Philipp Winkler, 1986 geboren, aufgewachsen in Hagenburg bei Hannover. Studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Für seinen Debütroman »Hool« erhielt er den ZDF aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und war zum Festival Neue Literatur in New York City eingeladen. Der Roman war ein Spiegel-Bestseller, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und für die Bühne adaptiert. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung. Er lebt in Niedersachsen auf dem Land.
Philipp Winkler, born in 1986, grew up in Hagenburg near Hannover, Germany. He studied Literary Writing in Hildesheim. For his debut novel »Hool« Winkler was awarded the ZDF aspekte-Literature Prize for the best German-language debut and was also shortlisted for the 2016 German Book Prize. Also he was an invitee at the Festival Neue Literatur in New York City. The novel was a bestseller, has been translated into numerous languages and adapted for the stage. A film-adaptation is in production. He lives in the countryside of Lower Saxony, Germany.
Der Erzähler in Philipp Winklers Kurzgeschichte "Poolparty" hätte verdammt gut in Krachts 1979 gepasst, und zwar in die Szene, in der mitten in Teheran eine hochgradig dekadente Party gefeiert wird, in deren Folge es zu einem Todesfall und einer ausgewachsenen Revolution kommt. Zudem hat mich die Perspektive an das Koks-Nutten-Filmriss-Video zu "Smack My Bitch Up" von The Prodigy erinnert, dass man weder auf MTV noch auf YouTube frei verfügbar sehen kann - aus Gründen. Worum es geht in dem schmalen Büchlein? Ein Typ besucht eine dekadente Poolparty mit Videoclip-Ästhetik, in deren Verlauf ein Makohai durch eine zerschossene Glaswand ins Schwimmbecken vordringt.
Hier steht weniger die Story, sondern viel mehr die Sprache im Mittelpunkt, die Winkler benutzt, um Atmosphäre zu erzeugen und den Erzähler zum Leben zu erwecken: Dieser Autor ist ein Meister des Subkulturellen und ein Chronist des Außenseitertums, er schreibt aus Sicht von Hooligans, Schausteller*innen und vereinsamten Digitalnerds - hier ist es ein Typ, der auf der Party einer Pornoproduktionsfirma in L.A. das geheime Einlasswort kennt und in einer grellen, überzeichneten Welt, vollgepumpt mit Drogen die Szenerie beschreibt.
Ich liebe es einfach, wie Winkler Figuren aussucht und schreibt, what a guy.
"Plötzlich verspürte ich einen gewaltigen Heißhunger auf Churros, der sich innerhalb von Sekunden zu vollster Überzeugung auf ein Anrecht auf frittiertes Spritzgebäck steigerte, das mein stoffinduziertes übertriebenes Gestampfe mehr als nur rechtfertigte, ja sogar obligatorisch machte."
Crazy Geschichte über eine Poolparty in den Hollywood Hills, die etwas aus dem Ruder läuft. Auf den wenigen Seiten funktioniert der Text, der nicht durch seine Geschichte, sondern die Sprache und dadurch erzeugte Atmosphäre getragen wird, super. Auf Romanlänge könnte das für mich jedoch zu anstrengend werden. Für Freunde von z.B. Joshua Groß wahrscheinlich ein gefundenes Fressen.