Afghanistan: Meine Heimat. Meine Geschichte von Zarifa Ghafari
Sie war die erste Bürgermeisterin Afhanistans! Wenn man sich das aus heutiger Sicht vorzustellen versucht, erkennt man das Ausmaß der Erschütterung, das dieses Land mit dem Abzug der westlichen Nationen getroffen hat.
In diesem wunderbaren (Hör)buch folgt man einer Frau durch ihre Geschichte, die unglaublich stark, mutig, zielgerichtet, verantwortungsbewusst und nicht unterzukriegen ist! Ich verneige mich vor Zarifa Ghafari, die in ihren jungen Jahren mehr er- und überlebt hat, als ich es je könnte, selbst wenn ich 100 Jahre alt werden würde.
Über sie erfuhr ich die Geschichte ihrer Eltern, das damals wieder ein anderes Afghanistan war, als das ihrer Jugend und das von heute. Aus jedem Satz von Zarifa sprüht Lebenslust und die Liebe zu ihrem Land, die Liebe zu den Mädchen und Frauen Afghanistans.
Gegen das Aufbäumen und den Hass vieler Männer, auch einflussreicher, kämpfte sie, behauptete sich, nahm sich das Recht, als gewählte Bürgermeisterin ihr Amt auch aktiv auszuführen. Sie überlebte Anschläge der Taliban und machte weiter. Zeigte ihr Gesicht, versuchte sich mehr zu schützen und blieb an der Öffentlichkeit. Da die Taliban sie nicht töten konnten, ermordeten sie ihren Vater. Und auch danach ließ sie sich nicht aus der Öffentlichkeit vertreiben.
Und dann kam doch noch der Tag im August 2021, als die Taliban Kabul einnahmen und Zarifa Ghafari um ihr Leben fliehen musste. Wir alle kennen die schrecklichen Bilder der Menschen am Flughafen in Kabul, die raus aus Afghanistan wollten. Auch Zarifa und ihre Familie (Mann, Mutter und Schwestern) waren dort und hatten das Glück, von dort wegzukommen. Sie kamen nach Deutschland.
Doch trotz der Sicherheit, in der sie sich in Deutschland befand, waren ihr Kopf und ihr Herz in ihrer Heimat Afghanistan. Sie war in Deutschland einfach eine weitere, unerwünschte Frau mit Kopftuch aus Afghanistan. Sie konnte nicht viel für ihre Landsfrauen tun und so beschloss sie, trotz aller Gefahr, im Februar 2022 zurückzugehen. Die Taliban versicherten ihr, dass sie zurückkommen kann, ohne dass ihr etwas passieren wird. Sie nutze ihre Bekanntheit, um Gelder für ihre NGO zu sammeln und Frauen Perspektiven zu eröffnen.
Ich bewundere diese junge Frau sehr! Sie will mit aller Kraft etwas bewirken, sie entscheidet sich für den Kampf gegen Windmühlen, sie entscheidet sich für Gefahr, kann mit Belanglosigkeiten nichts anfangen, wenn Wichtiges und Veränderungen, wenn auch im Kleinen, herbeigeführt werden müssen.
Zarifa Ghafari ist für mich eine Heldin! Eine Frau, die das Leben lebt, es verbessern will, komme, was wolle!
Ihr Bericht endet, als es noch leise Hoffnung gab, dass die Taliban evtl. tatsächlich etwas mehr für Frauen tun und erlauben wollten und dass evtl. ihr Gerede nicht nur PR ist, wie wir heute wissen. Denn Frauen sind nun aus der Öffentlichkeit verschwunden. Mädchen dürfen nicht mehr auf weiterführende Schulen gehen, nicht mehr studieren, keine Berufe mehr lernen, nicht mehr arbeiten, keine Firmen und Läden besitzen -ohne darin zu arbeiten-, nicht mehr in öffentlichen Parks sitzen und genießen.
Ich weiß nicht, wo Zarifa Ghafari nun ist und was sie macht, machen kann. Ich hoffe, dass ihr positives Licht weiterhin hell leuchtet und viele Menschen anstecken wird.
Lest / hört alle ihr Buch und fangt an zu verstehen, dass die meisten der Geflüchteten aus aller Welt sich nichts mehr wünschen, als wieder nach Hause gehen zu können! Sie lieben ihre Heimat. Wir alle sind Menschen mit Wünschen und Sehnsüchten. Wir alle!
Hörbuch über BookBeat-Abo geliehen.
PS.: Mittlerweile habe ich mir den dazu gehörenden Netflix-Film angeschaut und kann euch auch diesen wärmstens empfehlen! Vieles aus dem Buch brennt sich über die Bilder in die Netzhaut und zeigt noch nachvollziehbarer, mit und gegen was und wen Zarifa alles kämpfen hatte! Manchen Menschen reichen Worte, um zu verstehen und Empathie zu empfinden, andere brauchen Bilder. Der Film ist dazu in der Lage und zeigt ganz deutlich die Veränderung und den Stress des Landes und der Menschen, der durch den Countdown bis zur Taliban-Machtübernahme entstanden war.