Der kalte Wind, der vom Meer kommend durch die schroffen Bergspitzen fegte, sah das seltsame Schiff im Himmel lange vor den schlafenden Einwohnern Kanohrns. Und mit ihm auch den schweigsamen Fremden, der über die Reling in die Finsternis blickte und eine Bürde mit sich trug, die den Kontinent in ein neues Zeitalter aus Albtraum und Chaos führen sollte. Gynh hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Former des Kontinents zu finden. Doch ihm läuft die Zeit davon. Ein finsterer Daimon bahnt sich den Weg in Gynhs Welt. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, in dem sich der junge Magier nicht nur besagten Schattenkreaturen stellen muss, sondern auch seiner eigenen Dunkelheit.
Wer von euch möchte eine neue Welt bereisen? Eine Welt voller tiefer, dunkler Wälder, voller stürmischer Ozeane und großer Metropolen? Voller blutrünstiger Daimonen und wahrer Kameraden? Dann solltet ihr „Kohrynea - Der Bruch des Chaos“ einen näheren Blick schenken.
Kohrynea ist das Erstlingswerk von Marius Czernetzki und der Eintritt in die Welt Ursa Marya Magna, aus der er uns auch nicht so schnell wieder entlassen will. Es werden weitere Bücher im selben Format wie das Klopperchen hier auf meinem Schoß folgen. Die Welt lädt zum Erforschen ein, egal, ob sich der Protagonist gerade durch dichte Wälder schlägt, im Untergrund herumtreibt oder mit Ogaya Wolkenformationen durchbricht. Hinter jeder Ecke erwartete mich etwas Neues - und das allein trug mich durch die Seiten.
Der liebevolle Ideenreichtum, mit dem Marius die Welt bevölkert und illuminiert hat, hat mich beeindruckt. Mystische Wesen, Daimonen und ganz nebenbei noch eine Reihe netter und weniger netter Menschen, die allesamt dem Protagonisten Gynh, einem überaus talentierten Former, einen Haufen Steine auf seiner Reise in den Weg legen wollen. Manchmal richtig große Brocken. Die genialste Idee hat Marius allerdings den Urkhmaahn gewidmet. Die übergroßen schlagkräftigen Waldbewohner sind wirklich cool. Dass die Menschen überhaupt keine Ahnung von ihrer Lebensweise haben und sie fürchten versteht sich von selbst ;)
Mit Gynh selbst bin ich nicht 100prozentig warm geworden. Dafür war er mir oft zu kalt und zu sehr auf seine selbstgestellte Aufgabe fokussiert. Trotzdem war er ein Charakter, dem man gerne gefolgt ist, besonders mit Freunden wie Thokan, Ayila und Ogaya an seiner Seite. Um Himmels Willen, ich habe die Szenen zwischen Gynh und Ogaya, dem Daimonenweibchen, so gern gelesen, da sich Gynh nur in dieser Beziehung wirklich geöffnet und Gefühle an sich herangelassen hat. Also ganz viel Liebe für Ogaya! Im Übrigen waren diese paar ruihigeren Szenen auch dringend nötig, da im Buch sehr viel Action geboten wird und der nächste Kampf garantiert nicht weit war.
Die Struktur des Buches war sehr angenehm. Zu Beginn blieb man eng an dem Protagonisten und konnte eine Bindung zu ihm aufbauen. Erst im Laufe des Buches kamen mehr und räumlich weiter entfernte POVs hinzu. Durch kurzgehaltene Rückblicke wurde man angefüttert mit ein bisschen Backroundwissen rund um Gynh und seine Geschichte. Das Highlight für mich waren jedoch die kurzen Zwischenkapitel, die Abrisse aus Chroniken, Liedern, Korrespondenzen, die die erschaffene Welt für mich mit Leben füllten und viel über die Lebensweise der Bewohner vermittelten.
Ist das Debüt gelungen? Macht es Hunger auf mehr? Ja definitiv. Man spürt die tollen Ideen, die Detailversessenheit die hinter dem Roman, die hinter der Welt stecken. Natürlich gibt es auch ein paar Kritikpunkte: Wenn er an ein paar Stellschrauben gedreht hätte und den Infomarmationsbienenschwarm rechtzeitig eingefangen hätte, wäre das ganze wohl noch runder geworden, noch flüssiger zu lesen. Manchmal hatte ich das Gefühl, Marius wollte uns so viel erzählen, dass man förmlich nach Luft schnappen musste, um die Information zu verarbeiten. Er hat das große Ziel so minutiös vorbereitet, dass er kaum Pausen gemacht hat, damit man an einem schönen Feuer oder am Tisch die Gedanken ordnen kann. Ich finde, solche Szenen hätten das Buch bereichert.
Ein tolles Debüt, das noch Luft nach oben lässt. So soll es ja auch sein. Immerhin braucht jeder etwas, nachdem er streben kann.
Also abgesehen davon, dass mir die Aufmachung dieses Buches total gut gefällt, von Cover über Innengestaltung und Karte, konnte mich auch die Geschichte auf jeden Fall überzeugen! Ich war in der Tat positiv überrascht, vor allem, da es sich um einen Debütroman handelt 😊 Es haben sich zwar ein paar Fehlerchen eingeschlichen, vor allem an der das/dass-Fraktion, aber der Schreibstil hat das wieder rausgerissen, der war nämlich sehr angenehm zu lesen. (Ich weiß, bei Fehlern bin ich immer pingelig, aber mich stört sowas halt einfach…😅)
Dann jetzt zur eigentlichen Geschichte: Schon der Prolog hat mich in seinen Bann gezogen, aber wenn hier auch aus der Sicht einer Krähe geschrieben ist, dann bin ich Raben-/Krähenliebhaberin natürlich sofort Feuer und Flamme…😁🥰
Die Geschichte um Gyhn fand ich sehr interessant. Man wird erst mal mitten ins Geschehen geworfen, da Gynh in ein Gefängnis einbricht, um einen sogenannten Former, wie Gynh selbst einer ist, zu befreien. Er will nämlich alle verbliebenen Former vereinen, um das Band der Magie zu durchbrechen und somit auch die immer zahlreicher werdenden Daimon aufzuhalten, worum sich dann auch der Rest der Geschichte dreht. Tendenziell finde ich es ja immer ein wenig schwierig, wenn der Protagonist nur von A nach B unterwegs ist, um etwas zu holen bzw. suchen, aber hier wurden genug Handlung und Konflikte drum rum gepackt, sodass das wunderbar funktioniert hat! Die Handlung wird immer wieder von Rückblicken unterbrochen, was ich auch super fand, um mehr über Gynh und auch seine Beziehung zu anderen Charakteren zu erfahren!
Meine Favoritin war ganz klar Ogaya, die Gynhs treue Begleiterin ist. Ich liebe, wie schon erwähnt, Raben und Krähen und ich liebe Drachen und hier wurde einfach beides zusammengepackt und zu einem Wesen gemacht. 😍 Die tiefe Verbindung zwischen Gynh und Ogaya fand ich auch sehr toll🥰
Allerdings muss ich sagen, dass ich immer eine gewissen Distanz zu den Charakteren gespürt habe, was wohl an der Erzählweise mit einem allwissenden Erzähler lag, der auch öfter von Perspektive zu Perspektive gehüpft ist.
Die Kapitel selber beginnen mit Literaturauszügen, bestehend beispielsweise aus Buchausschnitten, Briefen oder diversen Berichten, was ich persönlich immer sehr ansprechend finde, da ich so noch auf einer tieferen Ebene in die Welt eintauchen kann.
Und auch die Welt an sich fand ich schön komplex, man konnte immer was Neues entdecken. Und auch die Sache mit dem Konflikt zwischen Menschen und Urkmaahn und der vermeintlichen Vorgeschichte der Menschen hatte definitiv Tiefe.
Insgesamt fand ich die Geschichte sehr atmosphärisch. Es war alles sehr düster und anschaulich beschrieben und auch die Daimon waren richtig gruselig.
Den Storytwist am Ende fand ich auch definitiv gelungen, damit hätte ich echt nicht gerechnet!
Oh, fast vergessen! Es gab ein Easteregg für Witcher-Fans! Und ich fand es voll genial, weil es sich so gut eingefügt hat!😍
Ich kann hier begeisterte
4,5/5 🌟
vergeben und bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil! 😍
Schon die äußerliche Aufmachung hat mich direkt überzeugt. Mit Liebe zum Detail ist das Innenleben gestaltet, sogar eine Karte und ein Glossar sind vorhanden. Man merkt, wie viel Mühe sich der Autor gegeben hat. Die Reise an der Seite von Gynh war durchweg fesselnd. Bei der Bezeichnung Former wurden sogar ein paar Jugenderinnerungen an ein PC-Spiel geweckt. Der Autor hat einen angenehmen Stil und schafft es, das Setting so zu beschreiben, dass man es sich bildlich vorstellen kann. Dabei wirkt es an keiner Stelle zäh oder langatmig. Vor allem die Rückblenden haben für Abwechslung gesorgt. Diese Welt war düster, grausam und angsteinflößend, genau nach meinem Geschmack. Das Ganze wurde noch getoppt mit authentischen Figuren, die alle auf ihre Weise Emotionen hervorgeholt haben.
Mein Fazit: Ein Debüt, das auf ganzer Länge überzeugen konnte. Man spürt beim Lesen die Liebe des Autors zu seiner Geschichte und kann sie mit jeder Seite mehr nachvollziehen. Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!