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Schlesenburg

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Schlesenburg wurde sie genannt, unsere Siedlung am Stadtrand, in der im Sommer 89 die Wohnung der Galówka brannte. Sechzig Familien waren wir, fast allesamt aus Polen. Und plötzlich ging die Angst um, jetzt würden hier bei uns Rumänen oder Russlanddeutsche einziehen. Die halbe Burg schaute mit Abscheu auf das Asylbewerberheim, wo sie alle wohnten, und mit zu viel Stolz darauf, dass man es selber hinter sich gelassen hatte. Es war das Jahr, in dem das neue Mädchen in die Siedlung zog, das Jahr, in dem Darius verschwand, in welchem Mutter nur Konsalik las und ich zu spät begriff, dass Vater mit der ausgebrannten Wohnung seine eigenen Pläne hatte...

„Schlesenburg“ erzählt von Flüchtlingen und ihren Hiergeborenen, von Heimweh und einer neuen Heimat. Ein so warmherziger wie bittersüßer Roman über den Traum von Anpassung und Wohlstand – und die Frage, wo man hingehört, wenn man nicht weiß, wo man hergekommen ist.

316 pages, Hardcover

Published September 14, 2022

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About the author

Paul Bokowski

17 books23 followers
Ein ein deutsch-polnischer Schriftsteller und Satiriker. Bokowski wurde als Sohn polnischer Eltern in Deutschland geboren. Er ist Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift Salbader und jüngstes Mitglied der populären Berliner Lesebühnen Brauseboys und Fuchs & Söhne. Der Autor und Poetryslammer lebt in Berlin-Wedding.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Bo...
Foto: Paul Bokowski(©JanKopetzky)

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7 (6%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 17 of 17 reviews
Profile Image for Frederike.
182 reviews178 followers
January 6, 2023
4,5 Sterne

„Allen Großen und Alten in der Schlesenburg war der Verlust eine tröstende Gemeinsamkeit. Wir anderen aber waren Keimlinge. Fortgetragen und in frische, aber fremde Erde gesetzt, die kein Gedächtnis hatte. Was uns verband, war allenfalls die Tatsache, dass jede Sehnsucht genau genommen eine Lüge war. Es gab keine klar sichtbare Lücke in mir, keinen Mangel, keine Mulde, nichts. Nur dieses wabernde diffuse Gefühl, dass etwas fehlte. Mein Sehnsuchtsort war keine Erinnerung, der ich hinterherjagen konnte, er war eine Projektion, eine Nacherzählung.“ (S. 136)

Eigentlich war alles wie immer in der Schlesenburg. Seit Papa die Wohnung gefunden hat, wir aus dem Asylbewerberheim ausziehen durften, leben wir hier in der Siedlung, am Stadtrand von Mainz. Nebst anderen Flüchtlingen aus Polen. Flüchtlinge… Ich verstehe das alles nicht, das Fliehen, die Angst. Ich bin doch hier geboren. Draußen sitzen die Baranowski-Zwillinge auf der Bank und kauen auf ihren Brotkrumen, machen blöde Sprüche. Niemand konnte sie leiden, die beiden. Mama liegt auf dem Balkon und liest ihre Konsalik-Romane, auch wenn sie ihr peinlich waren. Papa hat eine Leidenschaft für Dosenfleisch entwickelt, überall steht es herum: auf dem Kühlschrank, im Kühlschrank, unter der Bank in der Küche; jedem, der vorbeikommt, schenkt er eine Konservendose. Aber irgendwas liegt in der Luft. Stadtrandangstluft. Brandgeruch. In diesem Sommer würde sich alles ändern, das wurde mir allmählich bewusst. Weil Darius plötzlich weg war. Weil Papa immer wieder versucht, heimlich in die ausgebrannte Wohnung zu steigen. Weil Mama ihre steinglatte Stirn, ihr Gesicht verliert und weint, wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Weil dieses Mädchen auf einmal da war. Und dann...

"Nur wenn sie weinte, war Mutter macht- und wehrlos. Dann kroch sie wie ein verletztes Tier in eine Nische und heulte sich leise ein. Meist neben den kleinen Schrank im Flur. Dort hockte sie, weinte erst und grämte sich dann, weil es etwas in ihr gab, das sie nicht bändigen konnte. Heimweh." (S. 43)

Gerade blätterte ich wiedermals durch die Seiten. Die Eselsohren hatten den Buchschnitt unregelmäßig werden lassen; Zeichen meiner Lesegefühle: Freude über Sprache und Gedanken, die mich innehalten ließen, die Bilder abseits der Geschichte hervorriefen. Die, auch Wochen, Monate später gelesen, noch genau den Moment lebendig werden lassen, als ich zuletzt das Buch in der Hand hielt. Liebevoll und wehmütig erzählt Paul Bokowski in seinem Romandebüt "Schlesenburg" von dem Leben eines Jungen, der gemeinsam mit seinen Eltern, die, als er noch nicht geboren war, aus dem ehemaligen Schlesien nach Deutschland flohen. Einer großen, familiären Gemeinschaft gleich, treten immer mehr Bewohner*innen der Siedlung am Ende des Breslauer Rings ins Blickfeld. Sie alle tragen eine Geschichte in sich, die sie miteinander verbindet, so unterschiedlich sie nach außen hin sein mögen. Und immer wieder erregen sie die Aufmerksamkeit des Jungen: Hibbelig ist er, hin und her springen seine Gedanken und so auch die Erinnerungsfetzen, die er Ästen, sich immer kleiner, weiter auffächernden Zweigen und Blattknospen gleich entlang des Baumstamms, der den tragenden Erzählstrang bildet, entwachsen lässt. Es sind Erinnerungen an das Heimweh und den tiefen Schmerz seiner Eltern und wie es sich in ihrem ihm unerklärlichen Verhalten manifestiert, sichtbar in abgegriffenen Bildern und aufgeregten polnischen Floskeln; an sein "Anderssein", ihn, der er mit fünf Jahren bereits Nachbarn behördliche Briefe vorlesen muss; an seine Freunde Darius und Kuba; an Apollonia, die Licht brachte. An Heimatlosigkeit in der eigentlichen Heimat, Wurzelsuche.

Es hat mir gefallen, die Bokowski nach und nach die kleine Welt am Stadtrand immer größer werden lässt, um Menschen, Schicksale und Orte reicher macht. Mit feiner Beobachtungsgabe für die Eigenheiten seiner Protagonisten und einem bemerkenswerten Gefühl für leise und laute Momente sowie das Sichtbarmachen von inneren Kämpfen erzeugt er eine gleichermaßen wärmende wie beklemmende Atmosphäre, lässt doch aber auch immer wieder subtilen Humor durchblitzen. Ein Schmunzeln mit sanften Augen. Es war nicht immer einfach, den springenden Gedanken zu folgen, doch dieser Herausforderung habe ich mich gerne gestellt - und wurde umso reicher beschenkt. Auch wenn sich die Erzählung phasenweise ein wenig zog, in meinen Augen den Fokus verlor, aber das sei nur eine Randnotiz. Der naive, unverständliche Blick durch Kinderaugen sieht manchmal doch eine klarere Sprache, als Erwachsene sie zu sehen vermögen wollen. Ein ergreifender, herbsüßer Roman, der unter die Haut geht.
85 reviews2 followers
October 9, 2022
Nachdem ich ein großer Fan der Kurzgeschichten von Paul Bokowski war, habe ich mich unheimlich auf seinen ersten Roman gefreut. Sein großartiger Humor prägt auch Schlesenburg, die Geschichte geht aber viel mehr in die Tiefe, als wir es von ihm kennen und hat mich wirklich beeindruckt.

“Schlesenburg wurde sie genannt, unsere Siedlung am Stadtrand, in der im Sommer 89 die Wohnung der Galówka brannte. Sechzig Familien waren wir, fast allesamt aus Polen.”

Paul Bokowski bietet hier eine einzigartige, wertvolle Perspektive. Ein Kindheit, geprägt durch die Flucht der Eltern. Ein Kind, das nie polnisch gelernt, dafür aber Traumata vererbt bekommen hat. Eine Kindheit an einem besonderen Ort, umgeben von einzigartigen Menschen.

Ich muss sagen, dass ich am Anfang meine Probleme mit dem Buch hatte und nicht so gut rein kam und zwischendurch fast schon gelangweilt war. Wir bekommen hier eine sehr ruhige Geschichte, die immer wieder hin und her springt. Sie entwickelt sich langsam, nimmt einige Abbiegungen und am Ende wusste ich gar nicht mehr genau, was da gerade passiert ist. Nur, dass ich mehr wollte.

“Mutter vermisste ihre Eltern, Vater, etwas stiller, seinen Bruder, aber die meisten Kinder aus der Burg, die Hiergeborenen, mich oder Darius, hatte man von Anfang an so sauber abgekapselt von unserer Herkunft, von allen, die hinter dem Eisernen Vorhang hockten, dass jedes Vermissen nur ein Theoretikum bleiben konnte, ein Konzept.”

Das Besondere an dem Roman ist für mich das Gefühl, das er einfängt. Ein Vater, der alles richtig machen, die Familie zusammenbringen, will und seinen Stolz als Schutzschild vor sich trägt. Eine Mutter, die jede freie Minute zum Lesen nutzt und sich mit den neuen Worten schmückt, ohne zu wissen, ob sie Bernsein oder Phosphor sind. Dazwischen immer wieder die Frage “Raus oder runter?”

Mich haben die Gespräche in der Familie immer unheimlich bewegt. Wie Geschichten erzählt werden, wie Erinnerungen verzerrt und diskutiert werden.. Diese Dynamik ist mir so gut bekannt und mit der Zeit konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen, wollte weiter in dieses Gefühl.

Erzählt ist Schlesenburg schonungslos ehrlich. Manchmal erschütternd und tieftraurig, manchmal herzlich und amüsant.Sehr detailliert, mir persönlich teilweise fast zu ruhig, aber mit viel Humor an den richtigen Stellen Es wird nicht jedem gefallen, aber wer sich drauf einlässt, wird belohnt.
Profile Image for Cheap.And.Cheerful.
411 reviews21 followers
September 18, 2022
*Werbung da Rezensionsexemplar* Paul Bokowski hat mit 'Schlesenburg' einen Roman geschrieben, der so oder so ähnlich auch die Geschichte meiner Familie sein könnte. Mit einigen autobiographischen Elementen gespickt, erzählt er wie eine polnische Familie noch vor dem Mauerfall nach Deutschland flüchtet und sich dort, in der Schlesenburg, inmitten von vielen anderen Migrant*innen, ein neues Leben aufbaut.
Dieses Leben ist geprägt von Schichtarbeit, der Gemeinschaft in der Schlesenburg, aber auch sehr stark von Assimilation und Scham.

Für mich war dieses Buch sehr heilsam, aufgrund der vielen Parallelen zu meinem Leben und speziell dem Leben meiner Eltern und der erweiterten Familie. Doch nicht nur der familiäre Hintergrund, auch andere Themen waren sehr berührend, wie z.B. das Verhältnis der Kinder untereinander oder der Umgang mit Verlusten.

Bokowski schreibt sehr bildhaft, an manchen Stellen auch humorvoll. In der wörtlichen Rede achtet er darauf, die Sprache authentisch an ihr Umfeld anzupassen - also an ein Umfeld, das in den 80ern/90ern Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit erlebt und internalisiert hat.

Mit 'Schlesenburg' hat Bokowski, der vorher humoristische Bücher geschrieben hat, seinen ersten Roman herausgebracht, und ich für meinen Teil hoffe sehr, dass es nicht bei diesem ersten Roman bleiben wird!
Profile Image for JuliaCapulet.
48 reviews1 follower
August 23, 2024
Dass die Figuren in diesem Roman rein fiktiv sein sollen, wie es auf der letzten Seite heißt, ist kaum vorstellbar, diese Charakter kann man sich nicht ausdenken. Die wunderlichen Details an Empfindungen und Eindrücken, mit denen Paul Bokowski die Geschichte der Schlesenburg erzählt, sind zu krude, um Fiktion zu sein und zu genau, um Erinnerung zu sein.
Eigentlich passiert nicht viel in diesem Sommer kurz vor der Wende und doch haben die Gedankensprünge, die lebendigen Szenen und der bestechender Humor einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Was den Roman jedoch einzigartig macht, sind die originellen, niemals schiefen und immer plastischen Bilder für Situationen, Gefühle und Erfahrungen, die Paul Bokowski für seine scheinbar unscheinbare Geschichte erfindet wie eine eigene Sprache, die die Wirklichkeit im Kern zu treffen scheint. Und es ist eben doch eine Geschichte, in der es ums Ganze geht, um Heimat und Herkunft, Liebe und Zugehörigkeit, um Leid, Zorn, Verlust, Hoffnung um das Große im Kleinen und die Flüchtigkeit dessen, was wir eben noch für Realität hielten.
Ein literarischer Versuch gegen das Vergessen eines unwiederbringlichen Lebensgefühls ohne Nostalgie, das Morgen immer im Blick. Preisverdächtig.
Profile Image for Britta.
399 reviews38 followers
September 24, 2022
Sehr starke erste Hälfte und sehr gutes Ende!
Profile Image for Olliringwald.
1 review
October 20, 2022
Ich gebe zu, ich hatte anfangs Schwierigkeiten mit dem Text. Einige Metaphern haben mich stark gestört, einigen Beschreibungen konnte ich nicht folgen, weil ich sie zu umständlich konstruiert fand, und im Allgemeinen schien mir (trotz eines schwitzenden Kackhaufens) ein wenig zu viel Zucker über der "Schlesenburg" zu liegen.

Der Ton änderte sich dann aber nach einiger Zeit und die Beobachtungen wurden interessanter, die Szenen schienen mir realistischer und es gab dann sogar Spannungsbögen, teilweise gar in gefühltem Cinemascope. Am Ende war ich froh durchgehalten zu haben, weil hier eine Geschichte über ein wichtiges Thema (ob absichtlich oder unabsichtlich, da bin ich mir nicht ganz sicher) liebevoll und mit Humor erzählt wird.

Natürlich wird in den meisten Kritiken und Artikeln über den Verlust der Identität durch die allzu starke Assimilation der geflüchteten Eltern des Erzählers berichtet. Das kann man natürlich bedauern, wenn man das kulturelle Erbe eines Landes für identitätsstiftend, bzw. das Nichtkennenlernen für traumatisierend halten mag. Obwohl ich die Bedeutung der Herkunft nicht herunterspielen möchte, finde ich aber auch, dass man sie, gerade in unserer sich immer stärker vereinheitlichenden Web-Welt auch nicht überbewerten sollte.

Hier sehe ich aber auch tatsächlich noch eine andere Erzählung in Bokowskis Buch. Eine Geschichte über den Neid. Über den Wunsch mehr zu sein als man ist. Der Protagonist ist neidisch auf Apolonias Flucht, die Mutter ist neidisch auf die Zuneigung des Vaters zu seinem Bruder und über der ganzen Schlesenburg liegt der Wunsch zu einer anderen besseren Klasse zu gehören, was dann auch darin ausgelebt wird, dass man die nächstbeste dahergelaufene Gruppe ausgrenzt.

Am Ende ist Apolonias Flucht nicht so dramatisch wie gedacht, die Mutter hat auch ihren Frieden mit ihrer Situation gemacht und von der leicht süßlichen Schlesenburg-Folklore haben die neuen Bewohner der Siedlung noch nie etwas gehört. Von der Identität bleibt am Ende nicht viel mehr als Ausgrenzung von anderen Identitäten und ein paar ulkige sprachliche Eigenheiten. Und vor allem bleiben alle am Ende eines: Menschen.

Kein perfektes Buch, aber dafür ein sehr persönliches, das ich bestimmt noch ein zweites oder drittes Mal lesen werde.
58 reviews
May 25, 2025
Was für ein tolles Buch. Coming of Age, aber in einer Art, die man als fortgeschritten Erwachsene noch sehr gut aushalten kann. Figuren, mit denen man mitfiebert und die einem ans Herz wachsen. Spannung, ob die Flucht gelingt. Ein Einblick in das Leben von polnischen Flüchtlingen in Westdeutschland kurz vor dem Mauerfall. Ein Sommer in der Platte, Hitze, Langeweile und trotzdem liest es sich weg wie nichts. Klare Empfehlung.
1 review1 follower
October 2, 2022
Wie funktioniert das eigentlich: Erinnern? Wenn der Erzähler, seine kleine Schwester und seine Eltern in „Schlesenburg“ versuchen eine Geschichte zu rekonstruieren, ist das oft wie gemeinsam ein etwas lückenhaftes Puzzle zu legen. Da werden manchmal sich ergänzende, manchmal sich widersprechende Bruchstücke nebeneinander gestellt oder verzahnt, manchmal auch einfach im verbalen Ping-Pong durch die Wohnung gebrüllt. Erinnerungen über Flucht und die zurück gelassene polnische Heimat. Übers Ankommen im Westdeutschland der 80er. Übers Fremdsein und die Assimilation der Eltern, über Hakenkreuze am Briefkasten und darüber, wie plötzlich die Rumänen kommen und von der polnischen Community als Bedrohung wahrgenommen werden.

„Schlesenburg“ ist ein Kindheitsroman, aber keiner der süßen Art. Klar, wir gehen gemeinsam ins Freibad, erleben die langen Sommerferien mit dem Protagonisten von Anfang bis Ende, finden sogar mal (fast) eine Leiche. Wir spüren die Sommerhitze durch die Rollläden, riechen 8x4-Deodorant und knabbern Instant-Eistee-Bröckchen. Aber das ist keineswegs idyllisch, die Traumata der Elterngeneration schimmern überall durch – besonders schmerzhaft am Ende des Romans. Es ist ein beeindruckender Text über Migration, erzählt aus einer ungewöhnlichen Perspektive – nämlich des hier Geborenen, der dennoch die Traumata der Eltern vererbt bekommt. Der zwar kein Polnisch mehr lernt, aber dennoch alles Schmerzhafte mit nachvollziehen muss. Das berührt.

Paul Bokowski erfindet außerdem tolle Figuren, die man sicher nicht vergisst: die mit viel Spaß an der Groteske gezeichneten Baranowski-Zwillinge, den dünnen Kuba, Darius, der zwischendurch mal abhanden kommt, und natürlich die wunderbare „Bist du dumm, oder was?“ Apolonia.

Paul Bokowski ist ein großartiger Stilist, er findet beeindruckende sprachliche Bilder. Das ist toll gebaut, die einzelnen Erzählstränge sind kunstvoll ineinander verwoben. Und vor allem: Der Roman ist (auch) ziemlich lustig. Sicher, das sind nicht mehr die sehr pointierten Kurzgeschichten seiner ersten drei Bücher. Dafür ein großartiger, sprachmächtiger Roman, manchmal humorvoll und manchmal tieftraurig. Lest ihn!
1 review
October 23, 2022
Habe das Buch auf der Frankfurter Buchmesse erworben und wirklich nur mit Mühe wieder aus der Hand legen können. Die Geschichte der Schlesenburg, ihrer Bewohner, des kindlichen Ich-Erzählers, die starken Eindrücke einer polnischen Parallelkultur in den letzten Monaten der 80er Jahren der BRD Noir, das alles hat mich unheimlich bewegt. Im Klappentext des Buches ist viel von Herkunft und Heimat die Rede. Aber ich habe den Roman als Buch über das Erinnern verstanden. Für mich stand nicht ungebingt die Suche nach Herkunft, sondern die Suche nach Erinnerung im Mittelpunkt. Das erklärt für mich auch, warum die Handlung gerade im ersten Drittel des Buches nur langsam vorangetrieben wird. Weil die Erinnerungsebenen der Handlung erst nach und nach erschlossen werden. Weil wir auch die Schlesenburg und ihre Dimensionen erst wabenartig kennenlernen. Die Sprache ist bildgewaltig, die Dialoge punktgenau, fast witzig, und wie Bokowski am Ende alle Stränge zueinander führt, das hat mich regelrecht beeindruckt. Vielleicht auch, weil ich ihn bisher nur als Humorautor kennengelernt habe. Ein gutes Buch für alle Leser, die die Tiefe von Stanišić mögen, die geschliffenen Dialoge von Yasmina Reza und den feinen Witz von Loriot. Für mich ein richtiges Lesehighlight für das Jahr 2022. Aber, und das möchte ich als einizigen Kritikpunkt erwähnen, kein leichtes Buch.
Profile Image for Manuel.
65 reviews10 followers
October 15, 2022
Tolles Roman Debüt!

Paul Bokowski verwendet eine tolle Sprache, der man super folgen kann und die eine ganz besondere Art der Beschreibung ausmacht. Auch Details wie das Einbinden polnischer Ausdrücke in das Geschehen machen Spaß, die Geschichte zu lesen.

Die Charaktere sind toll geformt und der Plot der Geschichte schön geschrieben, sodass ein eigentlich kurzer Zeitraum mit vielen Seitenästen und Parallelbeobachtungen angereichert ist . Beim ein oder anderen Gedankensprung, vor allem zu Beginn, konnte ich nicht ganz folgen, aber vor allem mit dem Gewöhnen an diesen Schreibstil hat das richtig Spaß gemacht.
Profile Image for Marieli.
61 reviews
July 18, 2023
Habe das Buch jetzt nach 150 Seiten doch abgebrochen. Kann leider gar nichts damit anfangen. Finde es mega langweilig, es passiert nichts?! Ja es wird eine Kindheit erzählt.. Aber es passiert halt nichts. Zwei Sterne weil der Schreibstil recht poetisch ist, aber naja hab leider echt viel mehr erwartet.
1 review
October 7, 2022
Ein absolut lesenswertes Buch. Paul Bokowski versteht es wirklich eine schweres Thema ausgezeichnet zu erzählen.
Ich war sofort gefesselt und werde es zu Weihnachten an ein paar Freunden verschenken.

Highly recommended 👌
Profile Image for emmsi.
34 reviews1 follower
June 14, 2024
ein blick ins leben , der einem den schlüssel für die perspektive zurück gibt, die man als kind darauf hatte. Und dann doch noch ein arges Ende und schade, das es eins hat
23 reviews1 follower
Read
July 25, 2025
tolles Buch. klasse geschrieben, verschachtelt, fransig, wie Erinnerungen eben so sind.
1 review
December 26, 2025
Die Eltern ey, das ist wie wenn mein Papa von seiner Kindheit im Osten erzählt. Ganz merkwürdig bekanntes feeling alles. Hab’s richtig gefeiert.
Displaying 1 - 17 of 17 reviews

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