Ich vergebe selten 1 Stern. Diese Bewertung ist für Bücher vorbehalten, die mich nicht nur enttäuscht, sondern auch wütend gemacht habe.
Mein Unmut richtet sich nicht gegen Julia. Sie hat eine Chance bekommen, die jede Debüt-Autorin ergriffen hätte. No shame in that.
Tatsächlich frage ich mich, was Carlsen sich dabei gedacht hat? Sicher, das Buch verkauft sich und finanziell wird es sich lohnen. Aber zu welchem Preis?
Ich würde mich als Verlagsteam in Grund und Boden schämen, wenn ich einen Text in diesem Zustand veröffentlichen würde. Witzigerweise denke ich, dass hier sogar ein Lektorat stattgefunden hat, es aber das höchste Niveau war, auf das sie den Text heben konnten, bevor ein Ghostwriter es hätte neu schreiben müssen.
Ich möchte eigentlich diese Grundsatzdiskussion nicht mehr führen. Aber Fakt ist: Buch-Influencer bekommen häufiger einen Verlagsvertrag wegen ihrer Reichweite. Viele Blogger*innen sind tatsächlich gute Autor*innen, denen ich den Erfolg von Herzen gönne. Als schreibende Bloggerin würde es mich aber wütend machen, jetzt schon wieder mit einem Buch von dieser Qualität konfrontiert zu sein.
Ravenhall ist für mich das Paradebeispiel, an dem man sieht, wo die Moral von Carlsen aus dem Fenster springt, wenn es um Geld geht.
Dieses Buch ist nicht gut. Rein Objektiv findet man Rechtschreibfehler, Grammatikfehler, Wortwiederholungen, Logik-Fehler und Sätze, die wenig Sinn ergeben. Ich habe parallel das Hörbuch gehört und selbst die Sprecherin hatte echt Schwierigkeiten, das Buch richtig zu lesen.
Schauen wir uns mal den Inhalt an:
Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Protagonistin Lilly ist ein zusammengewürfelter Haufen an Klischees. Rothaarige Hexe, die nicht weiß, dass sie Magie wirken kann und auf eine Akademie kommt. Sie verliebt sich in den mysteriösen Bad Boy der einer anderen versprochen wurde. Ihre „Rivalin“ ist eine Oberzicke direkt aus einem schlechten Teenie-Film der 2000er. Die Bösewichte sind Karikaturen, wie man sie aus Kinderfilmen kennt: böse Lache, abgedroschene Sätze und niederen Motiven. Fehlt nur noch die Rauchbomben, die man auf den Boden wirft, um einen dramatischen Abgang zu machen. Das wäre wenigstens witzig gewesen.
Der Schreibstil: Auf der einen Seite stolpert man über zu lange Sätze, auf der anderen Seite findet die Autorin nicht die passenden Worte. Gerade bei Emotionen greift sie auf Klischees und große körperliche Gesten zurück, wie bei einem schlechten Theaterstück. So Zwinkern sich die Protagonisten nach einer emotionalen Szene andauernd zu, was deplatziert wirkt.
Die ständigen Wortwiederholungen wie „Hundelady“ nerven. Was ist so schlimm daran, das Tier einfach mal Hündin zu nennen?
Die Figuren: Ich will garnicht zu sehr auf die Figuren an sich eingehen, sondern auf die Art, wie sie geschrieben sind. Jedes Mal, wenn jemand Neues aufgetaucht ist, hat die Person alles um sich herum erklärt wie ein schlechter NPC. Jedes Mal dieses „Ich bin XY, das mache ich im Leben und so ist die Welt aufgebaut“. Wer macht sowas? Eine Sache, die mich total irritiert hat, ist, dass die Protagonistin in Gedanken eine Frage gestellt hat und dann eine Nebenfigur, aber vor allem der Bad Boy, ihr auf die Frage geantwortet hat. Ich habe WIRKLICH gedacht, dass er Gedanken lesen kann ind es seine Superkraft ist.
Info-Dumping: Anstelle, dass wir die Welt erleben, wird sie einem aufgelistet. Das Problem ist, dass super viel random shit erzählt wurde, ich aber trotzdem nicht weiß, wie die Welt der Hexen funktioniert. Wie verstecken sie sich vor den normalen Menschen? Was ist das Ziel der Academy? Wie sehen die Regeln für Magie aus? Was für andere Kreaturen gibt es? Wie halten die sich geheim?
Fehlender Einfallsreichtum: Das grösste Problem neben dem Handwerk ist die fehlende Kreativität.
Jedes Mal, wenn Lilly ein Geheimnis auf die Schliche kommt, belauscht sie irgendwelche Menschen und wird fast dabei erwischt. Das passier 4-5 Mal!
Am Anfang der Geschichte bestellt jemand das Buch „Hexen für Anfänger“ bei Lilly und sie fragt sich 3-4 Mal, ob das ein neuer Fantasy-Roman sei. Als ob es nicht in Wirklichkeit New-Age-Eso-Ratgeber mit dem Titel gäbe. Lilly soll belesen sein, wirkt dadurch aber naiv und etwas dümmlich.
Der Versuch, die Akademie auf Krampf geheim zu halten, war anstrengend. Vor allem weil die meisten Leute in dem Ort eh die ganze Zeit über die Akademie reden: Auf offener Straße und in den Läden. Random Leute erzählen Lilly von der Akademie, obwohl sie Lilly nicht kennen. Wenn das jeden Tag so geht, dann weiß die Welt innerhalb einer Woche, das es Hexen gibt. Ob sie wollen oder nicht. Und wieder wirkt Lilly naiv und dümmlich und denkt sich metaphorisch „Akademie? Never heard of that! Oh well, nicht so wichtig. La, la, la!“
Wie bereits viele kritisiert haben, ist das Buch auch ein Sammelsurium an geklauten Ideen. Harry Potter, Hexe Lilli, Eine Lausige Hexe… und dazwischen hat das Buch den ganzen Romance-Klischee-Tisch abgeräumt.
Logikfehler: Das ist die Sache, die mich am meisten gestört hat. Ich gehe deswegen auch ins Detail mit 4 Beispielen.
1) Lillys Rivalin mag sie von Anfang an nicht. Später belauscht sie aber eine Konversation, bei der die Rivalin meint, Lilly nicht zu mögen, weil der Bad Boy nur noch Augen für Lilly hat. Zum einen sind zu sich Lilly und Bad Boy zu dem Zeitpunkt erst 3 Mal begegnet und das auch nur kurz. Zum anderen war die Rivalin schon shitty zu Lilly, bevor Bad Boy ihr schöne Augen gemacht hat. Warum mag sie Lilly nicht?
2) Als die Katze der Rivalin vergiftet wird, bringt Lilly das Tier zur Krankenschwester. Die Rivalin beschuldigt Lilly, die Katze vergiftet zu habe (Drama! Bitchfight!) Die Krankenschwester verteidigt Lilly vehement und behauptet, sie wäre es nicht gewesen. Woher will die Krankenschwester das wissen? Sie hat nur gesehen, wie eine Schülerin ein Tier zu ihr gebracht hat. Was ist, wenn Lilly die Katze abmurksen wollte und Panik bekommen hat?
3) Warum werden die Schüler nicht über Veranstaltungen informiert? Ständig passieren Events, über die Lilly zufällig von irgendwelchen (oft shady) Mitschülern erfährt. Haben die keinen Schul-Newsletter oder Infos über Veranstaltungen aushängen?
4) Warum erfährt Lilly super überlebenswichtige Regeln über die Magie zufällig von ihren Freundinnen? Die neuen Schüler kriegen NICHTS über den Verhaltenskodex beigebracht und auch sonst scheint es keinen Lehrer zu jucken, dass irgendwas kommuniziert wird.
So… diese Rezension ist schon viel zu lang, deswegen hier eine kurze Liste an Dingen, die mir noch aufgefallen sind:
- Fehlende Chemie zwischen Lilly und Bad Boy
- Informationen werden nur geheim gehalten, um „Spannung“ aufzubauen. Was am Ende nur noch nervt.
- Schlechtes World-Building
- Alle Figuren - inklusive Erwachsene - benehmen sich als wären sie 13
- Ich hasse es, dass Lilly und ihre Rivalin sich wegen nem Kerl anfeinden. Super unkollegialer mid 2000s misogyner bullshit
- Charaktere, die böse sind, nur um böse zu sein
- Charaktere, die sich dumm verhalten, nur um den Plot voranzutreiben
- Langweiliger Plot-Twist
- Langweiliges Ende
- Warum habe ich mir dieses Buch angetan?
Fazit. Hätte einfach nicht sein müssen. Ich weiß nicht mal, ob ich etwas Positives an dem Buch finden kann außer, dass es nicht langatmig war und die Handlung voran gegangen ist.
Band 2 werde ich nicht lesen. So viel Sitzfleisch habe ich dann doch nicht.