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Brandmal des 52-jährigen britischen Autors Craig Russell hat dieselben Stärken und Schwächen wie Blutadler und Wolfsfährte, die ebenfalls um das Team des Hamburger Polizisten Jan Fabel kreisen, und in einem Fall könnte eine Schwäche vielleicht auch eine Stärke sein (oder umgekehrt). Denn der Versuch, den zunächst englischsprachigen Lesern die kriminelle Landschaft von Deutschland und Hamburg nahe zu bringen, wird manchem Leser hierzulande allzu merkwürdig erscheinen. Die Art und Weise, wie der Autor den Terrorismus des deutschen Herbstes in seinen teils arg brutalen Thriller einwebt, will so gar nicht zu dem passen, was wir von ihm zu wissen glauben. Und auch die Erläuterungen zu Hamburg erscheinen für jemanden, der schon einmal etwas von der Stadt gehört hat, arg befremdlich. Auf der anderen Seite macht der dadurch entstehende Verfremdungseffekt Hamburg nur fremder -- und damit noch bedrohlicher. Und das tut der Fabel um Fabel natürlich auch ein wenig gut.
Nicht gut hingegen tun Brandmal die vielen sprachlichen Holprigkeiten und Ungenauigkeiten, von denen es fast auf jeder Seite welche gibt. Unter einem Kommissar, der „etwas über mittelgroß“ ist, weiß man sich so gar nichts vorzustellen. Warum die Helden sagen „Das war wirklich eine wunderbare Mahlzeit“, wenn sie meinen, dass es lecker war oder wundervoll geschmeckt hat, irritiert. Und warum statt Frisuren im Buch ausgerechnet Haare „Geheimratsecken aufweisen“ (die sich ja gerade im Fehlen jeglichen Haares manifestieren), ist nur schwer nachzuvollziehen. Die Liste solcher ärgerlichen Beispiele ließe sich endlos weiterführen. Vielleicht sollte der Lektor in Personalunion mit dem Übersetzer hier beim nächsten Fabel-Fall etwas genauer sein. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
415 pages, Paperback
First published January 1, 2007