Los Angeles 1984. Roland Farwick patzt beim Weitsprung. Das kostet den weltbesten Zehnkämpfer die Medaille und seine Karriere. Zwanzig Jahre später wird er angeschossen; prompt setzt er sein still gestelltes Leben wieder in Bewegung. Er gründet eine Familie. Und gewinnt einen Partner. Der ermittelnde Hauptkommissar Ludger Grambach ist einer der Millionen, die Zeugen von Farwicks Schicksal wurden. Und seine eigene Geschichte als gescheitertes Genie ist mit der des Zehnkämpfers eng verknüpft. Statt Freundschaft aber beginnt ein Duell, das sich an der Oberfläche der Ermittlungsarbeit und in den Tiefen eines Internetspiels abspielt. Bis alles, was vor zwanzig Jahren aufgeschoben wurde, endlich ausgetragen werden muss. Burkhard Spinnens Roman MEHRKAMPF nutzt virtuos das Krimi-Genre, um über Mittvierziger zu erzählen, die sich gegen das Älterwerden stemmen. Der Zehnkämpfer verwaltet seine Geschichte. Der ehemals Hochbegabte wartet immer noch darauf, dass er seine Bestimmung findet. Spinnen bringt das Kunststück fertig, einen spannenden Kriminalroman und zugleich ein Lehrstück über eine ganze Generation von Männern und ihre Flucht vor der Verantwortung zu schreiben.
Was einem in der Trödelhalle so in die Hände fällt. Literatur über die männliche Midlife Crisis war mit Mitte Zwanzig eigentlich nicht auf meiner Lesewunschliste, aber war spannend.
Was mein Interesse geweckt hat war, dass man sich nach Berufseinstieg viele der Fragen, die die Protagonisten quälen schonmal "in Klein" stellt: Wo steh ich jetzt, wo könnte es noch hingehen, wo möchte ich nicht enden.
Spannende Figuren sind sie auf jeden Fall; Farwick und Grambach - zwei Namen, die genauso gut aus irgendeiner Fantasyromanze stammen könnten. Dass es nie zur Romanze zwischen den beiden kommt wurde auch von vielen kritisiert, aber es wäre dem endlosen Nebelmeer an Verwirrung, das diese zwei Mittvierziger durchwandern nicht gerecht geworden.
Sie sind wie Enzyme, die ihre Form in dem Moment, da sie mit etwas interagieren verändern. Ebenso sind sie emotionale Bergwerke; sagen das eine und tun das andere, verstehen sich selbst nicht, interessieren sich oft nicht für die Gefühle anderer und riskieren eben mal Familie, Partner, oder Beruf für ein vages Gefühl von "Ich brauch das".
Hinter all dem die Angst vor dem endgültigen Scheitern - beide haben große Niederlagen einstecken müssen und beiden wurde in jungen Jahren immer die Welt versprochen dank ihrer Talente. Beide treiben nun im mittleren Alter als ziellos dahin.
Aber leider kommt es nicht wirklich zu Entwicklungen, sondern eher immer mehr Verwirrung. Die Motive werden unergründlicher, es treten immer mehr Leute auf, die irgendwas Verpasstem nachhängen und dann endet das Buch.
Vielleicht ging manches mangels Eigenerfahrung auch einfach über meinen Kopf hinweg - kaputte Ehen und die Wahrnehmung, dass die besten Jahre schon lange zurückliegen sind Dinge, die mir bisher erspart bleibt eben.
Damit kommen wir aber zum Hauptproblem des Buches: Vieles funktioniert eher über Andeutungen, was zu Beginn auch den Reiz ausmacht. Sobald die Geschehnisse Fahrt aufnehmen, verwirrt es aber viel mehr. Irgendwo im letzten Drittel ist die Handlung dann komplett zerfasert und leider verpasst das Buch so sein Potenzial zum Kult-Klassiker. Hinsichtlich der Geschichte der Hauptfiguren geradezu ironisch.
Since this one is the first book I review within goodreads, the number of stars is rather arbitrary. There is no reference scale as of yet. So far I do not intend to post any "bad" book or a book that in my opinion is not worthwhile reading, so three stars could be anything between "liked it" and "recommend to read".
I discovered Burkhard Spinnen only recently during a public reading of Mehrkampf. Never read anything by him before.
Mehrkampf has three layers: the first one is a mystery plot where a formely famous athlete is wounded by being shot at in a public place in a non-descript medium-sized German town where he has no connections. The inspector in charge to solve this crime relates his personal history strongly to the athletes history without the latter being aware of this. The story is well written and leads you through the whole scenario of guessing who the assassin might be. The second layer is the unrelated but still interwoven past of the two protagonists, the athlete and the police man. The athlete achieved a world record in decathlon 20 years ago and was on the path to become really famous and then failed miserably in the Olympics of ´84. The police man was a former prodigy who witnessed this failure live on TV and took it as a cue to put his own life in a holding position. The history of both men is told. Both men are likeable enough and weird enough to get you interested in their history. The third layer of the story is about the purpose of life and the fact that by trying to achieve something great and memorable or waiting for an opportunity to do do so a whole lifetime can be wasted. Both men find that out only in their mid-forties, but at least they do find it out.
The title of the book does not translate easily into English, close would be multi-discipline competition, which applies nicely to all individual layers of the book, to the underlying main theme, to the obvious sports story, to the double guessing of the cirme solving. In addition in German it would also be the imperative "more fight!" and this could be said to both main characters of the book.
I recommend this book to reading and I myself got very interested in reading more from this author.
Burkhard Spinnens Roman über den gescheiterten Zehnkämpfer Roland Farwick und ein Attentat auf ihn ist brilliant geschrieben und die Lektüre macht wirklich Spass. 20 Jahre nach seinem kläglichen Scheitern bei den olympischen Spielen wird Roland Farwick angeschossen. Der Kommissar Ludger Grambach ermittelt in diesem Fall und fühlt sich auf seine eigene Weise mit dem ehemaligen Sportler verbunden, denn auch er fühlt sich als gescheitertes Genie. Die Geschichte der beiden Männer sowie ihre Beziehungen zu Frauen schildert Burkhard Spinnen so einfühlsam und gleichzeitig häufig nur in Andeutungen, dass man annehmen kann, Kommissar Grambach selber hat auf Farwick geschossen... .