bewertet, da mir dies leider nicht möglich war, musste ich mich auf 3 beschränken. Dennoch gebe ich hiermit eine Leseempfehlung ab. Wer Faserland mochte, wird sich mit Hinterher wohl nicht langweilen, wen der Gen Z-Zeitgeist nervt, wird sich hier verstanden fühlen und wer sich nach homosexuellem Begehren abseits queertheoretischer Diskurse sehnt, wird bedient.
Ich würde gern noch mehr dazu sagen, leider ist die Lektüre mittlerweile so lange her, dass ich nicht mehr viel hinzufügen kann, ohne allzu vage zu werden.