Dieses Buch war für mich wie ein französischer Sommerurlaub – warm, melancholisch, atmosphärisch. Kein lautes Drama, keine künstliche Spannung, sondern eine leise, stetige Bewegung hin zum Wesentlichen.
Was mich besonders berührt hat, war die existenzielle Ebene unter der Liebesgeschichte. Es geht hier nicht nur um zwei Menschen, die sich (wieder) begegnen. Es geht um Erinnerung, um verpasste Chancen, um das, was vom eigenen Idealismus bleibt, wenn das Leben Spuren hinterlassen hat. Und um die Frage: Was zählt am Ende wirklich?
Die Krankheit fungiert dabei nicht als reines tragisches Element, sondern als Verdichtung. Sie zwingt zur Gegenwärtigkeit. Zweifel und Ängste verlieren an Bedeutung, Klarheit tritt an ihre Stelle. Gerade die letzten Seiten haben mich still werden lassen.
Ich mochte, dass die Figuren menschlich bleiben – mit Impulsivität, Unsicherheiten und Fehlern. Niemand ist perfekt, aber alles wirkt stimmig. Besonders der Gedanke, Schwerkranken Raum zu lassen – sie nicht mit Gefühlen zu überrollen, sondern zuzuhören, was gerade gut tut – hat bei mir nachgehallt.
Ich war keine einzige Seite lang gelangweilt. Es gab für mich keine Längen. Dieses Buch hat mich nicht überwältigt, sondern begleitet. Und manchmal ist genau das das Größte, was Literatur leisten kann.
Ein leises, warmes 5-Sterne-Buch.