Das Messner-Buch ist – überraschend? – gut. Schon klug, ja weise, intim, mir manchmal etwas zu selbstgewiss. Aber vielleicht ist das das Recht nach fast 80 Jahren sehr erfülltem Leben.
Beeindruckend ist seine klare, einfache, gewählte und sehr wortbewusste Sprache und wie es ihm
gelingt, seine Lebenserkenntnisse in prägnante Worte und präzise Sätze zu fassen. Auch wenn mir
sein Leben in einigen Punkten zu sehr stilisiert wird und sich Gedanken aus früheren
Veröffentlichungen wiederholen, finde ich das Buch doch wieder sehr inspirierend.
Dass der Verzicht, der oft notwendig war, nachträglich umgedeutet und überinterpretiert wird, der Gedanke kam mir auch. Aber das ein Teil der Lösungen für unsere Zukunft in der Beschränkung liegen können, das konnte ich ebenfalls nachvollziehen.
Stark fand ich das Kapitel „Sinn stiften“: „Sinn braucht nicht gesucht zu werden, denn er ist nicht zu
finden. Er kommt auch nicht von allein. Er wird gegeben, gestiftet. Von uns.“ Da fand ich vieles gut
verdichtet vor, was ich selbst manchmal zu denken versuche.
Die Kapitel Diane Messner fand ich ebenfalls interessant. Es sind ebenfalls viele Gedanken drin, die
ich mir für mich angestrichen habe (und schön fand ich in diesem Zusammenhang, dass sie sich beim
Lesen auch Anstreichungen macht, die Sie dann als Ritual immer mal wieder liest). Aber irgendwie
bleibt bei mir kleines Störgefühl zurück. War es mir zu intim, gab es für mich zu viele Einblicke in die
Beziehung? Las sich für mich einiges doch wie eine Rechtfertigung ihrer Beziehung mit dem großen
Altersunterschied und des Lebensstils? Oder war es für mich zu viel Selbstvergewisserung, dass es
wirklich Liebe ist? Ich weiß es nicht. So richtig gerecht sind all diese Fragen nicht und auf jeden Fall
sind diese Kapitel „kompromisslos offen“ – genauso, wie sie es selbst auch als
Voraussetzungen für die funktionierende Verbindung zwischen zwei Menschen betrachtet.