Ein einzigartiger Einblick in die Hinterzimmer der Macht. Auf öffentlicher Bühne inszeniert sich Olaf Scholz sorgfältig als sachorientierter Macher. Doch wie sieht die Realität hinter den Kulissen aus? Nichts verrät darüber so viel wie seine Verwicklung als Hamburger Bürgermeister in das 47-Millionen-Euro Steuergeschenk an eine Privatbank. Nie hat er so sehr die Kontrolle über sein Image verloren, keine Affäre war so gefährlich für ihn. Und keine verrät so viel über ihn. Gestützt auf Zeugen und neue Dokumente enthüllt dieses Buch Scholz‘ Rolle in dem Skandal. Es zeigt, wie der heutige Kanzler und seine Helfer agieren, wenn sie unter Druck geraten. Ein System von Abhängigkeiten offenbart sich, von fragwürdigen Allianzen, von kleineren und größeren Lügen und von geschickter Manipulation der öffentlichen Meinung. Zugleich kommen Muster zum Vorschein, die sich durch Scholz' gesamte Karriere ziehen - bis heute. »Diese sehr engmaschige Dokumentation im Tagebuchstyle, sehr nüchtern aufgeschrieben, (...) sehr faktenorientiert, (...) hat uns von der ersten bis zur letzten Zeile fasziniert.« Aus der Laudatio bei der Verleihung des Deutschen Journalistenpreises an die Autoren.
Sehr gut recherchiertes Buch. Aber im Gegensatz zu den cum-ex Files deutlich weniger mitreißend und eher trocken geschrieben. Die Fakten sprechen allerdings auch für sich.
Ich habe mir das Buch "Die Akte Scholz" auf der Frankfurter Buchmesse gekauft, weil das Thema "Cum-Ex Scholz" derzeit sehr heiß diskutiert wird und ich hoffte, mit diesem Werk einen Zugang zum Thema und eine umfassende Hintergrundinformation zu bekommen. Diese Erwartungen erfüllt dieses Buch. Besonders positiv ist hervorzuheben, dass mittels Storytelling im Tagebuch-Stil ein komplexes Thema so unterhaltsam aufbereitet wird, dass man es als Krimi lesen kann.
Allerdings – das ist der Schwachpunkt: die offenen Fäden werden nicht aufgelöst. Natürlich können die Autor*innen dafür nichts, denn sie berichten aus der Wirklichkeit. Insofern lesen wir keinen Krimi, sondern die Zusammenfassung von Ermittlungsakten. Staatsanwaltschaft und Untersuchungsausschüsse in Bundestag und Hamburgischer Bürgerschaft versuchen zu ergründen, warum das Finanzamt von einer Großbank ergaunerte Steuerrückzahlungen nicht zurückgefordert hat. Selbst dann noch nicht, als eine Weisung aus dem von Schäuble geführten Finanzministerium kam, die genau das forderte.
Warum sieht sich das Finanzamt für Großkonzerne in Hamburg als Organ der Wirtschaftsförderung? Kommt es aus eigenem Antrieb oder handelt es sich um eine politische Anweisung des Finanzministers von Hamburg, dem heutigen Bürgermeister? Oder gar dem damaligen Bürgermeister und heutigen Bundeskanzler?
Meiner Meinung nach liegt eine der Schwierigkeiten in der Konstruktion eines Stadtstaates. Wenn eine kommunale Stadtverordnetenversammlung, deren Mitglieder ehrenamtlich arbeiten, gleichzeitig ein Staatsorgan sind und an Gesetzen mitwirken, dann kann das nichts werden. Ein ehrenamtlicher Parlamentarier hat gegen hauptamtliche Senatoren (Minister) nicht den Hauch einer Chance. Außerdem öffnet es der "Mauschelei" Tür und Tor, wenn es nur eine Kommune gibt, über die die Regierung regiert. Nur eine Behörde, die vom Ministerium kontrolliert werden muss... Auch die Konstruktion "Finanzamt für Großunternehmen" scheint unter der Maxime der Wirtschaftsförderung gegründet worden zu sein.
Die Autor*innen wünschen sich, das haben sie in Interviews zum Buch gesagt, dass Olaf Scholz bestraft werden wird. Für Anweisungen, die man ihm nicht nachweisen kann. Ich muss die beiden enttäuschen: Scholz wird damit durchkommen. Er hat es entweder zu clever angestellt oder aber seine Behördenmitarbeiter*innen sind aus eigenem Antrieb so unternehmensfreundlich, dass keine Anweisungen von oben notwendig sind. Für letztere Wahrheit spricht sehr viel, wenn man das Buch gelesen hat.
Es gibt zwei Punkte Abzug für zu viele Wiederholungen und Redundanz. Für Storytelling und die dadurch bedingte leichte Lesbarkeit gibt es hingegen die dann noch verbleibende volle Punktzahl.
Es hat mich zwar knapp vier Monate gekostet, dass Buch zu lesen, weil es eig in jedem Kapitel nur vor Inhalt wimmelt, aber sehr gute Genese. Es versucht sich dem Thema investigativ zu nähern. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es voreingenommen ist, sondern lediglich die Fakten und Hinweise abarbeiten und sowohl negatives als auch Positives einordnet. Absolute Leseempfehlung.
Die Cum-Ex Files fand ich besser. Hier war für die Länge des Buches dann am Ende doch ein bisschen wenig dahinter. Aber trotzdem interessant, ein bisschen über den Modus Operandi und die Menschen, mit denen Scholz sich umgibt, zu lesen.
Gut geschriebenes Buch. Spannend was für Informationen aus den 3+ Jahre Recherchen rausgekommen sind. Scheint als ob Cum Ex die SPD und Ihre Spitzenpolitiker für lange Zeit verfolgen wird.
Ein erstes Fazit nach 100 Seiten: Ich hatte mir von dem Buch etwas mehr erwartet, bis jetzt erfüllt es diese Erwartungen nicht. Denn sehr viele der Sach-Informationen waren bisher auch in den Medien/im Netz bereits nachzulesen. Ein kleiner Mehrwert entsteht dadurch, dass die Handlungen bzw. das Miteinander der einzelnen Personen dargestellt werden. Fazit am Ende des Buches: Nach ca. 150 Seiten nimmt das Buch noch einmal "etwas Fahrt auf" und schildert die Ereignisse im Cum-Ex-Komplex in der zeit der Kanzlerkandidatur und Wahl. Hier ist die Gegenüberstellung der Aussagen der betreffenden Personen mit früheren/späteren Aussagen sehr interessant.