Bei einer Serie kann ich nur unschwer dem Folgeband widerstehen, wenn dieser schon erschienen ist. So erging es mir auch mit „Captive Union“. Aber nicht nur deswegen, sondern weil mich Kiras Geschichte bereits von Anfang interessiert hat. Ich wollte unbedingt wissen, welchen Partner sie wie bekommt. Und das war kein einfaches Unterfangen.
Ich mochte Kira bereits in Band 1. Durch ihre schüchterne und zurückhaltende Art hat sie sofort mein Interesse geweckt und ich wünschte mir für sie, dass ihr Glück finden würde. Zumal sie ziemlich unter der Fuchtel ihrer Mutter zu leiden hatte – und das war kein einfaches Leben. Sie wurde bisher immer behütet von ihrem großen Bruder und streng kritisiert von ihrer Mutter, der sie es nie recht machen konnte. Eine Schande.
Kira ist eigentlich eine starke Persönlichkeit, die nur nie die Gelegenheit erhalten hat, ihre Persönlichkeit frei entfalten zu dürfen. Wie ein Schmetterling, der erst fliegen lernen muss, so musste Kira erst lernen, ihre Flügel auszubreiten und in die Welt hinauszufliegen als sie in Gefangenschaft gelangte.
Wer hätte gedacht, dass Gefangenschaft sie freier machen würde?
Erik lernt man zu Beginn als einen ziemlich kalten Mann kennen, der nur Rache im Kopf hat. Dafür ist ihm jedes Mittel recht, auch die Entführung von Kira. Und dabei soll es nicht nur bleiben: durch seine Ehe zu Kira macht er sich zum Mitglied der Bratva. Doch ob kann sein Plan wirklich aufgehen? Denn mit jedem Tag, den er mit Kira verbringt, wird diese ihm immer wichtiger. Doch ist sie ihm mehr wert als jedes Rachegefühl der Welt?
Es ist schwer in Worte zu fassen, aber zu Beginn hatte ich meine Zweifel, ob ich Erik als Protagonisten wirklich mögen würde. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Man lernt ihn zu verstehen und seine Beweggründe sind nur allzu nachvollziehbar. Doch, was mir zu Beginn sehr große Sorgen machte, war, dass er Kira nicht als Menschen, sondern als Objekt wahrnahm. Doch bereits von Beginn an zeigte er sich Kira als sehr aufmerksamer und fürsorglicher Mensch. Es interessierte ihn wirklich, was mit Kira geschah. Da ist es klar, dass Gefühle nicht ausbleiben. Auch auf Kiras Seite nicht. Sie erlebt dank Erik eine Freiheit, die sie nie kennengelernt hat. Und Erik gibt ihr mehr als einmal die Möglichkeit, die Flucht zu ergreifen.
Doch da bleibt immer noch ein Problem: Kiras Familie. Würde sie es verstehen? Oder würden sie Blut fordern? Wie könnte man das Dilemma wohl zu Gunsten aller Beteiligten auflösen?
Eine schwierige Frage und hierzu möchte ich nicht allzu viel verraten. Es war mir persönlich allerdings etwas zu schwach und märchenhaft. Es war unrealistisch, dass die Sache mit Erik so einfach vom Tisch gefegt werden könnte. Das kann ich partout nicht nachvollziehen, zumal alle Beteiligten in irgendeiner Weise sich beweisen müssen… oder wollen.
Dennoch hat mir die Geschichte von Erik und Kira sehr gefallen. Denn Kira hat endlich die Möglichkeit bekommen, ihre Stimme zu finden und ihrer Mutter die Stirn zu bieten. Allein das war den Aufwand wert. Die Mutter hat es echt verdient, von ihren Kindern ignoriert zu werden. So kritisch wie diese immer ist, kann man verstehen, dass alle schnell ausgeflogen sind – und ausgeflogen geblieben sind.
Eine schöne Geschichte mit Höhen und Tiefen, die schon düstere Themen anspricht, aber darin immer noch leicht ist. Die Bösen sind hier nicht derart grausam, wie man es sich sonst ausmalen würde. Es hat mir Spaß gemacht, die Geschichte der beiden zu verfolgen. Aber sie war mir viel zu schnell zu Ende. Gerne hätte ich einen Ausblick auf die Familie insgesamt gehabt. Das fehlte mir hier sehr.