Hätte meine Mutter Coco nicht zum Duschen eingeladen, hätten wir nie in ihrem Tagebuch gelesen. Hätten nie erfahren, was es heißt, aus dem Leben geworfen zu werden. Abzuhauen und auf stinkenden Sofas bei fremden Menschen zu schlafen. Hätte, hätte … denn jetzt ist es zu spät: Coco ist spurlos verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist, und uns beschleicht ein schrecklicher Verdacht. Kann es sein, dass Coco den falschen Leuten vertraut hat? Louise und ich (14) müssen Coco einfach finden. Die Zeit rennt. Fesselnd. Raffiniert. Aufwühlend. Laut dem Deutschen Jugendinstitut leben in Deutschland 37000 Kinder und Jugendliche auf der Straße oder sind wohnungslos, davon 7500 Minderjährige. In Berlin gibt es Schätzungen zufolge etwa 2500 obdachlose Straßenkinder. Die Figur der Coco ist eine von ihnen. Durch diesen rasanten Jugendroman mit seinem unverwechselbaren Sound rückt sie ganz nah an die Leserinnen und Leser heran.
Amra und ihre Mutter gehen häufiger in einem Park nahe ihrer Wohnung zusammen joggen. Dort treffen sie auf ein junges Mädchen – Coco, welches offensichtlich auf der Straße lebt. Ohne groß nachzudenken, bietet Amras Mutter diesem an, bei ihnen zu duschen. Doch als Coco kurz danach spurlos verschwindet und nur ihr Tagebuch zurück bleibt, findet sich Amra schnell in einer abenteuerlichen Suchaktion wieder.
Mein Eindruck:
Mein Interesse für dieses Buch wurde durch die Frage geweckt, ob ich Obdachlose bei mir duschen lassen würde. Diese Frage hatte ich mir zuvor nie gestellt, sie hat mich auch noch eine ganze Weile beschäftigt und ich habe bis jetzt keine endgültige Antwort. Das Buch wollte ich danach unbedingt lesen.
Berlin machte, als Handlungsort, die Geschichte greifbarer als eine Story, die in einem anderen Land spielt. In jeder Szene wurde die Umgebung detailreich beschrieben und ließ somit Bilder vor meinem inneren Auge entstehen.
Auch Coco war sehr charakteristisch mit ihren roten Haaren. Ihr fühlte ich mich am meisten zugetan, weil ich sie dank der Tagebucheinträge genau kennen lernen durfte. Der Sprachstil ihrer Einträge und auch der optische Gestaltungsunterschied gefielen mir sehr. Als Leserin erfuhr ich stückweise, wie es Coco ergangen und warum sie obdachlos ist, wie sie damit umgeht und was sie sonst noch beschäftigt. Diese Darstellungsart, empfand ich als äußerst kreativ und erfrischend.
Außerdem gaben die Illustrationen nicht zu viel vor. Das bedeutet, dass sie zwar zur bildlichen Veranschaulichung dienten, aber abstrakt genug blieben, um den Einfluss der eigenen Fantasie zuzulassen. Generell ließ sich das Buch sehr gut lesen und ich fand schnell in das Geschehen.
Durch Amras Suche wurde man als Leser, spielend über das Thema Obdachlosigkeit und Dienstleistungen in diesem Bereich aufgeklärt, was ich extrem interessant fand. Zusätzlich wurde Spannung aufgebaut, da man immer nur so viel wusste, wie Amra und ihre Freundin Louise.
Ein weiterer Aspekt, der mir wirklich gefallen hat, war der Unterschied zwischen Coco und Amra und die Entwicklung letzterer. Im Buch wurde nichts beschönigt, es blieb hart und ehrlich.
Vermutlich hat Cocos Geschichte nicht nur Amra etwas bodenständiger, reflektierter und dankbarer werden lassen. Ich habe so vieles aus diesem Buch mitnehmen dürfen und kann es wärmstens empfehlen.
Trotz der Jugendbuch Kategorie, eignet es sich auch für eine ältere Leserschaft, da spielerisch faktisches Wissen vermittelt wird und es sich somit nicht nur um eine fiktive Geschichte handelt. Meiner Meinung nach, sollte das Buch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch in Schulen angeworben werden.
Berührend, facettenreich und absolut packend – Ein Jugendkrimi der überzeugt!
„Das Mädchen in unserem Badezimmer“ von Henrik Hitzbleck ist ein Buch mit echtem Mehrwert und damit nicht nur für Jugendliche absolut lesenswert. Den eingewebt in die wirklich spannende Krimihandlung, finden sich zahlreiche Informationen rund um das Thema Obdachlosigkeit, insbesondere in Bezug auf Jugendliche. Die Handlung startet bereits richtig stark, nämlich damit dass Amras Mutter, Coco zum Duschen in ihre eigene Wohnung einlädt. Sensibel aber doch auch offen gelingt es dem Autor dabei seine Protagonist:innen vielschichtig darzustellen. Besonders gut gefielen mir hierbei gerade die zugestandenen Schwächen in Form von herausgearbeiteten negativen Gefühle wie Ekel oder Misstrauen. Denn einen fremden Menschen in die eigene Privatsphäre des heimatlichen Badezimmers zu lassen, kostet nun mal Überwindung. Und auch im weiteren Verlauf zeichnet sich das Buch durch seine durchdachte und lebensnahe Vielschichtigkeit aus. Denn auch wenn Amra und Louise ihr Herz definitiv am rechten Fleck haben, geraten auch sie, bei ihrer Suche nach Coco, immer wieder an persönliche Grenzen. Die Handlung ist auch deshalb so fesselnd, da von Beginn an große Spannung aufgebaut wird. Gemeinsam mit den Freundinnen gibt der Autor seinen Leser:innen ganz Nebenbei informative, wie auch faszinierende Einblicke in Hilfsangebote für obdachlose Menschen. Äußerst gelungen fügen sich diese Erkenntnisse in die Suche nach Coco ein und lassen die Handlung wirklich an keiner Stelle langweilig erscheinen. Der Schreibstil liest sich flüssig und angenehm leicht und passt sprachlich zu einem Jugendbuch. Außerdem besticht das Buch durch seine hochwertige Aufmachung. Nicht nur das Cover ist toll gestaltet, auch im Inneren finden sich ansprechende Zeichnungen. Auch deshalb eignet sich das Buch wunderbar zum verschenken. Nicht belehrend aber doch eindringlich vermittelt der Krimi eine wichtige Botschaft: Hinschauen lohnt sich immer und helfen geht oft einfacher als gedacht!
Amras Mutter lädt überraschend ein obdachloses Mädchen ein, bei ihnen im Haus zu duschen. Amra ist wenig beglückt, möchte aber dem Mädchen helfen, nachdem sie deren Geschichte in ihrem Tagebuch liest, das diese im Badezimmer vergessen hat. Eine lange Suche nach Coco beginnt. Amra lernt dabei viel Neues über das Leben auf der Straße. Als Leser begleiten wir Amra, die in der Ich-Perspektive erzählt. Zwischendurch lesen wir einzelne Abschnitte von Cocos Tagebuch. Diese hatte eine schwere Kindheit und ist schlussendlich auf der Straße gelandet. Amra befürchtet zwischenzeitlich das Coco in Gefahr ist und lässt kein Mittel sie zu finden unversucht. Das Buch ist teilweise richtig spannend, wobei mir die Auflösung nicht so ganz gefallen hat. Die Spannung ging mir zu rapide bergab und nicht alles, wie z.B. das Verschwinden eines anderen Mädchens, wird aufgeklärt, aber dafür ist es realitätsnah. Toll finde ich, dass man viel über das Leben auf der Straße und verschiedene Hilfsangebote erfährt. Insgesamt ein informativer und spannender Jugendkrimi, der auf jeden Fall weiterzuempfehlen ist.
Inhalt: Ich mochte von der ersten Seite an die Geschichte sehr gerne. Und die Geschichte hat sich nie gezogen. Man ist nur so durch die Seiten geflogen.
Charakter: Ich mochte amra, Luise und coco sehr gerne als Protagonistinen da die Freundschaft und Hilfsbereitschaft zwischen ihnen so toll war.