Voll von unlogischen Aussagen, falschen Definitionen und fragwürdigen Ratschlägen. Er bezeichnet sich als "Multigender" und ist daher der dreisten Meinung, sich mit Männern und Frauen identifizieren zu können. Stellt sich als auf gleicher Ebene mit einer Trans-Frau dar (siehe Ankedote über seine Begegnung mit Ángela Ponce: "Ich habe immer davon geträumt, selbst hier [Wettbewerb Miss Universe] teilzunehmen. Dich hier zu sehen, macht mich umso glücklicher. Es ist, als wären meine Träume wahr geworden."). Er behauptet gleichzeitig, sich in seinem männlichen Körper wohlzufühlen und nie eine Dysphorie verspürt zu haben. Nichts davon hat etwas mit Trans-Sein zu tun. Dann sagt er ausserdem plötzlich aber wieder: "Ich bin aber auch nicht transgender, da ich mich ja nicht für eine Frau halte."
Die Beschreibung seiner Beziehung zu seinen Eltern wirkt wie ein Schönreden oder Zurechtbiegen, damit es in sein positives-Mindset-Narrativ passt. Zum Beispiel hat er sich als Kind seine Fingernägel gerne lackiert. Seine Mutter sagte dann zu ihm, dass sie nicht will, dass er als Erwachsener "solche Sachen" macht. Zuerst dachte er, dass sie damit meinen würde, dass sie nicht will, dass er als erwachsener Mann einmal "weibliche Dinge tue", was ihn als Kind gekränkt und verängstigt hat. Jahre später stellte die Mutter angeblich klar, dass sich ihre Aussage darauf bezog, dass sie Nagelack gesundheitschädlich findet und das deswegen zu ihm als Kind gesagt hatte. Dies ergibt in meinen Augen keinerlei Sinn, denn wieso sollte sie ihr Kind Nagellack tragen lassen, wenn sie diesen doch für schädlich hält? Vorallem für ein Kind wäre es doch umso gesundheitsschädlicher und nicht erst für einen Erwachsenen. Und wieso formulierte sie das Ganze mit "solche Sachen"? Es ist offensichtlich, dass diese Seite ihres Sohnes für sie in Ordnung war, solange er ein Kind war, sie aber später die "weibliche Seite" an ihrem irgendwann einmal erwachsenen Sohn ungern hätte sehen wollen und deswegen gesagt hat, dass er "später solche Sachen nicht mehr tun soll". Ich weiß nicht, wer sich hier was zurechtlügt. Vielleicht sind hier auch wichtige Bedeutungsnuancen durch die Übersetzungen verlorengegangen. Nishimura jedenfalls stempelt diese Begebenheit als Missverständnis seinerseits ab. Diese Stelle war für mich eine der unangenehmsten, unglaubwürdigsten und konstruiertesten Passagen des Buches.
Er behauptet, dass es kein "konventionell" gibt und er diesen Begriff nicht ohne weiteres verwenden würde, benutzt ihn oder Synonyme dann aber doch an verschiedenen Stellen. Ebenso benutzt er den Begriff "einzigartig" oder Synonyme davon immer wieder - das alles ist so widersprüchlich, dass es weh tut. Ich bin der Meinung, wenn es nichts Konventionelles gibt, kann es auch nichts Einzigartiges geben. Aber der woke Begriff der Einzigartigkeit hat natürlich die volle Berechtigung in seiner "ich-bin-anders-als-die-anderen-und-wir-alle-sind-bunt-und-einzigartig"-Welt. Dieser Mensch ist entweder hochgradig naiv und verwirrt, oder sein Charakter so sehr von blinder Selbstüberzeugung übersättigt, und das disqualifiziert ihn in meinen Augen hinsichtlich des Schreibens eines halben Selbsthilferatgebers, wie es dieses Buch zu sein versucht. Die sich ständig wiederholenden Floskeln zur Selbstliebe/Selbstakzeptanz haben keinen Mehrwert und tauchen zusammenhangslos im Fließtext auf, was bei mir regelmäßig ein befremdliches Gefühl ausgelöst hat.
Hinzu kommt seine unsympathische, auf das Aussehen/Styling fixierte, bewertende und überhebliche, hochnäsige Art und Weise, die sich durch das ganze Buch zieht:
"Eines Tages sah ich ein Topmodel in einem neonlilafarbenen Outfit, das ihr überhaupt nicht stand, und kurz darauf eine ältere Dame, die kein Model war, aber ein korallfarbenes Kleid trug, das ihr wunderbar stand. Ganz ehrlich? Die reife Dame sah viel bezaubernder aus."
"Mir ist die Gabe zugefallen, Menschen so zu sehen, wie sie sind. [...] Ich glaube, dass meine Existenz für andere etwas Befreiendes hat."
"[...] dass ich durch mein Anderssein Dinge tue und verstehe, die andere nicht in der Lage sind zu tun oder nachzuvollziehen [...]"
"Ich bin ein Meister im Aufspüren von Fehlern. Ich weiß genau, ob jede deiner Haarsträhnen in die richtige Richtung fällt und ob deine Fingernägel sauber geschnitten sind; ich finde die Falten in den Kleidern und weiß sogar, wie du dich fühlst, weil ich die feinen Nuancen in deiner Mimik lesen kann. Ich erkenne an der Art, wie du dich gebärdest, ob du in deinem Zuhause Ordnung hältst!"
Eingebildeter, abgehobener und wahnhafter geht es echt nicht mehr. Die Ausrufezeichen hinter manchen Sätzen haben mich auch total genervt und machen den Inhalt noch plumper, als er eh schon ist.
"Bestimmt sind noch mehr Leute da draußen, die gern Make-up und High Heels ausprobieren würden, aber zu viel Angst vor Kritik haben."
Junge, du kritisierst hier doch die ganze Zeit Äußerlichkeiten.
"Zum Beispiel habe ich gelernt, dass immer genug Geld da sein wird, wenn du deiner Leidenschaft nachgehst. Jagst du dem Geld hinterher, wirst du das dein Leben lang tun müssen, während du, wenn du machst, was du liebst, genug verdienen wirst und am Ende glücklicher bist. Dieses Vertrauen fehlte mit früher, ich habe es von einer indischen Freundin gelernt, die für die Weltbank arbeitet."
LOL.
Und ständig fängt er seine Beschreibungen mit der Info an, aus welchem Land diese oder jene Person kommt, ohne dass es von irgendeiner Wichtigkeit wäre. "Mein spanischer Freund glaubt mir jedes Wort". (Das Zitat gibt es nicht wirklich, sondern verdeutlicht nur den Informationsgehalt und das Niveau seiner Aussagen.) Das hat mich ebenfalls sehr genervt und zeigt, wie oberflächlich und stupide dieser Typ ist und wie fixiert er auf stumpfsinnige Attribute ist. Er tut genau das, wovon er selbst erwartet, dass man darüber hinwegsehen sollte.
Dieses Buch ist absoluter Müll.