Ein ruhiger Roman, in dem es um den störrischen Onkel Ivar geht, der zu alt wird, um sich um Storsenn zu kümmern, den See, der in der Familie bleiben soll. Obwohl er nicht viel von ihm zu halten scheint, wählt er Jon als seinen Nachfolger – und bringt ihm innerhalb von einer Woche alles bei, was er über das Fischen, Kunst und das Leben wissen muss.
Wie der Titel vermuten lässt, sind die Forellen, die ihnen in die Netze gehen sollen, ein großes Thema. Aber es geht um mehr, nämlich darum, in der Arbeit da draußen etwas von sich selbst zu finden; zu erkennen, wie viel das Leben der Fische da unten im Wasser mit dem hier oben an Land zu tun hat.
Onkel Ivar schießt den einen oder anderen Giftpfeil ab, während Jon die ihm diktierten Weisheiten im blauen Notizbuch festhält, um im nächsten Jahr allein klarzukommen mit dem See.
Der Epilog nimmt dem Roman etwas von der Schärfe – und hält den einzigen „Schockmoment“ des Buches bereit, von dem ich nicht weiß, ob er der Geschichte guttut. Auch die Sicherheit, die aus dem Schlusssatz spricht, irritiert mich, vor allem, weil ich die Verlegenheit in den Szenen davor so mochte. Möglicherweise soll hier die Entwicklung unterstrichen werden, denn die macht der verantwortungsscheue Jon definitiv durch.
Insgesamt ist „Das Fischerhaus“ ein lesenswerter Roman für alle, die eine ruhige Geschichte mit einem störrischen und einem weicheren Charakter lesen wollen, die durchaus ein wenig Deutungsspielraum mitbringt, und sich zwischen Tradition und Fortschritt, dem Nachdenklichen und Treibenden, dem Unterbewusstsein und Überzeugungen, Schatten und Licht abspielt. So wahr wie der Prolog behauptet, ist die fiktive Story nicht – und doch enthält sie ganz schön viel Leben. Von mir gibt’s 3,5 *.