In der Moderne dominierte der Glaube, die Welt ließe sich gestalten und der Fortschritt sorge quasi automatisch für ein besseres Morgen. Erderwärmung, Wachstumskrise und subjektive Überlastungen haben diesen Optimismus erschüttert. Heute geht es in erster Linie darum, die Katastrophe abzuschwächen. Und selbst wenn dies gelingen sollte, werden wir mit dem Wandel umgehen müssen. Fragen der Selbsterhaltung überlagern dann jene der individuellen und kollektiven Selbstentfaltung. Anpassung wird zum Leitmotiv der Gesellschaft.
Auch die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass wir im Angesicht der Interdependenz und der ökologischen Gefahren nicht länger der grenzenlosen Emanzipation huldigen können. Stattdessen, so Philipp Staab, wird die nächste Gesellschaft vor allem mit der Stabilisierung einer prekär werdenden Ordnung befasst sein. Daraus resultiert allerdings eine Krise des Selbst- und Zeitverhältnisses, auf die auch die Linke eine Antwort finden muss.
Ein sehr schlaues Buch mit einem ausnahmsweise interessanten empirischen Teil, was präzise aktuelle und künftige Probleme auf faktischer und diskursiver Ebene analysiert, jedoch in der Schlussfolgerung unbefriedigend bis problematisch ist. Vielleicht ist das aber auch das konsequentes Ergebnis der vorangegangenen Analyse. Mir schmeckt das nicht, Lektüre lohnt sich aber in jedem Fall.
In vielen Punkten interessante Analyse zu Anpassung (v.a. an die Klimakrise), viele spannende Gedanken & Anstöße mitgenommen. Deshalb 3,5-4 Sterne, obwohl ich auch viel Kritik habe:
Analyse: Stellenweise fand ich die Gegenüberstellung von zukunftszentrierte Moderne vs. gegenwartsorientierte Anpassung interessant, stellenweise wurden daraus Schlussfolgerungen abgeleitet, mit denen ich nicht mitgehen würde. Auch die Rolle großer Konzerne im Bereich digitaler Infrastruktur & Platformen wird nicht ausreichend bewertet.
Empirie: zT konnte ich (zumindest aus den präsentierten Interviewpassagen) zentrale Schlussfolgerungen (insb. den "ludisch-experimentellen Charakter") nicht oder nur nebensächlich herauslesen. Andere Aspekte, zB autoritäre und antidemokratische Tendenzen in vielen Analysen der Interview-Partner*innen sind mE unterbewertet worden. Woher die Zustimmung für/der Wunsch nach undemokratischen Herrschaftsformen kommt, wird kaum diskutiert. Entsprechend hat auch die politische Schlussfolgerung an Stellen blinde Flecken & ist meiner Meinung nach politisch problematisch.
Außerdem stellenweise echt unnötig kompliziert geschrieben