Ein sehr lesenswertes Buch, dessen Inhalte ernsthaft und sachlich ausdiskutiert gehören. Viel Wahres dran. Und es betrifft uns alle.
Mutig, diese (durchaus adäquate) Sicht der Dinge öffentlich zu vertreten, da sie außerhalb des durch Mainstream-Medien etablierten Erzählrahmens liegt. Die Dinge beim Namen zu nennen ist aber höchstnotwendig: Es geht ums Überleben Europas.
Die Autoren legen u.a. klar und überzeugend dar, dass der einstige Traum von geeintem Europa samt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit usw. der Maxime „Amerika First“ zum Opfer gefallen ist. (Der Spruch an sich wurde erst vor paar Jahren bekannt gemacht. Die dahintersteckenden Aktionen liefen seit mindestens dem Ende des zweiten Weltkriegs.) Auch die Zeitpunkte und Politiker, die diese Entwicklung zu verantworten haben, wurden namentlich genannt. Bei all den Schilderungen taucht die Frage auf, ob der Preis dieser „Freundschaft“ nicht zu hoch ist., ob Europa den wirklich bezahlen möchte.
Die Zukunft schaut entsprechend nicht rosig aus. Ein Beispiel: Deutsche Wirtschaft hat bisher mithilfe der günstigen sibirischen Rohstoffe funktioniert. Mit dem teuren Fracking Gas der „besten Freunde von hinter dem großen Teich“ wird es wohl nicht so flott gehen, es rechnet sich einfach nicht. Das dürfte jedem klar sein. Und die ersten Anzeichen des Verfalls der ohnehin angeschlagenen Wirtschaft sind bereits da.
Europa droht, zum „failed state“ zu werden, wenn es weiter wie bisher macht und sich sicher und geborgen in den Händen der angloamerikanischen Eliten wähnt. Diese haben vor allem eigenen Weltherrschaftsanspruch vor Augen, den sie gerade auf europäischem Boden behaupten (Stellvertreterkrieg in der Ukraine, die durch Waffenlieferungen, die teuer bezahlt werden müssen, in die Schuldenfalle getrieben wird). Dass Europa insg. dabei zugrunde geht, scheint den Superreichen ohne größere Bedeutung. Kollateralschaden, sozusagen. Und: je schwächer Europa ist, desto stärker erscheint vor diesem Hintergrund das Land der „besten Freunde“. Teile und herrsche. Gilt nach wie vor.
Wenn man über diese Inhalte nachdenkt, steht unter anderem folgendes Problem klar vor Augen: Europa fällt weiter zurück, auf ganzer Linie. Dahinter stehen unter anderem unzählige tragische Schicksale der Europäer, einfacher Menschen, die gezwungen sind, diese negativen Entwicklungen auf ihren Schultern zu tragen, z.B. durch ungewollte Arbeitslosigkeit und keine Möglichkeiten, eigene Familie zu ernähren, da sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen weiter verschlechtern, und/oder gar ihre Leben herzugeben (z.B. wer in direkte Berührung mit dem Krieg kommt).
All die schlimmen Überbleibsel aus dem kalten Krieg, die man als für immer überwunden glaubte, sind wieder da. Die künstlich herbeigeführte Entfremdung, Dämonisierung, Entmenschlichung etc. sind leider Teil der heutigen Realität. Am Anfang des Buches gibt es ein beeindruckendes Zitat der Lagebeschreibung aus dem Jahr 1914. Man denkt erst, es wurden die heutigen Verhältnisse beschrieben. Nach hundert Jahren macht man den gleichen Unsinn wieder mit.
Und all das, und noch viel mehr, weil die bestehenden Machtverhältnisse, die Europa herzlich wenig guttun, nicht hinterfragt werden (dürfen). Unter dicker Propagandapampe bleiben eigentliche Probleme von zufriedenstellen Lösungen fern. Das Überangebot der Unterhaltungsindustrien erledigt den Rest. Diese Probleme müssen aber im Interesse der Europäer schnellstmöglich gelöst werden. Es gibt sonst keine gute, besonders erstrebenswerte Zukunft.
Die Autoren plädieren auf der letzten Seite: „…einfach einmal ganz anders zu denken. Es gilt zu fragen, ob es für Europa nicht ganz grundsätzlich andere Möglichkeiten gibt…“.
An sich eine klare Sache, fast eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich dabei vorstellt: Die Deutungshoheit der Ereignisse im Weltgeschehen sollte in Konformität zu europäischen Interessen ausgeübt werden. Diese sollten vom europäischen Standpunkt her betrachtet und bewertet werden. (Wohl weniger fehlgeleitet von Herrschaftsallüren der schon lange taumelnden Möchte-gerne-Weltmacht, die ihre geopolitischen Ziele in aller Skrupellosigkeit auf Teufel komm raus verfolgt.)
Dieses Buch ist ein Weckruf, der erst genommen werden sollte. Gesamtgesellschaftlich. Gesamteuropäisch.
Hier gehört die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit hin.
Man kann noch viel und breit über diese Inhalte referieren. Es gibt noch mehr Themen und Aspekte. Besser: Selbst lesen und eigene Meinung dazu herauskristallisieren.
Fazit: Unbedingt lesen, diskutieren, neue, gute, gesunde Zukunft Europas ausarbeiten und gestalten. Geeint und mit geballten Kräften schafft man das.
P.S. Wenn man gewohnt ist, eigene Meinung übers Zeitgeschehen aus Mainstream-Medien zu erfahren, wird man vermutlich mehr Kontext brauchen, um die Inhalte dieses Buches im vollen Umfang würdigen zu können. Folgende Titel erschienen sehr lesenswert:
„Konsequenzen des Kapitalismus“ von Noam Chomsky und Marvin Waterstone,
„Warum schweigen die Lämmer“ von Rainer Mausfeld,
„Tamtam und Tabu“ von Daniela Dahn und Rainer Mausfeld,
„Mega-Manipulation“, Ulrich Mies (Hrsg.),
„Lügen die Medien?“ von Jens Wernicke,
„Propaganda“ von Jacques Ellul,
„Die große Heuchelei“ von Jürgen Todenhöfer,
„Wir sind immer die Guten“ von Mathias Bröckers und Paul Schreyer,
„Illegale Kriege“ von Daniele Ganser,
„Die Machtelite“ von C. Wright Mills,
„Die Abgehobenen“ von Michael Hartmann,
„Wer beherrscht die Welt“ von Noam Chomsky,
„Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ von Shoshana Zuboff,
„Chronik einer angekündigten Krise“ von Paul Schreyer,
„Wer schweigt, stimmt zu“ von Ulrike Guérot,
„The Plot to scapegoat Russia“ von Dan Kovalik,
„The Putin Interviews: Oliver Stone interviews Vladimir Putin“,
„Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“ von Hannes Hofbauer,
„Eine kurze Geschichte der Gleichheit“ von Thomas Piketty.
Mehr gibt es in den Quellen hinten im Buch. Die dort genannten Werke z.B. von Sheldon Wolin (Umgekehrter Totalitarismus) und Peter Scholl-Latour sollte man kennen.
P.P.S. Das Buch ist so zugänglich, schlicht und ergreifend geschrieben, dass man es auch ohne große Vorbereitungen lesen kann.
Nur für den Fall, dass man mehr wissen möchte, eben mehr Kontext braucht, sind die o.g. Empfehlungen da. Sie zeigen aber auch, dass die beiden Autoren mit ihrer Sicht der Dinge wohl kaum allein dastehen. Viele kluge Köpfe haben sich bereits, auf ihre eigene Art, dahingehend geäußert.