Mürrischer Held findet sein Glück
„Grumpy Baby Daddy“ ist meine erste Leseerfahrung mit Sophia Bent ihren Werken. Ich war auch schon sehr neugierig, weil ich derzeit sehr einfach gestrickte Geschichten gerne lese. Und auf eine solch einfache Liebesgeschichte mit einem offensichtlichen HEA habe ich mich wirklich gefreut.
Die Geschichte von Izzy und Cruz hat mir gut gefallen. Ich mag Izzy. Sie ist eine selbstbewusste, selbstständige junge Frau und Mutter, die für ihre Überzeugungen einsteht. Sie hat trotz aller Widrigkeiten studiert und versucht nun finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, um sich und ihren Sohn ein gutes Zuhause und eine gute Zukunft zu sichern. Dafür tut sie etwas, was für sie schwer schwierig ist: sie ist in ihre Heimatstadt zurückkehrt und bittet den besten Freund ihres Bruders um einen Job.
So sehr, wie ich Izzy auch als Charakter mag, kann ich sie nicht kritikfrei betrachten. Ich verstehe bis zu einem bestimmten Punkt, warum sie Cruz nicht gesagt hat, dass er Vater ist. Aber letztlich hat ihr Kind ein Recht darauf zu erfahren, wer der Vater ist. Zudem hat der Vater ein Recht darauf zu wissen, dass er Vater ist, sodass er die Möglichkeit hat, sich um sein Kind zu kümmern und eine Verbindung zu diesem aufzubauen. Daher verstehe ich es nicht, dass diese junge, dynamische und moderne Frau es nicht fertigbringt, dem Vater ihres Kindes zu sagen, dass er ein Kind hat. Das finde ich traurig. Ich habe nur eingeschränkt Verständnis für eine derartige Verhaltensweise.
Cruz ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er ist froh darüber, dass Izzy wieder zurück ist und gibt ihr den Job zwar nur widerwillig, aber er weiß, dass er sie anders in ihrer Heimatstadt nicht halten kann. Cruz ist kein Mann für feste Beziehungen, dennoch fühlt er sich schon seit Jahren zu Izzy hingezogen. Denn er ist letztlich einer der Gründe, warum sie in einer Nacht- und Nebelaktion verschwunden ist. Er versucht, seine Gefühle für Izzy zu unterdrücken, aber das fällt ihm sehr schwer. Allerdings ist er für andere alltägliche Dinge etwas sehr blind. Er ist ein sympathischer Charakter mit einem harten Lebensweg, den er bisher vor Izzy verheimlicht hatte, aber er hat etwas aus sich gemacht. Und das auch noch dank seines besten Freundes. Darum möchte er seinen Gefühlen für dessen kleine Schwester nicht zulassen. Nachvollziehbar, aber auch irgendwie dämlich. Viel dämlicher finde ich es, dass ein so engagierter Mann, der sich in verschiedenen Wohltätigkeitsprojekten einbringt, meint, er hätte kein Recht darauf glücklich zu sein bzw. wäre es nicht wert, eine Familie zu haben.
Die Protagonisten finde ich insgesamt sehr gut in Szene gesetzt, allerdings bleiben sie mir doch etwas zu oberflächlich. Man lernt Izzy und Cruz kaum wirklich kennen. Das finde ich sehr schade, da ihnen dadurch etwas Tiefe und Lebendigkeit abhandenkommt. Die beiden scheinen in ihren eigenen Universen zu leben, aber das passt hier nicht komplett. Persönlich hätte ich es befürwortet, wenn die beiden Protagonisten auch mehr Zeit mit Freunden verbracht hätten. Bei Izzy lernt man kaum etwas über die Zeit ihres Studiums kennen und wie sie sich mit einem Kind an der Seite durchgeschlagen hat. Das finde ich unglaublich schade. Einen tieferen Einblick darin hätte ihrem Charakter sicherlich mehr Tiefe verleihen können. Besonders, wenn man die eine oder andere beste Freundin miteingebracht hätte.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und ich habe es genossen, die Geschichte von Izzy und Cruz zu lesen. Der abwechselnde Perspektivwechsel zwischen den Perspektiven der Protagonisten hat dazu beigetragen, dass man etwas die Gedanken- und Gefühlswelt von ihnen kennenlernen konnte. Allerdings bliebt mir das insgesamt gesehen etwas zu oberflächlich. Ich bin mir sicher, dass die Autorin hier noch etwas mehr Tiefgang und Emotionalität einbringen kann.
Das Ende ist sehr schön, allerdings für meinen persönlichen Geschmack etwas zu perfekt. Die Puzzleteilchen fügen sich zu ideal ineinander, was das Ende sehr konstruiert und künstlich erscheinen lässt. Es hat mir zwar ein paar Tränchen in die Augen getrieben, aber ich hätte es mir etwas realistischer gewünscht.
Dennoch ist es eine schöne Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen, sympathischen Charakteren und einer interessanten Handlung. Wer hier große Kunst erwartet, in der alle Fäden wirklich gut miteinander verstrickt sind, wird leider etwas enttäuscht sein. Potential ist durchaus vorhanden, bleibt aber zeitweise ungenutzt, da auch bei der Handlungs- und Beziehungsentwicklung nicht alles konzeptionell gut bedacht und umgesetzt wurde.
Hinweis: Das Buch habe ich als digitales Rezensionsexemplar via Booksprout im Austausch für eine ehrliche Rezension erhalten.