Es ist das letzte Mal, dass Richard Sparka mit seiner Gefährtin Klara und den Kindern Karl und Ricarda nach Schmogrow im Oderbruch fährt, denn das Haus, in dem er als Kind immer seine Ferien verbrachte, wird nach demTod der bezaubernd-eigenwilligen Besitzer verkauft. Aber Richard entdeckt, dass sein geliebtes, naturnahes Selbstversorger-Glück an diesem Ort auch dunkle Züge trägt. Komisch und ernst, geschichtsbewusst und aktuell, detailverliebt und mit dem Blick auf die großen Fragen erzählt Jochen Schmidt von der ewigen Suche nach dem guten Leben.
Es ist das letzte Mal, dass Richard Sparka, vertraut aus Jochen Schmidts Roman "Zuckersand", mit seiner eigenen Familie, der Gefährtin Klara und den Kindern Karl und Ricarda, ins geliebte Kindheitsparadies Schmogrow im Oderbruch fährt. Nach dem Tod der Tatziets, die jahrzehntelang das Haus und den Garten, das Dorf und die Umgebung zu einem Ferienidyll und Hort des richtigen Lebens gemacht haben, wird das Haus abgerissen und das Grundstück verkauft. Richard, verstrickt in die Erziehungskonflikte mit Klara und konfrontiert mit dem Eigensinn der Kinder, will im Gedenken an die "Wunder von Schmogrow" seinen ewigen Kampf gegen die Verhässlichung der Welt fortsetzen. In Erinnerungen und Erkundigungen, mit einer Art Archiv der Geschichte und der geistigen und praktischen Lebensweisheiten der Familie Tatziet, forscht Richard dem Glück Schmogrows nach und entdeckt, dass Vieles in dem naturnahen Selbstversorger-Paradies - mit seiner Liebe zur Dauer und dem Widerstand gegen jegliche Verschwendung - auch dunkle Züge trägt ... Komisch und ernst, geschichtsbewusst und sehr aktuell, detailverliebt und mit dem Blick auf die großen Fragen erzählt Jochen Schmidt von der ewigen Suche nach dem guten Leben.
Jochen Schmidt ist 1970 in Berlin geboren und lebt dort. Er liest jede Woche in der "Chaussee der Enthusiasten". Er arbeitet auch als Journalist für die "SZ", "FAZ", "taz" und andere.
Longlisted for the German Book Prize 2022 YOU GOT TO BE KIDDING ME: In a year in which young East German literature highlights the violence of the baseball bat years, the book prize gives us post-GDR literature about a rural idyll, cake and bees. WTF. Protagonist und narrator Richard Sparka travels to Schmogrow in Brandenburg where he used to spend his childhood holidays, and he brings his partner Klara and their children (all of them apparently also feature in Schmidt's novel Zuckersand). Klara works for a state office for the preservation of historical monuments, and Richard is obsessed with the preservation of his childhood world in stories and memory; thus, most of the book is him remembering the Schmogrow of the past, centering on the Tatziet family who ran the holiday spot he stayed at as a child, but branching out to the whole rural community (again: A village novel, the dominant genre of this year's book prize list, and a trend that is at least five years old - so much for cutting edge literary fiction).
We learn about the history of the place and the people during WW II and the GDR (espcecially in the last quarter of the text), and Richard also meditates on the idea of going "back to nature" - and how the trend relates to the Nazis, GDR socialism, and postmodern capitalism. Now this could make for a great topic, but unfortunately, the text remains obscenely superficial (à la "we can't really know someone, including ourselves"...*sigh*) while also being insanely long - fortunately, there is a lot of literature about German fascism and its repercussions as well as about the GDR, so if you want to add to these stores, it's not enough to mention well-known facts and present cardboard characters that are stand-ins for historical developments. This is entertainment literature at its worst, and it is longlisted in a year in which young East German literature has focused on the baseball bat years, so the violent years right after the wall came down (with Wir waren wie Brüder, Aus unseren Feuern, Nullerjahre etc.). But of course the book prize longlists none of these works, because it is rather blind when it comes to important current discussions (except for Blutbuch) - it's not like they have to jump on all the contemporary hot button issues, but to longlist THIS instead of the aforementioned young East German voices is outright ridiculous.
Why do they do that? Because the investigations on violence the other books offer are too disturbing to pass as the lowest common denominator? In "Phlox", we get cutesy pointless hihi-haha dialogue that runs for pages, and expertise on beekeeping that runs for pages, and detailed portrayals of how to do the dishes, and uninteresting descriptions of people and their experiences that partly lead nowhere, and I will never get the time back I spend reading 500 pages of this (n)ostalgic atrocity.
Richard is an obnoxious guy caught up in his prententious ruminations on beauty while shutting out his family, which could make for a captivating unsympathetic narrator, and I'm usually all here for that, but what he narrates is boring, and I have read all of that before, but better - plus the theme of beauty, although mentioned several times, is never fully elaborated on. I see that this novel intends to be a work about memory, and how memory informs the present, but why should I care about the things I'm told here, the common, the banal? Cake is great. Surprisingly, I already knew that. Jesus Christ.
Als Kind hat Richard alle seine Ferien in Schmorgorow im Oderbruch verbracht. Doch nun ist das Ehepaar, bei dem er und seine Eltern immer gewohnt haben, gestorben, das Haus soll verkauft werden. So fährt Richard mit seiner Partnerin und seinen beiden Kindern ein letztes Mal an jenen Ort, mit dem ihn so viele Erinnerungen und Eindrücke verbinden.
Wer sich auf „Phlox“ (übrigens nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022) von Jochen Schmidt einlassen möchte, muss vor allem eins: Das Tempo drosseln. Schmidt ist keiner, der gefällig schreibt, er fordert von seinen Lesern Konzentration und Geduld. Nicht durch einen elitären oder trockenen Stil, sondern durch eine Vorliebe für lange Sätze. So bandwurmt er sich gnadenlos durch die 478 Seiten seines Romans, schachtelt, klammert auf und wieder zu, biegt in Nebensätze ab, um erst dann wieder zum Anfang seiner Aussage zurückzukehren, wenn er den unaufmerksamen Leser abgeschüttelt hat.
Und auch an der Handlung kann man sich nicht festhalten, denn es gibt schlichtweg keine. Der ganze Roman besteht aus den oben erwähnten Erinnerungen und Eindrücken aus dem Schmorgorower Leben mehrerer Jahrzehnte. Keine chronologische Ordnung, wenig thematische. In manchen Momenten habe ich mich an einen sehr, sehr langen Diavortrag erinnert gefühlt. Den Diavortrag eines Unbekannten, mit denen einem eigentlich nur das Menschsein verbindet. Eines Unbekannten, der einem alle Dias zeigen will, die ihm je in die Hände gefallen sind, der zu jedem einen langen Vortrag hält und dem die Dias im Vorfeld runtergefallen und durcheinandergeraten sind.
Ein halbes Rätsel sind mir auch die auf dem Cover angekündigten „dunklen Züge“ geblieben. Es dauert fast 200 Seiten, bis man erfährt, dass unser Protagonist depressive Phasen zu kennen scheint. 200 weitere, bis Kriegserinnerungen einen neuen Ton einbringen. Aber den Großteil des Buches habe ich als ausgesprochen idyllisch empfunden, irgendwo zwischen Bullerbü und Tschechow, wenn man bei letzterem die Melancholie abzieht. Die fünfzehn in weiß auf schwarz gehaltenen Vignetten von Line Hoven haben mir zwar gefallen, der symbolische Wert blieb mir aber weitestgehend verborgen. Zwar spricht Schmidt die üblichen Fragen der menschlichen Existenz durchaus an, aber so integriert, dass man kaum dazu kommt, sich ihnen ernsthaft zu widmen.
Ich hoffe, dass der geneigte Leser meiner Rezension bis hierhin durchgehalten hab, denn jetzt kommt der Knaller: Ich bin ein wenig in „Phlox“ verliebt. Ja, ich weiß, was ich bis hierhin geschrieben habe und ja, es ist mir oft schwergefallen, mich zum Weiterlesen zu motivieren und bis zum Ende durchzuhalten. Aber dieses Buch hat unglaublich schöne Momente, die in einem Erinnerungen an winzige Details des eigenen Lebens erwecken, Bilder von Gegenständen aufleben lassen, die ein ganzes Lebensgefühl in sich tragen. Schmidt hat ein großes Talent für Atmosphäre und einen intelligenten Sinn für Humor und Situationskomik. Seine Figuren sind so lebensecht, dass man nicht glauben mag, dass es sie nicht in Wirklichkeit gegeben hat (hat es?). „Phlox“ gelesen zu haben hinterlässt in einem etwas wie ein Glühwürmchen, dessen Leuchten man erst bemerkt, wenn man das Buch geschlossen hat. Und darum, gegen alle Gründe der Vernunft, eine Leseempfehlung aus dem Innersten. Und ein Dankeschön für die erfreuliche Wiederbelebung des ß.
Richard Sparka fährt ein letztes Mal in das Haus, in dem er mit seinen Eltern jeden Sommer seinen Urlaub verbracht hat. Das Haus in Schmogrow wird nach dem Tod seiner Besitzer verkauft. Für Richard ist es das letzte Mal, dass er in die Welt seiner Kindheit eintauchen kann.
Kann man längst Vergangenes noch einmal erleben? Richard ist sich sicher, dass man das kann. Für werden die Sommer seiner Kindheit in dem Moment lebendig, in dem er durch die Tür seines Ferienhauses tritt.
Was anfangs ein Schwelgen in glücklichen Erinnerungen ist, wird bald zu einem ernüchternden Vergleich zwischen Erinnerungen und Realität. Viele der liebenswürdigen Eigenarten seiner Gastgeber haben auf einmal einen pragmatischen Hintergrund. Erinnerungen an heitere Gespräche am Esstisch lassen ihn auf das Verhältnis der Beteiligten untereinander blicken und diese Einblicke sind nicht immer schön. In das Zurechtrücken der Erinnerungen kommen auch immer mehr Gedanken über sein Leben, seine Beziehung zu Klara und zu seinen Kindern.
Ich habe mir mit dem Buch aus vielen Gründen schwer getan. Zum einen habe ich Richard Sparka als einen unsympathischen Protagonisten empfunden. Auch fand ich die Art, in der er seine Geschichte erzählte, anstrengend. Über weite Stellen war es ein Aufzählen von Fakten und Erinnerungen, über die er sich aber nur wenige Gedanken machte. Das hat er mir überlassen und die Schlüsse, die ich gezogen habe, waren meistens nicht zu seinem Vorteil. Für meinen Geschmack hat er besser in das Haus in Schmogrow gepasst als zu seiner Familie, die mit ihrer Lebendigkeit nicht in das staubige Ambiente gepasst hat.
Richard, der Icherzähler, kommt ein letztes Mal nach Schmogrow im Oderbruch. Das Anwesen, in dem er die Sommerferien seiner Kindheit verbrachte, soll nach dem Tod der Besitzer verkauft werden. Mit Frau und Kindern besucht er es nun ein letztes Mal und macht sich auf Spurensuche.
Es passiert wahrlich nicht viel, auch die Erinnerungen, die reichlich ausgegraben werden, bleiben unspektakulär. Nur in Nebensätzen erfahren wir ein bisschen was über den maroden Zustand der gegenwärtigen Beziehung (Richard und Klara gehen sich auf die Nerven und daher möglichst aus dem Weg).
Der Hof des Ehepaars Tatziet in Schmogrow war zu DDR-Zeiten eine Art Sommerpension für Feriengäste aus Berlin und Verwandte aus dem Westen. Man fuhr mit dem vollgepackten Trabi hin und traf da ein Völkchen von Künstlern und Kulturleuten, auch mit Sack und Pack und Kindern, und genoss gemeinsam ein paar Wochen in einer seltsamen Mischung aus Bäuerlichkeit und Bohème (Herr Tatziet arbeitet als Lateinlehrer an der örtlichen Oberschule und von den Gästen wird erwartet, dass sie am Hof tatkräftig mithelfen).
Das Dorf ist stark geprägt vom Zweiten Weltkrieg - Anfang 1945 kam es hier zu einem letzten mörderischen Aufeinandertreffen von Wehrmacht und Roter Armee, im Boden zeugen Granatsplitter und Tretminen davon, Herr Tatziet verlor damals als junger Soldat einen Arm. Auch die anschließende Sowjetherrschaft mit ihren tausendfachen Vergewaltigungen hat Narben bei den Dörflern hinterlassen, mit den Flüchtlingstrecks kamen neue Bewohner, während andere von den Zeitläuften fortgespült wurden. Immer wieder kommt die Rede auf 1945 und die Umbrüche, die damit einhergingen.
Sonst sind die Erinnerungen eher unpolitisch. Die deutsche Teilung ist ein Fakt, mit dem sich alle ebenso abfinden wie mit der Wende von 1990 und damit, dass der Westen materiell reicher ist. Aber ums Geld geht es den Gästen bei Tatziets ohnehin nicht. Jochen Schmidts Alter Ego Richard sammelt die Spuren der Erinnerung, eher denkmalpflegerisch-bewahrend als nostalgisch-sehnsuchtsvoll, er erinnert sich genau und malt nichts rosa, die Mückenstiche sowenig wie das Plumpsklo im Hof. Angesichts der trockenen Dialoge und Sprüche kam mir manches Mal Walter Kempowski in den Sinn, dann klingt es wieder mehr nach der aufrichtigen Vergangenheitserkundung eines Günter de Bruyn (dessen Werk erwähnt wird und der sein Refugium nicht weit von Schmogrow gefunden haben muss). Richard beklagt die Veränderungen, die mit den Jahren nicht zu vermeiden sind, eher aus ästhetischer Sicht: Die neugebauten Siedlungshäuser sind einfach hässlich, darunter leidet er.
Nein, viel passieren tut nicht. Und kluge Schlussfolgerungen kann man auch keine ziehen aus diesem Buch. Und so einen autofiktionalen Sog à la Knausgård entfaltet es erst recht nicht. Man liest es trotzdem sehr gern (ich hab mich auch nicht an den langen Sätzen gestört, die andere Leser_innen monieren). Am Ende wollte ich drei Sterne geben. Und dann beugte ich mich zurück und es erschien mir, als seien drei Sterne dann doch eine Watschen für den Text, die er nicht verdient hat. Fragen Sie nicht, wieso. Ich weiß es auch nicht.
Nach 200 Seiten habe ich kapituliert und den Rest nur noch grob durchgeblättert. Mein Fazit: zu laaaaang (Buddenbrooks und Zauberberg mag ich, also keine Abneigung gegen lange Bücher). Aber hier? Es zieht sich und alles wiederholt sich in wenig abwechslungsreichen Variationen. Wie ein niedergeschriebener Gedankenfluss, leider ohne System, Ziel und Plot. Zudem ist mir der Ich-Erzähler nicht sonderlich sympathisch. Ich setze das Buch gleich hier im Urlaubshotel aus - vielleicht macht es ja dann noch jemanden glücklich.