Sechs Männer sitzen an einem Winterabend im Jahr 1844 in der Stube beisammen und spielen Karten. Die Frauen und Kinder sind schon zu Bett gegangen. Draußen stürmt es. Tauwetter. Gegen 23 Uhr vernimmt die Nachbarin ein »Schausen«, doch denkt sie sich nicht viel dabei. Als sie am nächsten Morgen sieht, dass ihre Söhne vom Kartenspielen nicht zurückgekehrt sind, macht sie eine grausige Entdeckung: Der Königenhof ist verschwunden, von einer Lawine verschüttet. Wo sind seine Bewohner? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Einfühlsam und spannend. Die Beschreibungen der Landschaft und des bäuerlichen Lebens im ersten Teil haben mir gut gefallen, und im zweiten Teil wird es richtig packend.
Die Autorin hat ein gutes Gespür für das Damals: Heute ist es ein Katzensprung von Urach nach Neukirch, aber damals waren das riesige Distanzen, zumal im Winter. Der Glaube war Selbstverständlichkeit und Stütze; Aberglaube und Sprichwörter auch. Haltungen und Geschlechterrollen waren anders damals, aber eben auch, damals wie heute, bei verschiedenen Menschen unterschiedlich. Das alles vermittelt diese Geschichte differenziert, ohne großes Gewese und ohne Tümlichkeit. Nur auf den lüsternen Bauern hätte ich verzichten können!
Eine mir bisher unbekannte Tragödie hier ganz in der Nähe. Ja, vor weniger als 200 Jahren wurden im Schwarzwald ganze Bauernhöfe von Lawinen verschluckt. Natürlich nicht ohne menschliche Mitschuld. Der Roman ist solide geschrieben und liest sich gut. Und oh man spielt im Schicksalsmoment Cego!