Eine Fortsetzung von der ich vorher nicht wusste, wie sehr ich sie brauchen würde!
Im Jahr 2022 habe ich die gesamte "Die Ärztin"-Trilogie gelesen und sehr gemocht. Vor einiger Zeit habe ich darüber nachgedacht, dass ich die Geschichte der Familie gerne weiterverfolgen würde und habe mich dementsprechend sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass ein Spin-Off dazu erscheinen wird. Umso größer war die Freude dann, als ich den ersten Teil davon für eine Leserunde als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe! Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken, meine Meinung beeinflusst dies jedoch nicht.
Wie der Name der Reihe bereits verrät, geht es in dieser Reihe um die Töchter der Ärztin Ricarda Thomasius: Henny und Toni. Diese sind beide sehr unterschiedlich, Henny folgt ihrer Mutter, hat eine eigene Praxis und Toni zieht es ins Ferne Afrika, um an ihrem Geburtsort sich selbst zu finden. Dabei laufen beiden jungen Frauen Menschen über den Weg, die es mal mehr und mal weniger gut mit ihnen meinen, es tauchen Altbekannte auf und die Familie Thomasius/Freystetten, wäre nicht die Familie Thomasius/Freystetten, wenn es nicht den ein oder anderen Skandal gäbe...
Das Cover finde ich sehr ansprechend gestaltet und passt daher auch gut zu den Büchern der Hauptreihe, den Titel finde ich ebenfalls passend gewählt.
Da ich die Hauptreihe bereits gelesen habe, konnte ich in drei Büchern den Schreibstil der Autorin kennenlernen und ich mag ihn immer noch sehr. Ich finde, dass es für einen historischen Roman genau die richtige Mischung aus Spannung, Drama, Emotionen und zeitweise auch Witz ist, sodass es mir leichtfällt, die vielen Seiten innerhalb von kürzester Zeit zu lesen. Zudem finde ich, dass es der Autorin wirklich gut gelungen ist, lebhafte Bilder von den Orten zu schaffen, sodass ich Berlin oder auch Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor Augen hatte, das gefällt mir auch sehr.
Zum Inhalt möchte ich nicht so viel vorwegnehmen, ich kann nur sagen, dass ich es absolut genossen habe, Henny und Toni weiter zu begleiten und auch immer wieder Einblicke darin zu bekommen, wie es bei den restlichen Familienmitgliedern weiterging, es war aufregend, spannend und interessant, außerdem gab es immer wieder Gelegenheiten zum Mitfiebern. Diese Geschehnisse sind schlüßig und passen zu dem, was man aus der Trilogie kennt. Zudem muss ich sagen, dass ich es sehr hilfreich fand, dass ein Stammbaum und eine Karte in die Klappen integriert worden sind, die ich zum Glück nicht brauchte, da ich die Hauptreihe ja nur wenige Monate zuvor gelesen hatte. Dennoch denke ich, dass es sich empfiehlt, um alle Beziehungen und Handlungsstränge verstehen zu können, die Hauptreihe vorher zu lesen und kann es auch nur empfehlen.
Da ich die Charaktere größtenteils schon kannte, fiel es mir nicht schwer, sie wieder zu mögen. Die Familie Thomasius muss man einfach gerne haben und auch Victoria ist ein tolles Kind. Die Freystettens sind schon ein anderer Schlag Leute und ich bin gespannt, wie es mit Frieda weitergehen wird... Dennoch weiß ich noch nicht, was ich von "dem neuen Victor" haltet soll, es scheint mir alles ein wenig zu schön, um wahr zu sein, obwohl ich es Henny und Vicky natürlich gönnen würde. Allerdings fand ich es schön, dass sich die Beziehungen von Mutter zu Tochter und den Töchtern untereinander verbessert haben und ich würde mir wünschen, dass das dritte Thomasisukind vielleicht in der Fortsetzung auch noch wieder auftauchen würde.
Fazit: Ein sehr gelungenes Buch über Medizin zu Beginn des 20. Jahrhundert, das viele Themen aufgreift wie Fernweh, Gerechtigkeit, Hoffnung, Verlust, Ängste, Patriarchat, Familie und die Suche nach der eigenen Identität bzw. den Wurzeln. Für mich hat auch dieser Band aus der Feder von Helene Sommerfeld genau die richtige Mischung aus Spannung, Emotionen und Dramtik geboten und ich konnte an einigen Stellen einfach nicht aufhören zu lesen. Für die vollen 5 Sterne hat mir das gewisse etwas gefehlt, aber dennoch war es für mich eine großartige Lektüre, dessen zweiter Teil (ET: November 2023) viel zu lange auf sich warten lässt!
4,5/5