„Die Notwendigkeit zur Veränderung an Schulen könnte man nutzen, um nicht nur wieder ein kleines Reförmchen anzugehen, sondern das Bildungswesen neu zu konzipieren.“
Die Unzufriedenheit mit dem Schulsystem ist groß: Kinder sind unter- oder überfordert, Eltern beklagen zu großen Druck und ein zu hohes Lernpensum. Lehrer*innen wollen unterrichten, sehen aber, dass sie manche Schüler*innen nicht erreichen und am Ende der Notenschnitt alle Bemühungen überlagert. Direktor*innen sind frustriert vom ständig steigenden Administrationsaufwand. Also wie weiter?
Alexia Weiss wagt Großes: Sie plädiert für ein Schulsystem, das unseren Bildungsbegriff hinterfragt. Zentral ist deshalb nicht die Kritik an Bestehendem, sondern die Idee eines inklusiven Modells, das allen Kindern mehr Entwicklungspotenzial bietet und Eltern sowie Pädagog*innen unterstützt, statt sie zu überlasten. Ganzheitliche Bildung, frühe Förderung individueller Talente, psychosoziale Betreuung, die Neukonzeption des Lehramtsstudiums und faire Bezahlung sind die unabdingbaren Bausteine einer zukunftsweisenden Idee, die echte Chancengleichheit und damit ein tragfähiges Fundament für unsere Gesellschaft zum Ziel hat.
Zerschlagt das Schulsystem ... und baut es neu! ist eine Streitschrift von Alexia Weiss. Sie beschreibt darin ein Schulsystem, welches allen Kindern individuelle Möglichkeiten gibt, sich zu entfalten. Dabei rechnet sie Großteils mit dem jetzigen Schulsystem ab und gibt Vorschläge, was sich ändern kann.
Ich habe schon mehrere Podcastfolgen mit Alexia Weiss gehört, in denen sie über ihre Streitschrift gesprochen hat. Jedes Mal war ich von ihren Ausführungen fasziniert und wusste, dass ich unbedingt ihr Buch lesen muss. Alexia Weiss schreibt sehr viele Ideen nieder und behandelt so gut wie jeden Bereich, schulisch oder außerschulisch, welche Kinder und Jugendliche betreffen. All diese Punkte würden große Veränderungen mit sich bringen, aber bestimmt positive Auswirkungen haben. Davon bin ich fest überzeugt.
Vor allem begeistert mich, dass es Coaches an den Schulen geben soll. Somit wird den Lehrpersonen einiges an Arbeit abgenommen. Auch alle anderen Bereiche wie Schulpsychologie, Schulmedizin, Freizeitpädagog:innen und das ganze multiprofessionelle Team wären ein Traum. Somit können Kinder und Jugendliche passen gefördert werden. Leider ist vieles jedoch von der Politik abhängig. Gewisse Dinge kann man als Lehrperson selbst versuchen umzusetzen, wie das Fördern aller Sprachen und die Demokratieerziehung.
Das Buch hat viele gute Ansätze aufgezeigt. Jedoch sehe ich in näherer Zukunft nicht, dass vieles davon umgesetzt wird. Jedoch gibt Alexia Weiss gute Denkanstöße. Das Buch wiederholt sich auch sehr oft und verwendet auch oft Wörter, von denen ich noch nie etwas gehört habe. So wird das Buch leider für die breite Masse etwas unzugänglich. Aber es war sehr interessant.
Anregungen für eine neuen Bildungsbegriff? Ideen für die Bildung von morgen? Dieses ambitionierte Ziel verfolgt Alexia mit ihrem Buch. Beim Lesen habe ich mir sehr oft gedacht: Wow, wo wäre ich auch gerne in die Schule bzw. In den Kindergarten gegangen. Sie hat wirklich tolle Ideen - am besten fand ich Ansätze in Sachem gemeinsames Kochen, Kurssytem und Ethikunterricht. Trotz allem sind am Ende des Buches viele Fragen für mich offen geblieben. Vor allem wenn es um die Umsetzung geht. Woher bekommen wir das Personal? Welche Ausbildungen müssten wie neu gedacht werden? Welche Rolle spielen die Kinder? Was wenn sie und/oder die Eltern nicht mitmachen? Hier hätte ich mir mehr Ideen gewünscht. Weil Visionen ohne Umsetzungsideen für mich leider immer etwas zu kurz greifen.