Ein Buch voller Bruchstücke, die spannend, humorvoll oder völlig undurchsichtig erzählt wurden und um den Protagonisten Josip Rotsky, den Barrikadenpianisten während der Revolution in einem Land, das die Ukraine sein soll, aber nie als solche benannt wird, kreisen. Aktuell ist Rotsky Radiomoderator bei Radio Nacht und erzählt zwischen den Stücken, die als Playlist verfügbar sind, aus seinem bisherigen Leben. Die Musik passt zum jeweiligen Kapitel und war unterhaltsam bis nostalgisch. Daneben gibt es noch Rotskys Biografen, einen Mann, der wenig bis nichts von sich berichtet, der an den Lebensstationen des Pianisten nach Spuren sucht und dabei dem Subjekt seiner Beschreibungen so nahe kommt, dass er das Gefühl hat, selbst Rotsky zu sein. Nicht nur an dieser Stelle verlor ich den Überblick. Wahrscheinlich las ich das Buch falsch. Ich hatte immer wieder das Gefühl, die Orte, an denen die Handlung spielte oder wenigstens das Land herausfinden zu müssen, was nie gelang (nur die Schweiz wurde als solche auch benannt). Dann kamen auch noch zeitliche Irritationen dazu, wenn z. B. davon die Rede war, dass Rotsky in seinem früheren Leben beim Bau einer Brücke anwesend war, die aus irgendeinem vergangenen Jahrhundert stammte oder wenn es eine Sprache gibt, die sich früher russisch nannte. Auch das Alter der Beteiligten blieb unklar.
Die fehlende Klarheit lässt großen Spielraum für Interpretationen zu, für meinen Geschmack zu viel Spielraum und diesen auch noch an zu vielen Stellen. Bei jedem Deutungsversuch kann man sich vollständig verirren. Oder doch der Wahrheit näher kommen? Was z. B. verkörperte der Rabe Edgar? Die dunkle Seite Rotskys oder seine Vorsicht, seine Aufmerksamkeit für Gefahr oder sein Vertrauen in sich selbst? Bleibt auch nach einer Revolution alles beim Alten? Geht es letztendlich immer um Geld? Überleben nur Musik und Gedanken? Fragen über Fragen, auf die ich keine Antworten gefunden habe. Es blieb das Gefühl, zu blöd für das Erzählte zu sein.
Es ist also ein besonderes Buch, interessant und unterhaltsam, aber für mich letztendlich zu verwirrend und nebulös.