Jutta Voigt erzählt die Geschichte ihrer Familie zwischen Krieg und Frieden, Diktatur und Bohème, Vergebung und Vergessen – ihr bislang persönlichstes Buch.
Margit, die wilde Mutter, war achtzehn, als sie den blonden, hochgewachsenen Willi traf. Drei Wochen nach Judys Geburt überfiel Hitler die Sowjetunion, und das Kind sah den fernen Vater erst wieder, als es sieben Jahre alt war. Die hoffnungsvollen fünfziger Jahre enden im tiefen Fall: Willi erliegt dem Alkohol, weil er den Krieg und was er tat vergessen muss. Judy schafft als Einzige in der Familie den Aufstieg: Sie trifft Henri, den genialen Regisseur und Brecht-Schüler, und wird eine erfolgreiche Feuilletonistin. Aufbruch und Scheitern der Nachkriegszeit wiederholen sich in der zweiten historischen Zäsur, die Judy erlebt: der Wende. In Jutta Voigts neuem Buch sehnt sich die Vergangenheit nach der Gegenwart. Sie will nicht begraben sein, sondern wird zum bizarren Muster, vor dem wir uns erkennen.
Das wundervolle Titelbild versprach Ostblock-Bohème, die ich suchte und auch stellenweise fand. Nicht weniger - aber auch nicht mehr. Zumal Jutta Voigt ein solches Buch bereits 2016 schon einmal veröffentlich zu haben scheint. Einen kurzen Höhepunkt boten noch die unglaublich dichten Schilderungen enttäuschter Hoffnungen in den Nachwendejahren. Den Rest hat man irgendwo schon einmal gelesen, leider auch einige der irritierenden Schlussgedanken. „Der Bundestag beschloss, schwere Waffen in die Ukraine zu entsenden. [...] Leider.“
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Für mich einen Tick zu sehr auf Literaturpreis geschrieben. Brauchte etwas, um in diesen Stil mit den unvermittelten Zeitsprüngen reinzufinden. Zwischendurch ein paar schöne DDR-Alltagsgeschichten.